Wirtschaft einfach leben

DVD-Kritik: Die fetten Jahre sind vorbei

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Bei „Die fetten Jahre sind vorbei“ handelt es sich um einen Film, der thematisch sehr gut zu wirtschafteinfach passt.

Im Film geht es um die Sinnsuche der drei Mittzwanziger Jan, Jule und Peter und um die Frage, ob der Kapitalismus gerecht ist. Jan und Peter, überzeugend gespielt von Daniel Brühl und Stipe Erceg, brechen in luxuriöse Villen reicher Menschen ein, ohne Gegenstände zu stehlen.

Stattdessen verrücken sie in den Häusern Möbel und allerlei Gegenstände und hinterlassen die Botschaft „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld – Die Erziehungsberechtigten“. Sie möchten die reichen Bürger der Gesellschaft nachhaltig verunsichern.

Jan weiht eines Nachts Jule in die Aktivitäten von Peter und ihm ein – und bricht mit Jule in die Villa eines verhassten Bekannten von Jule ein. Jule ist diesem Bekannten bei einem Verkehrsunfall ins Auto gefahren und ihre Versicherung zahlt nicht für den entstandenen Totalschaden. Deshalb hat sie nun etwa 100.000 Euro Schulden, für die sie etwa acht Jahre ihres Lebens arbeiten müsste.

Beim Einbruch werden Jule und Jan vom Hauseigentümer überrascht. In ihrer Not kidnappen Sie den Geschäftsmann (Justus Hardenberg) mit Hilfe des herbeigerufenen Peters. Sie bringen ihr Entführungsopfer in eine abgeschiedene Hütte in den österreichischen Bergen und überlegen sich die nächsten Schritte. Fortan kommen die drei Freunde mit dem Geschäftsmann ins Gespräch und diskutieren kontrovers über den Kapitalismus.

Mir hat an diesem Film die Tiefgründigkeit gefallen. Es handelt sich um einen Film, der nicht nur an der Öberfläche kratzt. Jan etwa vertritt die Auffassung, Jule müsse dem Geschäftsmann dessen „Protzkarre“ nicht bezahlen, da dieser ein neues Auto aus der Portokasse bezahle. Die Gesellschaft vermittle falsche Werte, indem sie Jule einrede, sie sei selbst Schuld an ihrer Situation.

Allgemein vertreten die Entführer die Auffassung, im Kapitalismus ließen einige Reiche den Großteil der Bevölkerung für sich schuften. Medien wie das Fernsehen hätten lediglich den Zweck, die breite Masse der Bevölkerung von den Zuständen abzulenken und ruhigzustellen.

Sehr interessant finde ich auch die Aussagen des Geschäftsmanns. Er sagt, er sei während seines Studiums ein engagierter Linker gewesen und schleichend habe sich seine Wandlung zu einem erfolgreichen, systemkonformen Manager vollzogen. So habe er etwa seiner Familie etwas bieten wollen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vielen Menschen tatsächlich so ergeht. Mit der Zeit werden viele Menschen mit Idealen vom System eingeholt. Vielleicht kann man konstatieren, dass sich bei den meisten Menschen mehr und mehr die eigenen materiellen Bedürfnisse durchsetzen.

Mir hat der Film, trotz einiger für mich nicht plausibler Wendungen und Ereignisse, sehr gut gefallen. Die Schauspieler, allen voran Daniel Brühl, machen einen tollen Job. Der Film beschäftigt sich mit der wichtigen Frage nach einem gerechten Wirtschaftssystem und wirft viele bedenkenswerte Fragen auf.

photo credit: URBAN ARTefakte via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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