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5Kom(m)a0 – Ein Outlaw unter den deutschen Bieren

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In meinem Stammsupermarkt ist es regelmäßig ausverkauft, vor allem, weil eine Bar in der Nähe das Bier palettenweise kauft: 5,0, so heißt eine recht bekannt gewordene Biermarke. Paradoxerweise kann man mittlerweile wirklich von einer Marke sprechen, obwohl sich das Bier als Anti-Marke inszeniert.

Ich zitiere hier den Text, der auf der schwarzen „5,0-Original“-Dose aufgedruckt ist:

„Nur eine einfache schwarz-weiße Dose ! Keine goldene mit aufwändiger Prägung ! Nur eine simple Gestaltung ! Keine teure TV-Werbung ! Diese Ersparnis geht an Sie ! Wir haben so gut wie an allem gespart ! Außer an der Qualität des Bieres ! 5,0 Original ist ein Pilsbier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot ! Zutaten: Wasser, Gerstenmalz und Hopfenextrakt ! Setzen Sie Ihr Geld besser ein ! Bezahlen Sie jetzt weniger für ein gutes PILS ohne Schnörkel !“

Leute, die regelmäßig diesen Blog besuchen, werden wissen, dass ich der glitzernden Markenwelt mit ihren Heilsversprechen skeptisch gegenüberstehe. Apple-Produkte beispielsweise mag ich überhaupt nicht, weil sich offenbar Menschen über diese völlig überteuerten Produkte zu definieren versuchen. „Ich bin ein so hipper und kreativer Typ, ich habe einen Apple-PC für 1500 Euro“, schreien mir deren Besitzer förmlich entgegen.

Klar ist aber auch, dass fast jeder Mensch empfänglich ist für die ein oder andere Werbung, selbst wenn er deren Funktionsweise verteufelt. Ich beispielsweise habe vor allem Sportklamotten von adidas. Obwohl beispielsweise mein Trainingsanzug des Konzerns aus Herzogenaurach recht günstig war, habe ich bewußt nach einem Produkt dieser Firma gesucht.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf einen meiner Lieblingsblogs hinweisen: Bei konsumpf.de handelt es sich um einen konsumkritischen Blog, der Themen wie manipulative Werbung oder Adbusting behandelt. Beim Adbusting handelt es sich um das Manipulieren von Werbeplakaten, etwa durch Bemalen. So wurden beispielsweise in Köln zwei Fast-Food-Werbeplakate mit Rezepten für Spaghetti Bolognese überschrieben.

Zurück zum Thema 5,0. Der Biermarkt zeichnet sich im Allgemeinen dadurch aus, dass die angebotenen Produkte sich geschmacklich zumeist wenig unterscheiden. Es handelt sich folglich um relativ ähnliche Güter, was es für die Brauereien umso wichtiger macht, den Absatz durch Werbung und Verkaufsförderung anzukurbeln. Verkaufsförderung beschreibt etwa die Vergabe von kleinen Geschenken beim Kauf eines Produkts.

Ich habe einmal für mehrere Monate im Getränkemarkt gejobbt. Verkaufsförderung ist gang und gebe: Jede Woche wurde eine andere Biermarke damit beworben, dass der Kunde beim Kauf eines Kastens noch eine Zugabe erhält. Dabei handelt es sich etwa um Flaschenöffner, Strohhüte sowie Eiskratzer und Deutschlandfahnen fürs Auto.

In diesem Markt beschreitet die Feldschlößchen Brauerei nun den umgekehrten Weg und beschriftet eine simpel gestaltete Dose mit einigen Sätzen Text in denen Sie darauf hinweist, dass an allem gespart wurde, außer an der Qualität des Bieres. Starke Aussage, stimmige Botschaft, an dieser Stelle möchte ich einmal mein Lob und meine Bewunderung für diese kreative Verkaufsstrategie aussprechen.

Und was ist mit dem Bier selbst? Etwas böswillig könnte man es als „Everybody’s-darling-is-nobody`s-darling-Bier“ beschreiben: Es schmeckt sehr mild und eignet sich daher in besonderem Maße für Vieltrinker. Ebenso böswillig könnte man es daher auch 5Koma0 nennen. In meinem Supermarkt kostet die Dose 39 Cent, was ich nicht soo günstig finde. Es gibt jedenfalls im Niedrigpreissegment viele weitere Biere, um diesen Artikel hier nicht zu einer Werbeveranstaltung verkommen zu lassen.

photo credit: chepedaja via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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