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Doku: Daytrader – Der Traum vom schnellen Geld

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Die beiden Daytrading-Dokus begleiten je drei hauptberufliche Börsenhändler. In beiden Dokus gibt es zwei Leute, die es geschafft haben und eine Menge Geld scheffeln und je einen Lernenden bzw. nicht Erfolgreichen.

Es ist kein Wunder, dass Trading insgesamt sehr positiv dargestellt wird: Teil 1 der Doku wird präsentiert vom Broker Wh-Selfinvest, über den Händler ihre Transaktionen abwickeln können, dem Börsenmagazin „traders“ und einem Tradinghotel. Der zweite Teil dagegen weist direkt zu Beginn auf eine Börsenwebsite hin.

Insgesamt kommen zwar durchaus kritische Stimmen zur Sprache, etwa wird thematisiert, dass der ehemalige Autohändler Coco 100.000 Euro in den Sand gesetzt hat und der Sprecher erwähnt an mehreren Stellen , wie schwer es eigentlich sei, gutes Geld mit dem Traden zu verdienen. Alles in allem überwiegt jedoch die Glitzerwelt. Da wird der Trading-Guru Birger Schäfermeier auf dem Golfplatz in Palmenumgebung, bei einem Trading-Seminar in ähnlicher Umgebung gezeigt und ausführlich sein geräumiges Büro vorgestellt.

Auch wird immer wieder hervorgehoben, wie Schäfermeier und sein bescheidener Kollege, der eine Familie durch seine Trading-Aktivitäten versorgt, in einigen Minuten ein paar hundert oder tausend Euro verdient haben. Unterlegt wird das Ganze von peppiger Pop-Musik, die letztlich suggeriert, wie traumhaft das Leben als erfolgreicher Daytrader ist.

Wesentlich ist zudem, dass Börseninteresierten außer Platitüden wenig Fachliches vermittelt wird. Da darf Schäfermeier etwa nach einem gelungenen Trade sagen: „Das meine ich immer mit Gewinne laufen lassen.“  Immerhin war für mich neu, dass Schäfermeier und sein Familienmensch-Kollege vor allem nach Charttechnik traden. Interessant, dass aus kurzfristigen Kursverläufen offenbar tatsächlich Handelsentscheidungen abgeleitet werden können.

Auch Teil 2 dieser Doku-Serie begleitet drei Daytrader, erneut zwei erfolgreiche und einen „Lernenden“, bei ihrer täglichen Arbeit. Und wieder wird dem Zuschauer vor Augen geführt, wie die Händler in wenigen Minuten viel Geld verdienen. Es soll jedoch nicht unter den Tisch fallen, dass ebenso interessante Aspekte zur Sprache kommen: So erwähnt der anscheinend erfolgreiche Trader Orkan Kuyas, wie wichtig eine stabile Psyche ist: Man muss damit umgehen können, dass man an manchen Tagen und Wochen viel Geld gewinnt, in anderen Zeiten jedoch trotz guter Entscheidungen Geld verliert.

Man muss den Lerneffekt beider Dokus realistisch betrachten: Wer hätte wirklich erwartet, dass die erfolgreichen Trader hier ihre Erfolgsstrategien verraten? Wenn eine breite Masse der Menschen erfährt, nach welchen Mustern sie handeln, verlieren sie schließlich ihren Vorteil am Markt. Nein, es geht vor allem darum, in den Menschen Träume vom vielen Geld und unbeschwerten Leben zu wecken.

Letztlich möchte ich nochmal darauf zurückkommen, welche Werte diese Dokus eigentlich vermitteln. Wie beschrieben geht es vor allem um das positive Lebensgefühl des vielen und oft scheinbar schnellen Geldes. Aber welchen Wert erschafft ein Börsenhändler, über den eigenen monetären Gewinn hinausgehend? Aus meiner Sicht keinen. Er trägt nichts dazu bei, die Gesellschaft ein Stück besser zu machen. Er schafft letztlich nichts von nachhaltigem Wert.Im Gegensatz zu einem Krankenpfleger, einem (seriösen) Journalisten oder einem Unternehmer, der seine Angestellten mit Respekt behandelt, fair entlohnt und ein sinnvolles Produkt herstellt. Diesen Aspekt der „ach so tollen“ Arbeit sollte man auch einmal betrachten. Aber wie gesagt: In einer von der Finanzindustrie gesponserten Sendung sind solche Gedanken fehl am Platz.

Hier könnt Ihr euch Euer eigenes Bild machen, Teil 2 ist leider nicht mehr bei youtube derzeit:

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Autor: Alltagsoekonom

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