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Die Höhle der Löwen – nur das Geld zählt

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Bei Die Höhle der Löwen handelt es sich um eine Fernsehshow, bei der Unternehmensgründer Ihre Geschäftsidee den Löwen, fünf erfahrenen Unternehmern mit viel Kohle in der Tasche und dem Fernsehpublikum vorstellen. Die Unternehmer, die sogenannten Löwen, entscheiden dann, ob und zu welchen Konditionen sie in das Unternehmen investieren.

Die Sendung läuft schon etwas länger im Fernsehen beim Privatsender VOX. Ich habe mir nach Sichtung einiger Stunden Materials eine klare Meinung zur Sendung gebildet.

Ich möchte in diesem Artikel unterscheiden zwischen den bisherigen Folgen und den bald folgenden, denn die Besetzung der Löwen hat sich geändert. In Zukunft wird Vural Öger von Carsten Maschmeyer ersetzt.

So war die Höhle der Löwen bisher

Bislang bestand die Sendung aus folgenden fünf Unternehmern. Vural Öger, der Eigentümer eines Touristikunternehmens ist. Daneben saß Judith Williams, die über die Verkaufssender HSE24 und dem britischen QVC teure Kosmetikprodukte verhökert. Dann gibt es Frank Thelen, der sich wohl mit Technologie-StartUps ganz gut auskennt. Abgerundet wird die Löwen-Jury von der blassen Lencke Steiner, einer Unternehmerin und vor allem FDP-Politikerin und Jochen Schweizer, dessen Unternehmen Erlebnisse wie Ballonflüge oder Ferrarifahrten verkauft. Die Löwen werden dabei immer wieder in kurzen Einspielern heroisch in Szene gesetzt als Menschen, die es geschafft haben.

Eine bunte Mischung. Vural Öger war erst kürzlich in den Schlagzeilen, weil sein Unternehmen Insolvenz anmelden musste und Öger, um der persönlichen Haftung zu entgehen, noch schnell Vermögen an Verwandte und Freunde übertragen haben soll. Öger wird wegen der Privatinsolvenz in Zukunft von Carsten Maschmeyer ersetzt. Judith Williams besitzt viel Charisma und Enthusiasmus, dass sie dazu einsetzt, um Mode, Schmuck und Kosmetik an den Mann, beziehungsweise vor allem an die Frau zu bringen. Mode, Schmuck und Kosmetik, das sind Artikel mit hoher Gewinnmarge und starken Möglichkeiten, die vor dem Fernsehen lungernde Zielgruppe zum Kauf zu treiben.

Ich kann nicht sagen, ob die Produkte von Frau Williams gut oder schlecht sind – doch finde ich bedenklich, wenn eine Fernsehverkäuferin unkritisch in Sendungen wie Lanz hofiert wird. Für mich hat die Art und Weise, wie Frau Williams ihr Geld verdient, einen schalen Beigeschmack.

Jetzt zur Sendung. Was mir teilweise an der Sendung gefällt, sind die Geschäftsideen, mit denen die Gründer zu den Löwen kommen. Da geht es zum Beispiel um ein Zapfsystem, bei dem Bier von unten in Plastikbecher gefüllt wird – mit deutlicher Zeitersparnis und trotzdem schöner Bierkrone.

Typischerweise nennen die Gründer zu Beginn Ihres Auftritts ein Angebot. Sie bieten beispielsweise 10 Prozent der Unternehmensanteile für  100.000 Euro. Später machen die Löwen ein Gegenangebot, was meist viel geringer ausfällt. In unserem Beispiel würden dann beispielsweise 80.000 Euro für 40 Prozent des Unternehmens geboten.

Und da setzt meine Kritik an: Es erscheint mir oft ungerecht, wie wenig die Löwen für einen relativ hohen Prozentsatz des Unternehmens zahlen wollen. Und überhaupt: So wie es im Fernsehen gezeigt wird, gehen die Deals sicherlich nicht über die Bühne. Welcher erfolgreiche Geschäftsmann macht bitte ein verbindliches Angebot über eine fünf- oder sechsstellige Investitionssumme auf der Grundlage eines sogenannten Pitches, einer Unternehmensvorstellung von wenigen Minuten Länge?

Nein, in der Realität sind die Präsentationen der Unternehmen sehr viel länger, als im Fernsehen gezeigt wird. Es wird auch noch um viel mehr Zahlen gehen, als dem Zuschauer gezeigt wird. VOX traut seinem typischen Zuschauer jedoch nicht mehr zu, als seichte Unterhaltung mit wenigen Informationen und vermittelt damit ein stark vereinfachtes Bild der Realität. VOX zeigt nicht einmal einen Einspieler über die Hintergrundaktivitäten, die bei einem Unternehmenskauf ablaufen.

Selbst wenn Löwen und Gründer ins Geschäft kommen und sich die Hände schütteln, ist noch lange nicht gesagt, dass es wirklich zur Umsetzung der Beteiligung kommt. In der Realität findet nämlich noch eine detaillierte Prüfung des gekauften Unternehmens, an der auch ein Haufen Anwälte beteiligt ist, statt, bevor der Löwe auch nur einen Euro investiert. In den Medien liest man dann immer wieder, dass im Fernsehen ausgestrahlte, mit viel Dramtik aufgeblasene vereinbarte Deals doch nicht zustande kommen.

Nein, es ist nicht so einfach in der Realität. Hier mal eine Übersicht, was eigentlich auf einen Geschäftseigentümer zukommt, wenn er sagt: Unternehmen verkaufen.

So wird die Höhle der Löwen in Zukunft

Den Platz von Vural Öger nimmt in Zukunft Carsten Maschmeyer ein. Über Carsten Maschmeyer muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Ein Mann, der ein Vermögen damit verdient hat, über seinen Strukturvertrieb AWD Finanzprodukte zu verkaufen. Maschmeyer hat sein Geld damit verdient, dass seine Verkäufer ahnungslosen Privatleuten hochriskante Fonds, Lebensversicherungen, etc. aufgeschwatzt haben.

Das Engagement Maschmeyers zieht die ganze Sendung noch mehr in Zweifel.

Mein Resümee

Eine Sendung, die auf fiese Art und Weise den kapitalistischen Lebensstil verkörpert. Recht hat der, der am meisten Geld verdient, wobei unerheblich ist, wie er zu seinem Reichtum gekommen ist. Ein gesellschaftliches Spiegelbild?

Falls jemand Carsten Maschmeyer und seine beruflichen Methoden, noch nicht kennt, hier eine ARD-Sendung:

photo credit: Lion (Panthera leo) walking on the road via photopin (license)

 

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Autor: Alltagsoekonom

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