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The Heritage Post – Magazin für Herrenkultur?

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Nach langer Zeit habe ich am Kiosk mal zu einem neuen Magazin gegriffen. Es nennt sich Heritage Post. Angesprochen hat mich insbesondere der nachdenkliche, klassisch angezogene Mann in einem Pub auf dem Cover.

Vor dem Kauf blätterte ich das Heft einmal durch. Zu schnell, um mir eine Meinung zu bilden. Also habe ich kurzentschlossen das Magazin erworben und es in einem Cafe durchgelesen. Natürlich war ich gut angezogen und erwies damit den Menschen um mir den nötigen Respekt. Denn das ist genau, was der Herausgeber in seinem Vorwort von Männern fordert:

Gut essen gehen, dabei gut angezogen sein und sich Zeit nehmen. Gleichzeitig kritisiert der Autor, dass „der Service in den Restaurants in manchen Städten mittlerweile so schlecht geworden ist, dass man sich freuen kann, wenn ein besonderer Abend reibungslos verläuft und nicht die Hälfte der Bestellung auf dem Weg in die Küche verloren geht.“ Ein sehr oberflächliches und fantasieloses Vorwort

Mir gefiel die hochwertige Aufmachung des Heftes, die dicken Seiten und der gute Geruch, deshalb habe ich das Heft erworben.

Geht es mit den Inhalten im Heft auf demselben Niveau des Vorworts weiter?

Direkt nach der Inhaltsangabe gibt es die Rubrik „The Recommended Piece“, in der ein Taschenmesser in blumigen Worten beworben wird. Es folgen „The Rugged Guys“, was soviel bedeutet wie Die robusten Typen. Hier gibt es kurze Portraittexte zu Männern mit Berufen wie Metzgermeister, Koch oder Barkeeper. Dazu gibt es dann von den einzelnen Männern in Szene gesetzte Fotos mit Markenklamotten, bestimmten Schuhmarken, Handtaschen, Uhren oder Accessoires. Praktischerweise werden die entsprechenden Markenprodukte daneben noch einmal einzeln aufgeführt mit Internetseite.

Männer in schicker Markenkleidung

Die Menschen werden in den Portraits natürlich allesamt positiv beschrieben. Alles tolle Kerle mit schicken Klamotten, die in ihrer Freizeit Auto fahren. Sehr oberflächlich und bloß nicht zu sehr in die Tiefe gehen, sonst könnten die Leser ja weniger die angepriesenen Produkte kaufen. Das war schon an der Stelle mein Gedanke. Teilweise passen die Klamotten auch überhaupt nicht zu den Menschen. Das Unwohlsein des Portraitierten ist für mich trotz der Inszenierung sichtbar.

Ich kann jetzt nicht mehr an mich halten. Es geht immer so weiter mit den Werbetexten und Bildern. Ich habe gar keinen Bock mehr diesem Werbeheft weitere Zeilen zu widmen. Neun Euro und fünfzig Cent habe ich für diesen Werbeprospekt ausgegeben. Da kann ich Substanz erwarten. Redaktionelle Inhalte sind Pflicht, doch ich bekomme fast ausschließlich Content Marketing.

Ein paar weitere Beispiele: Da gibt es diese Schuhmarke namens Red Wing Shoes. In dem Artikel soll es um die Pflege von hochwertigen Lederschuhen gehen. Dazu erfährt man ein paar kleine Dinge. Doch größtenteils lese ich hohle Marketingphrasen wie:

„Die Verbindung aus schlichtem, zeitlosen Design, handwerklich hervorragender Verarbeitung, hochwertigen Materialien, überzeugender Passform und Bequemlichkeit sowie unvergleichlicher Robustheit und Wetterfestigkeit ist absolut bestechend.“ Dann wird noch auf das Image der Marke eingegangen, das, „machen wir uns nichts vor – oftmals die halbe Miete beim Kaufentscheid ist […]“

Den Satz finde ich entlarvend und das ist mir noch in weiteren Artikeln aufgefallen: Das Image der Produkte ist so wichtig, dass man dafür doch auch mal gerne tiefer in die Tasche greift. Eine Einstellung, die ich armselig finde.

Fast jeder Artikel dient der Vermarktung eines Produkts

Dann gibt es da einen Artikel über die Parfümmarke Floris, mit der man sich „die Sonne Menorcas ins regnerische London des achtzehnten Jahrhunderts“ geholt hat. Ein durchweg lobendes Unternehmensportrait mit hohlen Sätzen wie: „Floris konnte sich über Jahrhunderte behaupten, weil das Unternehmen neben den Wurzeln im Traditionellen und Handwerklichen auch dem Puls der Zeit folgt.“ Ein weiterer Werbetext, getarnt als journalistischen Artikel.

Dann wird der Mythos der Rolex Daytona näher erläutert. Und siehe da, es finden sich tatsächlich ein paar halbironische Sätze im Artikel, nachdem man die Marke mit der Entstehungsgeschichte schön emotional besetzt hat. Da heißt es: „Die Daytona ist der feuchte Uhrentraum von Immobilienmaklern und Autohändlern, das rare Gadget für BWLer und Berufssöhne, die passende Ergänzung zu noppenbesohlten Wildleder-Slippern oder die Daunenweste von La Martina. Kurz danach folgt dann aber auch die Klarstellung: Nicht das sich das Unternehmen Rolex hinterher beschwert, der Text sei nicht verkaufsfördernd. Es folgt nämlich zwei Sätze später: „Aber er bekommt eine qualitativ ausgereifte Uhr, pflegeleicht und wasserdicht, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht billig, aber lange nicht so teuer wie andere Edelstahl-Chronographen a la Royal Oak (Audemars Piguet) oder Overseas (Vacheron Constantin) in der Juweliersauslage des Nebenfensters. Eine schöne Historie gibt’s dazu.“ Wenn das mal kein Argument ist, mindestens 5k für eine Rolex auszugeben, dass es noch teurere Uhren gibt.

Ganz wenige redaktionelle Inhalte

Das Product-Placement geht fröhlich weiter: Von der „Petromax-Starklichtlampe“ über eine Outdoorküche für 10.000 Euro bis hin zu 15 Sorten Gin, über die es allesamt nur Positives zu berichten gibt. Ein paar Artikel ohne große Verkaufsabsicht gibt es auch, beispielsweise eine Einführung des Dartsports, ein paar Kochrezepte, eine Kolumne und das Portrait eines Sängers.

Fazit: Was habe ich mir von The Hertitage Post erhofft? Interessante, informative und ausgewogene Artikel über hochwertige und langlebige Produkte wie etwa Lederschuhe und deren Pflege. Die ein oder andere Anregung in Bezug auf Lebensphilosophie und inspirierende Geschichten.

Was habe ich bekommen? Oberflächliche und nichtssagende Portraits irgendwelcher Männer mit Produktplatzierungen. Jede Menge als Journalismus verpackte Werbung. Ein viel zu teures Heft, das hochwertig  daherkommt, dessen Inhalt jedoch fast ausschließlich Werbung ist. Echte Inhalte sind kaum vorhanden. Einmal und nie wieder.

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Autor: Alltagsoekonom

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