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Eine Einschätzung des Penny Markt-Autogewinnspiels

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Seit kurzer Zeit läuft eine bundesweite Gewinnspielaktion in allen Penny Markt-Filialen. Käufer bekommen ab 15 Euro Einkaufswert vier Sticker von der Kassiererin ausgehändigt. Diese Sticker kann der Kunde dann in ein Sammelheft, das an der Kasse ausliegt, einkleben. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Autos in unterschiedlicher Anzahl zu gewinnen. Lohnt sich das Sammeln der Sticker?

Für den Gewinn eines (!) Autos benötigt man acht bestimmte, voneinander verschiedene Sticker. Bei 5 Autos und jeweils 8 Stickern gibt es also 40 verschiedene Sticker. Insgesamt können 25 Autos gewonnen werden, u.a. ein Mercedes SLK. Neben Autos verlost der Discounter auch Rabattmarken, um seine neue Marke Penny zu promoten. So erhält der Kunde die Möglichkeit, beim Kauf des auf der Rabattmarke angegebenen Produktes ein zweites gratis dazu zu erhalten. Von diesen Rabattmarken gibt es satte 7 Millionen Stück. Vermutlich ist daher Pennys primärer Zweck des Gewinnspiels, neue Käufer für seine Eigenmarken zu generieren, denn die Gewinnspanne von Eigenmarken ist üblicherweise deutlich größer als bei Fremdmarken.

Das hört sich zunächst einmal nicht schlecht an, denn 25 Autos sind nicht wenig. Aber: Die Aktion wird bundesweit durchgeführt, und das bei einem Discounter mit Millionen Kunden. Schon allein dadurch ist die Wahrscheinlichkeit ein Auto zu gewinnen vermutlich kleiner als bei einem üblichen Gewinnspiel, bei dem vielleicht nur 2 Autos verlost werden, dafür jedoch entsprechend weniger Leute teilnehmen.

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt. Damit Penny sicher sein kann, maximal 25 Autos an Gewinner herausgeben zu müssen, muss mindestens ein Sticker aus jeder Serie auf 25 Stück limitiert sein. Auf seiner Webseite wird Penny in Kürze eine Tauschbörse eröffnen. Natürlich ist dies eine clevere Idee, Kunden auf die eigene Webseite zu locken und damit stärker an die Discount-Kette zu binden, aber für den Kunden ist der Nutzen doch sehr fraglich, wenn letztlich nur ein Sticker aus jeder Serie wirklich wertvoll ist und von halbwegs cleveren Menschen dort nicht einfach getauscht wird, sondern entweder selber zum Gewinn eines Autos verwendet wird, oder für viel Geld an einen Autofreund und Stickersammler verkauft wird.

Ich vermute, dass die Sammler der Sticker dementsprechend auch sehr schnell merken, welche Sticker wertvoll sind und dass Sticker eher wenig getauscht werden. Aber mal abwarten, wie diese Tauschbörse ankommt.

Mich erinnert dieses ,,Sammelgewinnspiel“ sehr stark an das Monopoly von Mc Donald’s. Beim Mc Donald’s Monopoly gibt es auf der einen Seite Sofortgewinne und auf der anderen Seite Sammelgewinne. Um einen Sammelgewinn zu erhalten, muss eine Person den entsprechenden Straßenzug,, etwa den dunkelblauen mit Parkstraße und Schloßallee sammeln. So weit ich mich richtig erinnere, reicht beim Mc Donald’s Monopoly es jedoch noch nicht aus, einen Straßenzug zu sammeln, sondern es findet eine Verlosung der Sammelgewinne unter den Personen statt, die den Straßenzug komplettiert und eingeschickt haben.

Auch beim Monopoly ist jeweils eine Straße sehr selten, die andere(n) Straße(n) kann man getrost als Nieten bezeichnen, da sie viel seltener vorkommen. Von der seltenen Straße gibt es jedoch mehr Sticker also Sammelgewinne, denn es findet im Anschluss noch die Verlosung unter allen erfolgreichen Sammlern statt.

Ich vermute, dass Penny darauf spekuliert, dass der ein oder andere seltene Sticker von den Kunden einfach entsorgt wird, weil diese nicht ahnen, dass der Sticker sehr wertvoll ist. In diesem Fall, vorrausgesetzt dass tatsächlich nur so viele seltene Sticker wie Gewinne im Umlauf sind, bräuchte Penny den Gewinn nicht auszahlen.

Ich bin gespannt, wie die Resonanz der Kunden auf das Gewinnspiel ist. Möglicherweise wird Penny einen direkten Umsatzanstieg verzeichnen und langfristig von zusätzlichen Käufern der lukrativen Eigenmarke profitieren. Ich persönlich bin aus Konsumentensicht skeptisch, zumindest was die Gewinnchancen eines der Autos betrifft.

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Autor: Alltagsoekonom

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4 Kommentare

  1. Super detaillierte Analyse!
    Da brauche ich in Zukunft kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, dass ich meist zu faul bin, bei so etwas mitzumachen.
    (Bei McDonalds waren wohl eher die kleinen Gewinne attraktiv – eine Kaffeespezialität kostenlos etc.).

  2. Ich dachte das hier auch was zur Gewinnwahrscheinlichkeit zu lesen ist wie 1:15 Mio beim Lotto spielen.

    Klar will ein Konzern damit etwas bewirken 😉 und auch wenn hier steht das bestimmte Sticker nur 25 Mal exisitieren und ggf. einige davon im Müll landen, wieso wurden denn bei der letzten Autoaktion 25 Autos „gewonnen“ …

  3. Darüber habe ich mich auch gewundert, dass beim letzten Mal alle 25 Autos weg waren.
    Wo kann man etwas über die Gewinner lesen, die in 2012 gewonnen haben ?

  4. Eine hochinteressante Analyse, wie ich finde. Die meisten Kunden sind gar nicht gewillt, darüber nachzudenken, was hinter solchen Gewinnspielen und Prämienaktionen steckt. Stattdessen glauben sie sofort an die Chance ihres Lebens und geben bereitwillig ihre Daten im Teilnahmebogen preis. Ich mache bei so etwas gar nicht mehr mit, u.a. auch, weil ich schon mehrfach bei Aktionen leer ausgegangen bin, bei denen eine Prämie garantiert wurde, wenn man dem Hersteller eine gewisse Anzahl am gekauften Produkt X nachweist…

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