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Neymar & Co: Gedanken zu den Geldsummen im Fußball

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Viel war zu lesen über den mit Abstand teuersten Transfer eines Fußballspielers bisher. In diesem Beitrag geht es darum, wie ich die Transfersummen und Spielergehälter im Spitzenfussball sehe.

Ich betrachte und kommentiere die unterschiedlichen Sichtweisen und Denkansätze, auf die ich da draußen gestoßen bin.

Jeder dürfte es mitbekommen haben: Der Brasilianer Neymar, in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach der beste Fußballer der Welt, wechselt für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain. Dieser Transfer hat für das größte Aufsehen gesorgt, allerdings steigen die Ablösesummen auch in der Breite seit Jahren stark an.

Englische Vereine legen dabei traditionell das meiste Geld auf den Tisch. In dieser Transferperiode stach dort vor allem der Transfer von Romelu Lukaku hervor. Mourinho zahlte für den Belgier etwa 85 Millionen Euro an den FC Everton. Manchester City zahlte für sechs Neuzugänge, vor allem Abwehrspieler, etwa 240 Millionen Euro.

TV-Rechte von Jahr zu Jahr teurer

Viele Leute sagen: Solche Transfers lohnen sich aus ökonomischer Sicht nicht. Die Kosten für einen Romelu Lukaku oder Paul Pogba werden die Spieler nicht wieder einspielen. Manchester United macht ein Minusgeschäft. Ich bin mir da nicht so sicher: In den großen europäischen Ländern wird der Fußball immer populärer. Die wichtigste Einnahmequelle stellen dabei die Fernsehrechte dar. Diese steigen in England von insgesamt drei Milliarden Pfund in den Jahren 2013 bis 2016 auf mehr als 5 Milliarden Pfund von 2016 bis 2019.

Dazu kommen weitere Einnahmen durch Erfolge in der Champions League, die eben genannte Spieler wahrscheinlicher machen sowie mögliche Zusatzeinnahmen durch (höhere) Ticketpreise und Trikotverkäufe. Im Fall Neymars wurden wohl in den ersten sechs Stunden alleine in zwei PSG-Ticketshops auf der ChampsÉlysées mehr als 10000 Tickets verkauft. Zu Trikotpreisen von 155 Euro pro Stück! Das macht dann schon Einnahmen von 1,55 Millionen, die natürlich noch nicht direkt angerechnet werden können auf die Ablösesumme Neymars. Vorher sind die Herstellungskosten für die Trikots abzuziehen und ebenso ist zu berücksichtigen, inwieweit andere Spielertrikots sich weniger verkaufen.

Trotzdem: Die Einnahmen durch Trikotverkäufe und weitere Fanartikel dürften über einige Jahre zumindest einen hohen zweistelligen Millionenbetrag wieder einspielen.

Die direkten Einnahmen aus der Champions League sind aus meiner Sicht im Vergleich zu den Ablösesummen human: Bayern und der BVB kamen in der vergangenen Saison auf etwa 65 Millionen Euro. Beide schieden im Viertelfinale aus. Der Gewinner, Real Madrid, dürfte auf etwa 100 Millionen Euro gekommen sein.

Ökonomische Unvernunft der Vereine?

Berücksichtigt man die steigenden Erlöse für die TV-Rechte, so ist ein starker Anstieg der Ablösesummen erklärbar.

Auszurechnen, ob ein Romelu Lukaku, Paul Pogba, Gareth Bale oder Kevin de Bruyne ihre hohen Ablösesummen nach ökonomischen Prinzipien wert sind, ist kompliziert. Ich vermute, sie werden das Geld nicht wieder einspielen, zumal auch ihr Gehalt beträchtlich sein und 10 Millionen Euro übersteigen dürfte. Aber sonderlich groß dürfte das Defizit nicht sein, das sie einspielen.

