Wirtschaft einfach leben

Meine Erfahrungen als Zeitarbeiter (1)

| 2 Kommentare

Ich habe viel erlebt in meinem Job als Zeitarbeiter. Bei einer Vielzahl an Einsatzorten bleiben mir leider vor allem die negativen Erfahrungen im Gedächtnis.

Früher konnte ich meine Zeitarbeiterkollegen nicht verstehen. Ich habe nicht begriffen, wieso diese täglich mit leerem Blick und gesenkten Schultern zur Arbeit kommen. Ist doch alles ganz okay, dachte ich da noch.

Ich habe insgesamt fünf Monate bei einer Zeitarbeitsfirma als Helfer gearbeitet. Zuletzt arbeitete ich in Teilzeit als Springer. Das bedeutet: Wenn in irgendeiner Firma ein anderer Leiharbeiter krank wird oder ein Unternehmen für kurze Zeit zusätzliche Arbeiter benötigt, dann wird ein Springer angerufen. Teilweise klingelte mein Handy um sieben Uhr morgens und die Zeitarbeitsfirma wollte, dass ich in einer Stunde irgendwo in der Umgebung anfange zu arbeiten. Andere Zeitarbeiter bekommen wohl auch schonmal spät abends einen Anruf, dass Sie in Kürze eine Nachtschicht antreten sollen. Zeitliche Flexibilität der Leiharbeiter ist der Zeitarbeitsfirma also sehr wichtig. Leider wird diese Flexibilität jedoch nicht zusätzlich honoriert: Als Springer erhielt ich denselben Stundenlohn wie ein in Vollzeit arbeitender Zeitarbeiter (der jedoch auch teilweise flexibel sein muss, nämlich dann, wenn er nicht gerade einen langfristigen Einsatz hat).

Nach einer gewissen Zeit fängt es an zu nerven, dass man ständig in einem anderen Betrieb eingesetzt wird. Man arbeitet an verschiedenen Orten und beackert unterschiedliche, aber fast immer sehr simple Aufgaben. Man sieht also nicht so sehr den Zusammenhang, in dem man seine Arbeit erstellt. Einfach formuliert: Man verrichtet irgendwo eine Tätigkeit, weiß aber noch nicht einmal, warum man eigentlich tut, was man tut. Gleichzeitig sind die Aufgaben wenig anspruchsvoll, denn schließlich würde es sich bei langer Einarbeitungszeit nicht lohnen, sich für kurze Zeit Leiharbeiter in den Betrieb zu holen.

Kritik, die völlig aus der Luft gegriffen ist

Fabrikhalle

Eine typische Produktionshalle. An vergleichbaren Orten werden Zeitarbeiter überwiegend eingesetzt

In einem früheren Artikel habe ich geschrieben, dass meine Zeitarbeiterkollegen auch schonmal schlechte Erfahrungen in bestimmten Unternehmen gemacht haben. Eine Firma wurde dabei mehrmals genannt. Genau in diesem Betrieb wurde auch mir das Leben schwer gemacht: Wir arbeiteten zu dritt an einer Maschine, die regelmäßig ein fertiges Produkt ,,ausspuckte“. Ein fest angestellter Kollege ging ca. 30 Minuten nach Beginn der Schicht zu seinem Chef und beschwerte sich, dass ich nicht schnell genug arbeiten würde. Ohne vorher mit mir auch nur ein Wort zu reden. Ohne, dass wir an irgendeiner Stelle mit der Maschine nicht schrittgehalten hätten.. Sein Chef fragte mich daraufhin, ob man mir alles vernünftig erklärt habe und zeigte mir nocheinmal einige Handgriffe. Nachdem der Oberaufseher davongeschritten war, fragte ich den fest angestellten Kollegen, warum er nicht zunächst mit mir spreche, wenn es ein Problem gäbe. Er sagte: ,,Du bist nicht für diese Arbeit gemacht. Wenn ihr Zeitarbeiter keinen Bock habt zu arbeiten, dann könnt ihr gleich zu Hause bleiben“. Zusätzlich warf er mir noch vor, dass ich den anderen fest angestellten Kollegen, der schon um die 60 war, den schweren Teil, das Tragen, überließe. Der Vorwurf war völlig aus der Luft gegriffen, denn vorher hatte man mir eine andere Aufgabe zugewiesen, die ich währenddessen übernahm.

An diesen Vorwürfen merkte ich, wie schwachsinnig diese waren. Weiß der Teufel, warum er mich nach so kurzer Zeit bei seinem Chef angeschwärzt hat. Vielleicht passte ihm meine Nase nicht. Vielleicht ahnte er, dass ich studiert habe und fühlte sich unterlegen.

Bis zum Ende der Schicht redete der eben zitierte Kollege kein Wort mit mir. Versuche von meiner Seite über die Situation und meine angeblichen Fehler zu reden waren erfolglos, weil sich der Kollege nicht gesprächsbereit zeigte. An einem anderen Tag, an dem ich mit ihm arbeitete, schwärzte er mich erneut bei seinem Chef an, der mich daraufhin vermutlich für untauglich hielt und mich In Zukunft nicht mehr an der Maschine arbeiten ließ.

Mein Ziel war glücklicherweise nicht, in diesem Entleihbetrieb eine Festanstellung zu bekommen. Dann wäre ich auf solche Leute tatsächlich angewiesen gewesen. Trotzdem ist es ein negatives Erlebnis, wenn man von Arbeitskollegen keinerlei Hilfestellung bekommt und stattdessen schikaniert wird. Vor allem angesichts der Tatsache, dass ich mir keine schlechte Arbeitseinstellung vorwerfen lassen muss.

Im nächsten Teil dieser Artikelserie gehe ich näher auf die fragwürdigen Methoden der Zeitarbeitsfirma ein.

[Gesamt:5    Durchschnitt: 2.8/5]

Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Hallo Alltagsökonom,

    wäre sehr interessant, wenn du diese schmuddelige Leiharbeitsfirma auch mal benennen würdest. Oder ist das verboten?

    Großes Lob für die Bildunterschrift „Eine typische Produktionshalle. An vergleichbaren Orten werden Zeitarbeiter überwiegend eingesetzt“ Das kann ich mir so richtig mit Ton unterlegt in einer Spiegel-TV Doku vorstellen 😉

    • Hallo Michael,

      danke fürs Lob. Den Namen der Zeitarbeitsfirma möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht online nennen.
      Kannst mir aber gerne eine Mail schicken, dann schreib ich ihn dir.

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