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Der Spiegel: Hüter der Demokratie?

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Journalisten reden gerne davon, dass die Medien unsere demokratische Ordnung überwachen und auf Fehlentwicklungen hinweisen. Vor allem renommierten Nachrichtenmagazinen wie dem Spiegel wird diese Rolle zugesprochen. Darum wird von Medienvertretern, wenn es ihnen in den Kram passt, so gerne das Lied der Pressefreiheit als hohem Gut gesungen.

Wird der Spiegel in der Praxis diesem Anspruch gerecht? Erscheinen beim Spiegel tatsächlich vor allem Artikel, die diesem höheren Zweck dienen? Ich habe mir drei Beispiele angesehen, die mich stark daran zweifeln lassen, dass der Spiegel tagtäglich um die Werte unserer Demokratie kämpft.

Der Fall Christian Wulff

Die BILD-Zeitung und der Spiegel haben Christian Wulff aus dem Präsidialamt geschrieben. Das Gericht wird Christian Wulff vermutlich nicht wegen Vorteilsnahme im Amt verurteilen, doch der Spiegel bringt weiterhin fleißig Schlagzeilen, die den ehemaligen Ministerpräsident Niedersachsens diffamieren.

Klar, dieser hat sich nicht clever und vermutlich auch moralisch nicht immer einwandfrei verhalten – Spitzenpolitiker müssen eben besonders aufpassen, in wessen Villa sie Urlaub machen und was für ein Eindruck entstehen könnte. Die mediale Hetzjagd, die der Spiegel weiterhin veranstaltet, hat dieser jedoch nicht verdient und ist absolut unverhältnismäßig.

An einem bestimmten Punkt hört seriöse Berichterstattung auf und eine mediale Zerstörungskampagne beginnt: Der Spiegel ist längst bei letzterem gelandet. Ich finde das Verhalten des Spiegels in der Causa Wulff absolut widerlich. Geht es dem Spiegel nur darum, online möglichst viele Klicks zu generieren und viele Hefte zu verkaufen? Angesichts dieser Hetzkampagne könnte ich mir vorstellen, dass noch mehr dahinter steckt, etwa private Fehden einiger Redakteure mit Wulff.

Der Fall Michael Schumacher

Michael Schumacher verunglückt und der Focus bringt als erstes sein Print-Magazin mit einer Schumacher-Titelgeschichte heraus. Der Spiegel springt auf den Zug auf und wirbt ebenso mit seiner Schumacher-Story auf dem Cover.

Doch das ist nicht alles. Bei Spiegel-Online erscheinen als oberste Headline Meldungen, die kaum mehr Information bieten, als das Schumacher bei seinem Sturz eine Helmkamera getragen hat, die den Sturz aufzeichnete. „Boah, geil, ich will sehen wie Schumacher sich schwer verletzt hat. Hoffentlich gibt es das bald bei youtube“, soll die Zielgruppe dieser Nachricht wohl denken.

Die ganze Schumacher-Tragödie, die auch der Spiegel medial ausgeschlachtet hat, dient vor allem dazu, dass Menschen insgeheim denken können: „Boah, mein Leben ist zwar auch nicht gut, aber so arm dran wie dieser Schumi bin ich ja doch nicht.“ Im Grunde speist sich das große Interesse der Menschen aus dieser Abwärtsversicherung, wie sie auch die Zuschauer vom Dschungelcamp suchen. Nur dass man eben zum Nachbarn sagt: „Schlimm, was dem Schumi da passiert ist. Hoffentlich wird er bald wieder gesund“.

Der Fall „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“

Der Spiegel hat über das diesjährige RTL-Dschungelcamp täglich berichtet und diese Zusammenfassungen immer in der oberen Hälfte platziert. Eine Kolumnistin fasst hier die RTL-Folge noch einmal zusammen. Mit dem ach so distanzierten und ironischen Blick des intellektuell erhabenen Spiegels.

Bleiben wir mal bei der einfachen Wahrheit: Die Sendung lebt davon, dass man sich über diese armen Gestalten im australischen Dschungel lustig machen kann. Stichwort: Abwärtsversicherung. Hier kommt jeder zu dem Fazit: „Ganz so weit unten wie die bin ich dann doch nicht.“

Jeder Versuch, mehr in diese Show hineinzuinterpretieren, scheitert. Wer sich einmal umschaut, der findet haufenweise Artikel, die dem Zuschauer andere Motive als Schadenfreude attestieren. „Ach, die Moderationen von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich sind so kreativ und toll“. „Es handelt sich beim Dschungelcamp doch um ein soziologisches Experiment, nicht um eine simple Show, die Schadenfreude anspricht“. Das sind beliebte Argumente für diese Sendung.

Doch das Dschungelcamp ist und bleibt eine Schadenfreude-Sendung, die niedere Instinkte anspricht und befriedigt. Punkt. Ich habe mir den Scheiss auch einige Male angesehen, aber stolz bin ich nicht drauf. Solch eine Sendung für den Grimme-Preis zu nominieren ist ein Witz. Und ebenso Tag für Tag darüber zu berichten und dem Kölner-Krawallsender RTL zusätzliche Zuschauer zuzuschustern, liebe Spiegel-Redaktion.

Fazit

Der Spiegel als Wächter der Demokratie? Der Spiegel als Wächter des eigenen Geldbeutels! Es wird über das berichtet, was sich gut verkauft und Werbeeinnahmen bringt. Das sind die Themen, über die der Spiegel bevorzugt schreibt. Die wirklich wichtigen Themen, oft politischer Art, sind sehr kompliziert und erreichen nicht die Masse. Daher wird auch bei politischen Inhalten viel lieber über Personen berichtet als über Sachthemen.

photo credit: Alejandro Hernandez. via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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