Im Falle des Brasilianers Neymar belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten des Transfers inklusive Gehälter und Handgelder auf bis zu 800 Millionen Euro. Eine Summe, die der Brasilianer mit großer Sicherheit nicht wiedereinspielen wird. Bei 11 Freunde erklärt ein Sportökonom, dass eher politische Gründe für die Verpflichtung Neymars ausschlaggebend sind. Paris Saint Germain wird finanziert von einem Staatsfonds aus Katar. Demnach versucht das Land Katar, von den eigenen innenpolitischen Problemen wie Arbeitslosigkeit und den Spannungen mit Nachbarstaaten wie Saudi Arabien abzulenken.

Vom Fall Neymar abgesehen ist also unklar, ob sich die hohen Kosten wirtschaftlich lohnen, die mit der Verpflichtung sehr guter Spieler einhergehen.

Das Financial Fair Play besagt, dass Vereine nur so viel Geld ausgeben dürfen, wie sie einnehmen. Im Fall Neymar wurde die Regelung durch allerlei Tricksereien umgangen. Jürgen Klopp sprach davon, dass die Regel offenbar nur eine Empfehlung darstelle. Offenbar ist es weiterhin so, dass mächtige Geldgeber Vereine an die Weltspitze führen können oder Transfers missbrauchen, um von politischen Problemen abzulenken.

Die Akteure verdienen zu viel Geld

Doch was ist mit der Moral? Fußballstars kassieren immer mehr Millionen, Superstars mittlerweile weit über 10 Millionen pro Jahr. Die Grenze ist für mich klar überschritten. Wenn wir davon reden, dass der Vorstand eines DAX-Konzerns zu viel Geld verdient im Vergleich zum Durchschnittsarbeitnehmer, dann gilt das genauso für Profifussballer. Der Markt führt zu absurden Ergebnissen.

Die Spitzenverdiener des Sports werden von sich aus in den seltensten Fällen darauf kommen, dass es im Vergleich zum Rest der Bevölkerung unfair ist, so viel zu verdienen. Und selbst wenn einige dieser Ansicht sind, heißt das noch lange nicht, dass sie etwas von ihrem Einkommen abgeben. Hier ist die Politik gefordert. Wie auch bei den Managergehältern macht es Sinn sich zu überlegen, wie man für mehr Umverteilung sorgen kann. Das kann über Gehaltsobergrenzen gehen oder durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. Hier muss Fußballeuropa oder besser noch die Fußballwelt geschlossen handeln. Sonst spielen die Stars bald nur noch da, wo das meiste Geld wartet. In China.

Absurder Starkult

Ebenso finde ich absurd, welcher Starkult gerade mit den neuen Medien einhergeht. Da werden mir Videos vorgeschlagen wie das unten abrufbare, das über vier Millionen Aufrufe hat. Und dann sieht man mit Heldenmusik unterlegt, wie sich ein Christiano Ronaldo für ein Foto mit einem randalierenden Fan einsetzt.

Versteht mich nicht falsch: Es gibt Spieler, die ich bewundere für ihre Fähigkeiten auf dem Platz. Wie ein Toni Kroos die Bälle weiterleitet oder welch feine Pässe Christian Eriksen spielt.

Doch diese Fußballstars anzuhimmeln und ihnen aufgrund ihrer Fähigkeiten auf dem Fußballplatz auch große Qualitäten abseits des Platzes anzudichten – das ist dann eher das Verhalten von Kindergartenkindern. Doch ich fürchte, dass auch viele ältere Menschen nicht nachdenken darüber, ob das Bild, das sie von ihren Fußballidolen haben, wohl realistisch ist. Und letztlich sind es die Fans, die Sky abonnieren, Trikots kaufen und ins Stadion rennen – und damit diesen ganzen Zirkus finanzieren.

Die meisten Fans wollen Fussball sehen. Gleichzeitig halten die meisten vermutlich wie ich die Gehälter für ungerecht. Doch der Schritt, das Sky-Abo zu kündigen, keine Fanartikel zu kaufen und nur noch selten ins Stadion zu gehen, ist für den einzelnen zu unbequem. Und so sind wir im klassischen Gefangenendilemma und die Menschen geben weiterhin viel Geld für Fussball aus.

Die Konsumenten werden sich nicht so schnell ändern. Die Revolution von der Basis bleibt aus. Also sind Politik und UEFA gefragt, um Gehaltsobergrenzen und Financial Fair Play durchzusetzen.

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

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