Wirtschaft einfach leben

Wie die comdirect Kunden im Ausland über den Tisch zieht

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Auf diesem Blog habe ich schon einige Male die comdirect als meine Bank gelobt. Ich habe meinen Lesern ein Konto dort empfohlen. So zufrieden ich bislang auch war, diesmal muss ich die Kehrseite beleuchten.

Denn eine Erfahrung stellt meine Lobhudelei in Frage. Es geht um Kreditkartenzahlungen im Nicht-EU-Ausland, den Wechselkurs und die anfallenden Gebühren.

 

Letzte Woche habe ich ein paar Tage in Prag geurlaubt. Nebenbei bemerkt eine schöne Stadt mit alten, dreckigen Häusern und sehr viel Kunst.

Einen Großteil meiner Zahlungen dort habe ich per Kreditkarte abgewickelt, denn in Prag zahlt man nicht mit Euro, sondern mit tschechischen Kronen. Ein wenig Bargeld habe ich auch vor Ort in einer der zahlreichen Wechselstuben in tschechische Landeswährung gewechselt.

Schlechter Wechselkurs + Gebühr

Abbildung 1: Die Rechnung im Detail, Part I.

Stellvertretend für die vielen Transaktionen per Kreditkarte habe ich die zweitgrößte gewählt. Eine Hotelübernachtung, die mit 2330 tschechischen Kronen ins Kontor schlug. Aber keine Angst, der Umrechnungskurs liegt derzeit bei etwa 25,72 tschechische Kronen je einem Euro. Das ergibt also, 2330 geteilt durch 25,72: 90,59 Euro.

Die comdirect hat jedoch einen Wechselkurs von 25,43 genommen. Deshalb wurde meine Kreditkarte mit 91,61 Euro belastet. Obendrauf kommt eine Gebühr von 1,75 Prozent auf den Eurobetrag, in diesem Fall 1,60 Euro. Macht alles in allem 93,21 Euro.

Ich zahle also 93,21 Euro, während ohne Gebühren 90,59 Euro angefallen wären. Im Prinzip habe ich 93,21 Euro in einen Gegenwert in tschechischen Kronen von 90,59 Euro geteilt. Das führt zu einem Wechselkurs von fast exakt 25 tschechischen Kronen für einen Euro.

Dieser Wechselkurs ist geringer als das, was die allermeisten Wechselstuben in Prag anbieten. Meist bekommt man 25,2-25,4 tschechische Kronen für einen Euro. Es gibt zwar ein paar Abzockstuben, in denen man die Hälfte des Geldwertes beim Tausch verliert, doch mehr als 90 Prozent bieten mehr als 25:1.

 

Nur geringe Kosten je Transaktion für comdirect

Ich sehe das Problem hier nicht vorrangig in den 1,75 Prozent Gebühr der comdirect. Die Gebühr ist zwar hoch, doch ich hätte von ihr wissen können, wenn ich mir das Preis-Leistungsverzeichnis angeschaut hätte. Das Problem ist der für den Kunden nachteilige Wechselkurs von 25,43, zu dem er sein Geld in tschechische Kronen tauscht. Auf Nachfrage bekam ich vom Comdirect-Support eine Internetseite mit Devisenkursen der Commerzbank. An diesen orientiert sich die Comdirect bei ihrer Abrechnung.

Für jeden Wechselkurs gibt es auf der Seite einen Brief- und einen Geld- und einen Briefkurs. Dieser ist vergleichbar mit dem An- und Verkaufskurs in tschechischen Wechselstuben. Zum Briefkurs können Menschen die Fremdwährung erwerben, zum Verkaufskurs können diese die Fremdwährung verkaufen.

Während der Mittelkurs am 18.10.2017 bei 25,73 lag, liegt der Geldkurs bei nur 25,43 und der Briefkurs bei 26,03.

Die Comdirect kann den schlechten Wechselkurs nicht damit begründen, dass es auf Märkten immer einen Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs gibt. Der Devisenmarkt ist einer der liquidisten der Welt, da sind die Unterschiede zwischen An- und Verkauf jeweils sehr viel geringer.

Durch den miesen Wechselkurs der Comdirect betragen die wahren Gebühren etwa 2,8 Prozent je Transaktion. Die Comdirect kassiert hier also doppelt ab. Einerseits durch den schlechten Wechselkurs, andererseits durch die 1,75 Prozent Gebühren. Noch einmal: Von den 1,75 Prozent Gebühren hätte ich wissen können. Dass der Wechselkurs jedoch so schlecht ausfällt, ist nicht in Ordnung.

Abbildung 2: Die Rechnung im Detail, Part II

Ich finde es nicht angemessen, wenn eine Bank einen insgesamt derart schlechten Wechselkurs bietet. Die Wechselstuben in Prag haben allesamt Personal, das vom Geldwechsel leben muss. Bei der comdirect-Bank laufen die Transaktionen vollautomatisch. Da müssten die Kosten für den Kunden normalerweise niedriger sein.

Der Comdirect-Kundensupport hat mir mittlerweile zwei Male geschrieben, konnte oder wollte mir jedoch nicht erklären, warum der Kunde auch beim Wechselkurs noch einmal zur Kasse gebeten wird.

Fazit: Die Comdirect kassiert beim Einsatz der Kreditkarte in einem Nicht-Euro-Land nicht nur durch legitime Gebühren ab, sondern legt zusätzlich einen für den Kunden nachteiligen Wechselkurs zugrunde.

Auch wenn man Wertpapiere über die Comdirect kauft, muss man sich immer gut informieren, welche Entgelte und Gebühren anfallen. In diesem Bereich ist die Kostenstruktur der Comdirect ebenfalls nicht transparent und damit zum Nachteil des Kunden.

Da muss man sich als Bank nicht beschweren, wenn das Vertrauen der Menschen in Banken gegen Null tendiert.

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Autor: Alltagsoekonom

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