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Cent-Auktionen: Das neue IPad für 3,50 Euro?

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Viele werden sicherlich schon davon gehört haben: Im Internet tummeln sich Anbieter von speziellen Auktionen, sogenannten Cent-Auktionen. Diese werben damit, dass man Produkte wie das neue IPad zu unfassbar günstigen Preisen erwerben könne. Mit diesem Artikel möchte ich etwas über den Ablauf dieser Auktionen erzählen und überprüfen, ob die Produkte tatsächlich so preiswert zu haben sind.

Wichtig ist bei diesen Aktionsplattformen, dass die Produkte üblicherweise vom Hersteller selbst zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich also nicht um Privatpersonen, die ein Produkt versteigern und am Ende den Erlös einstreichen, sondern der Auktionserlös geht direkt an die Auktionsplattform

Eine sehr weit verbreitete Form von Auktion ist folgende, bei der das kleinste einmalig abgegebene Gebot den Zuschlag erhält. Alle Personen, die auf das IPad geboten haben zahlen jedoch pro Gebot einen bestimmten Betrag, meist 50 Cent. Der Gewinner der Auktion zahlt dann zusätzlich zu seinen Geboten den siegreichen Gebotsbetrag.

Ich möchte an einer Beispielrechnung verdeutlichen, welche Einnahmen das Auktionshaus generiert und wieviel Geld die Bietenden ausgeben. Bei der Plattform betsmart.eu etwa wurde am 17.08.2012 ein Ipad 3 mit 64GB Speicher für 3,81 Euro versteigert, Bei amazon hat das Gerät einen Wert von fast 800 Euro.

3,81 Euro waren, wie bereits beschrieben, das kleinste einmalig abgegebene Gebot. Geboten werden konnte jeder Geldbetrag in 1-Cent-Abständen. Man kann davon ausgehen, dass auf die allermeisten der 380 Beträge, die unter 3,81 Euro liegen mindestens 2 Gebote abgegeben wurden. Zudem wird es Leute geben, die mehr als 3,81 Euro geboten haben, jedoch nicht den Zuschlag erhalten haben, weil 3,81 Euro ein kleineres einmaliges Gebot ist. Der Anbieter listet unter ,,Beendete Auktionen“ detailliert auf, auf welchen Geldbetrag Gebote abgegeben wurden. So wurden etwa allein 6 Gebote auf den kleinsten Betrag von 0,01 Euro abgegeben.

Um es kurz zu machen: Insgesamt wurden 3200 Gebote abgegeben. Ein Gebot kostet bei diesem Anbieter 49 Cent. Alleine durch Gebote wurden also 3200×0,49=1568 Euro vom Auktionshaus eingenommen. Hinzu kommt der Betrag von 3,81, den der Gewinner zu zahlen hat. Das macht insgesamt 1571,81 Euro an Einnahmen. Daraus folgt der Gewinn aus der Aktion, der bei 1571,81-800= 771,81 Euro liegt.

Bild: Wer für die Teilnahme an solchen Auktionen sein Sparschwein schlachten will, sollte zumindest diesen Artikel gelesen haben

Diese Rechnung verdeutlicht, wie lukrativ das Geschäft für den Anbieter ist. Das besondere an dieser Auktionsform ist, dass auch Personen, die das Produkt letztlich nicht erhalten, Geld bezahlen. Der Gewinner mag, wenn er nicht zu viele Gebote abgegeben hat, ein Schnäppchen gemacht haben, allerdings wird das Produkt durch die Gebote der nicht erfolgreichen Bieter mitbezahlt.

Dem Leser sollte deutlich geworden sein, dass diese Art ,,Auktion“ deutliche Züge eines Gewinnspiels trägt, denn der Faktor Glück spielt eine große Rolle. Ich denke jedoch, dass es manchen Teilnehmern der Auktionen gelingt, höhere Gewinnchancen als Andere zu generieren, indem sie die erfolgreichen Gebote vergangener Auktionen analysieren und für die entsprechenden Gewinnbereiche Gebote abgeben. Allerdings halte ich es für unwahrscheinlich, dass selbst diese strategischen Bieter auf lange Sicht Schnäppchen auf den Plattformen schießen können.

Eine andere Auktion nutzt einen Countdown-Mechanismus. Bei der Auktionsplattform Snipster etwa läuft ein Countdown von 15 bzw. 10 Sekunden bis auf 0. Durch jedes eingehende Gebot wird der Countdown wieder auf seine Ursprungszeit zurückgesetzt. Letztlich erhält der Spieler den Zuschlag, bei dessen Gebot innerhalb der Countdown-Zeit kein neues Gebot eingegangen ist. Hier kostet jedes Gebot, egal ob erfolgreich oder nicht, 50 Cent.

Bei snipster wurde etwa am 19.08.2012 ebenfalls ein Ipad 3, hier jedoch mit 16GB Speicher, versteigert. Bei amazon kostet dies ca. 495 Euro. Das erfolgreiche Gebot betrug 23,20 Euro. Das bedeutet für die Einnahmen des Auktionshauses: 2320 Gebote x 0,49 Euro = 1136,80 Euro + 23,20 Euro für das erfolgreiche Gebot = 1160 Euro Einnahmen. Der Gewinn von Snipster beläuft sich hier also auf 1160- 495 = 665 Euro.

Diese Auktionsform besitzt ebenfalls einen hohen Glücksanteil. Auch hier mag es Personen geben, die erfolgreicher ihre Gebote abgeben als andere. So könnte ein Vorteil darin liegen, dass manche Menschen informiert sind, zu welchen Zeitpunkten Auktionen wahrscheinlicher enden. Eine andere Möglichkeit, sich einen Vorteil zu verschaffen mag darin liegen, andere Bieter über einen bestimmten Zeitraum sofort zu überbieten und damit ,,aus dem Markt zu drängen“. Allerdings bezweifle ich auch bei dieser Aktionsart aufgrund der hohen Gewinne der Anbieter sehr stark, dass es Bieter gibt, die ,,profitabel“ auf die einzelnen Produkte bieten.

Fazit: Cent-Auktionen und Auktionen mit Countdown-Mechanismus sind so gestaltet, dass die Auktionsplattform hohe Gewinne realisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dort mit Geschick dauerhaft günstiger an Artikel kommt als im Handel.

 

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Autor: Alltagsoekonom

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2 Kommentare

  1. Da ich mich aktuell mit dem Thema beschäftige

    Zitat: „Das heißt also: Auf alle 380 Beträge, die unter 3,81 Euro liegen wurden mindestens 2 Gebote abgegeben.“

    Es gibt auch den Fall, dass die Beträge unter 3,81€ gar nicht getippt wurden, von daher ist die Rechnung vollkommen falsch. Es lässt sich im Grunde nur dann eine Rechnung aufstellen, wenn man die genaue Anzahl an „Tippern“ kennt. Der schlimmste Fall für das Unternehmen wäre der, dass nur 100 Leute a 0,49€ auf zb. ein Ipad tippen und der niedrigste einmalige wert liegt bei 3,81€.

    • Da haste Recht Thomas, man kann tatsächlich nicht davon ausgehen, dass auf alle niedrigeren Beträge auch geboten wurde. Ich werde das im Text korrigieren.

      Allerdings liste ich ja detailliert auf, was der Anbieter der Auktion für Einnahmen hatte und es ändert nichts an der Grundaussage, dass sich Cent-Auktionen für die meisten Menschen nicht lohnen.

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