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Wie Arbeitnehmer heute den passenden Arbeitgeber finden

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Das Internet hat viele Dinge transparenter gemacht. Wenn ich einen neuen Fernseher suche oder eine Spielkonsole, finde ich über Preisvergleichsseiten schnell das günstigste Angebot. Schnäppchenblogs berichten zudem zeitnah über günstige Angebote von Händlern. Bei Händlern wie Amazon kann sich der Interessent zudem Rezensionen von Käufern anschauen und sich ein genaueres Bild von der Qualität von Produkten machen.

Bei Flügen oder Versicherungen helfen Vergleichsportale dem Verbraucher, trotz des Eigeninteresses der Portale an hohen Provisionen und dadurch entstehenden Verzerrungen, den Überblick über Produkte auf einem Markt zu behalten.

Transparenz führt zu mehr Konkurrenz führt zu geringeren Preisen für den Verbraucher.

Auch Arbeitnehmer profitieren bei der Jobsuche davon, dass Seiten wie kununu es erlauben, sich schon vor Vertragsunterschrift ein Bild vom potentiellen Arbeitgeber zu machen. Früher glichen Unternehmen vor Arbeitsbeginn einer Blackbox, in die man eventuell durch Erfahrungen von Bekannten oder Verwandten einen kleinen Einblick erhaschen konnte – heute kann man sich mit ein paar Klicks einen deutlich genaueren Überblick über die Firmenkultur in einem Unternehmen verschaffen.

Wie funktionieren Portale wie kununu.com? Auf der Internetseite können sowohl aktuelle und ehemalige Mitarbeiter als auch Bewerber einer Firma von ihren Erfahrungen mit einem Unternehmen berichten. Anhand eines Fragenkatalogs bewertet der Mitarbeiter oder Bewerber dabei anonym Kriterien wie Arbeitsatmosphäre, Kollegenzusammenhalt, Führungsverhalten und Work-Life-Balance. Mitarbeiter können zudem angeben, welche Leistungen ihnen von ihrem Arbeitgeber geboten werden.

Je nach Antworten berechnet Kununu einen Wertungsschnitt von eins bis fünf Sternen. Besucher der Internetseite können dann nach einem Unternehmen suchen und erhalten direkt eine Übersicht über den Bewertungsschnitt der Firma, getrennt nach Mitarbeitern und Bewerbern.

Tricks der Arbeitgeber zum Anheben des Punkteschnitts

Gerade für Unternehmen mit schlechten Bewertungen bedeutet dies einen Wettbewerbsnachteil. Die Verantwortlichen der Unternehmen gehen mit einigen Tricks dagegen vor. Ich habe auf dem Portal selbst schon Bewertungen geschrieben. Als ich einmal eine negative Bewertung eines Vorstellungsgesprächs schrieb, erreichte mich nach einigen Monaten Post von Kununu: Der Arbeitgeber bezweifle, dass ich tatsächlich bei ihm ein Vorstellungsgespräch gehabt habe. Kununu benötige einen Nachweis, dass ich tatsächlich dort vorstellig wurde. Aufgrund der Anonymität der Bewertungen können unzulässige Bewertungen natürlich immer der Fall sein – allerdings hatte ich hier eher den Eindruck, dass man mir als Kritiker gerne noch einen Stein in den Weg werfen wollte. Die ein oder andere kritische Bewertung wird eine Firma im Vertrauen auf die Bequemlichkeit der Rezensenten so aus der Welt schaffen können.

Eine andere Methode, um den Bewertungsschnitt einer Firma zu heben, besteht darin, Mitarbeiter zu positiven Rezensionen zu ermuntern oder gar aufzufordern. Dies wird sicherlich in vielen Fällen schon passiert sein. Dann setzt sich eben, zur Tarnung über einen längeren Zeitraum, mal die gesamte Führungscrew eines Unternehmens an den Rechner und schreibt positive Bewertungen – schon ist das negative Bild zu einem durchschnittlichen geworden.

Der Leser muss sich ein genaues Bild machen

Das Portal wird also genauso mit Manipulationen zu kämpfen haben wie Portale wie amazon bei ihren Produktbewertungen. Und doch bleibt aus meiner in jedem Fall ein positiver Nutzen für den Stellensuchenden. Gerade, wenn man sich kritische Bewertungen, beispielsweise beim umstrittenen VNR-Verlag aus Bonn genauer anschaut und mit anderen Beiträgen in Einklang bringt (siehe auch hier).

Für Unternehmen mit hoher Wertschätzung der Arbeitnehmer sind Bewertungsportale natürlich ein Segen. Im Wettbewerb um gute Mitarbeiter ist eine positive Bewertung der Insider ein klarer Wettbewerbsfaktor. Gerade die vielbeschworene Generation Y achtet bei der Jobsuche auf mehr als nur ein hohes Gehalt. Entsprechend offensiv werben Firmen wie der Arbeitgeber Messe Frankfurt mit guten Bewertungen von Mitarbeitern.

Um es noch einmal kurz zusammenzufassen: Für Menschen auf Jobsuche, denen insbesondere Faktoren wie Arbeitsatmosphäre und Kollegenzusammenhalt wichtig sind, macht die Informationssuche auf Arbeitgeberbewertungsportalen Sinn. Trotzdem sind die Bewertungen mit Vorsicht zu genießen und aufmerksam zu lesen. Viele negative Bewertungen sollten ein Warnsignal sein – auch wenn diesen (vermeintlich) eine Vielzahl von positiven Bewertungen gegenübersteht.

Auf der anderen Seite profitieren Arbeitgeber mit großer Mitarbeiterzufriedenheit davon, dass dieser Wert durch das Internet viel deutlicher zum Vorschein kommt als in der damaligen analogen Welt, in der noch viel mehr im Dunkeln lag.

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Autor: Alltagsoekonom

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