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Sparzinsen über zwei Prozent: Was ist davon zu halten?

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Seit der Niedrigzinsphase ist Sparen nicht mehr so einfach wie noch vor ein paar Jahren, denn Sparbücher und Co bringen aufgrund der hohen Inflation kaum noch Gewinne.

Drei Prozent Zinsen auf klassische Sparprodukte wie Festgeld oder Tagesgeld? Davon können deutsche Sparer im Moment nur träumen, denn seit mehreren Jahren wird der europäische Finanzmarkt von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bestimmt. Anleger, die ihr Kapital einfach und risikoarm sparen wollen, haben so kaum noch die Chance, mit den verdienten Zinsen über die Inflationsrate zu kommen. Welche Alternativen haben Sparer? Aktienfonds, Immobilien, Gold?

Oder vielleicht eine Festgeldanlage im Ausland, die mit besseren Zinsen versehen ist als in Deutschland? Die Umsetzung scheiterte bisher schon am großen Aufwand, den Sparanlagen im Ausland mit sich brachten: Ein fester Wohnsitz im gewünschten Land und ein bereits bestehendes Konto bei der entsprechenden Bank wurden benötigt. Doch diese Hürden entfallen, seit FinTechs, also innovative Unternehmen aus der Finanztechnologie, den Finanzmarkt verändern.

Eines dieser FinTechs aus Deutschland hat dabei die Marktlücke gefüllt: Über die Plattform WeltSparen können Anleger europaweit Sparanlagen anlegen und von höheren Zinsen profitieren, ohne diesen bürokratischen Aufwand auf sich nehmen zu müssen. Das Vermittlerportal regelt die Bankgeschäfte über seine deutsche Partnerbank in Frankfurt, die Anleger können ihre Konten über das Online-Banking verwalten.

Aber funktioniert diese Geschäftsidee überhaupt? Bei weltsparen.de ist man zufrieden mit dem bisherigen Geschäftsverlauf. „Das spricht sich offensichtlich herum, denn immer mehr Menschen vertrauen – in wachsendem Maße – unseren Angeboten“, so äußerte sich der Geschäftsführer Tamaz Georgadze von WeltSparen kürzlich in einer Pressemitteilung über ihren Erfolg. „Während deutsche Banken Sparer mit Null- oder sogar Negativzinsen bestrafen, bieten wir unseren Kunden nach wie vor ordentliche Zinsen.“

So haben innerhalb von drei Jahren über 65.000 Verbraucher den Service von WeltSparen in Anspruch genommen und mehr als drei Milliarden Euro im Ausland angelegt. Aber ist diese Anlage sicher? Diese Frage stellen sich viele Interessierte nicht erst, seitdem ihr Vertrauen durch die Finanzkrise erschüttert wurde.

EU-Mitgliedsstaaten haften für die Banken ihres Landes

Die Europäische Union möchte dem entgegenwirken und die Verbraucher schützen. Durch die gesetzlich festgelegte Einlagensicherung sind alle Anlagen bis 100.000 Euro innerhalb der EU zunächst einmal abgesichert – allerdings nicht durch einen EU-weiten Rettungsschirm, sondern durch die Mitgliedsländer selbst.

Ein Beispiel: Ich lege Geld in Bulgarien an und die Bank, bei der ich mein Geld angelegt habe, meldet Insolvenz an. In dieser Situation verpflichtet sich der bulgarische Staat, für die bei der Bank angelegten Gelder gerade zu stehen. Und hier liegt das Problem: Die Mitgliedsstaaten der EU verfügen über unterschiedliche Bonität.

Wenn eine deutsche Bank pleitegeht, so wird die Bundesrepublik sehr wahrscheinlich dafür sorgen können, dass die Sparer entschädigt werden. Wenn hingegen eine bulgarische oder italienische Bank Konkurs anmeldet, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationalstaaten nicht in der Lage sind, die garantierten Entschädigungen zu zahlen.

Der Sparer könnte in diesem Fall das Glück haben, dass er letztlich durch andere EU-Länder an sein Geld kommt, die für den zahlungsunfähigen Staat in die Bresche springen. Doch eine Garantie dafür gibt es nicht und langwierige politische Verhandlungen wären wahrscheinlich.

Fakt ist also auch hier einer der zentralen Grundsätze der Finanzmarkttheorie: Eine höhere Rendite geht immer mit einem höheren Risiko einher.

 

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Autor: Alltagsoekonom

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