Wirtschaft einfach leben

Meine (Schock-)Erfahrungen als Zeitarbeiter (3)

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Vor einigen Wochen hatte ich ein echtes Horrorerlebnis bei einem Einsatz. Nachts auf der Autobahn. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, in solch eine Situation zu geraten. Aber der Reihe nach…

Es begann an einem Montagmorgen Ende April. Ich hatte deutlich zu wenig Stunden im Monat gearbeitet, so dass ich damit rechnete, dass die Zeitarbeitsfirma jederzeit anrufen könnte. Und tatsächlich: Irgendwann in den Morgenstunden kam der Anruf: ,,Ein Einsatz für Sie. In Dorsten, es geht auf die Autobahn. Es geht etwas später los, um 17.00 Uhr in Dorsten.“

So fuhr ich also um kurz vor 16.00 Uhr bei einem anderen Zeitarbeiter in dessen Auto mit nach Dorsten. Dort angekommen, zogen wir uns unsere Warnweste und die reflektierende Hose über, die bei der Arbeit auf der Autobahn dringend benötigt wurden. Wir beiden Zeitarbeiter sollten mit zwei Festangestellten der Firma eine Baustelle ,,abbauen“. Auf meine Frage, bis wann denn die Schicht dauere, sagte einer der Beiden: ,,7 Uhr in der früh“. Ich dachte erst, der will mich verarschen und schaute ihn ungläubig an. Er fügte hinzu: ,,Ich sags lieber gleich, weil viele Zeitarbeiter hauen dann sofort wieder ab.“ Da begriff ich, dass er es ernst meinte.

Und mir wurde klar, dass mich die Zeitarbeitsfirma mal wieder schön verarscht hatte. Deren Kalkül war wohl: ,,Wir sagen den beiden Typen, die für uns die Drecksarbeit machen, einfach nicht, wie lange die Schicht dauert. Wenn sie einmal die Stunde nach Dorsten gefahren sind, werden sie kaum wieder umdrehen, wenn sie davon erfahren“. Für mich wäre die Arbeitsverweigerung sogar noch schwieriger gewesen als für meinen Arbeitskollegen Peter, denn ohne dessen Mitfahrt hätte ich mich aus Dorsten abholen lassen müssen.

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Bild: Arbeiten auf der Autobahn kann sehr gefährlich sein

Also gut: Mit Wut im Bauch traten Peter und ich die Arbeit an. Wir fuhren jeweils als mit einem fest Angestellten in zwei kleineren LKWs nach Düsseldorf zu einer Autobahnbaustelle. Es handelte sich um einen etwa einen Kilometer langen Tunnel auf der Autobahn. Während der Fahrt erfuhr ich, dass unsere Aufgabe vor allem darin bestand, die gelben Fahrbahnmarkierungen zu entfernen.  Das sind die Fahrbahnmarkierungen, die auf Baustellen eingesetzt werden, um bei der Sperrung eines Teils der Fahrbahn den befahrbaren Streckenteil in Fahrspuren zu unterteilen.
Auf der Fahrbahn kleben also mehrere gelbe, etwa 10 cm breite Streifen.

An der Baustelle angekommen, ging es direkt an die Arbeit. In der Zeit von 19 – 5 Uhr dürfen die Bauarbeiter einzelne Teile der Fahrbahn sperren, vorher nicht. Links auf der Fahrbahn befand sich jedoch bereits ein dauerhaft gesperrter Streifen, auf dem wir anhielten und unsere Arbeit aufnahmen.

Es ging gleich gut los. Mit der Hand zogen wir den gelben Streifen vom Asphalt. Das hört sich einfacher an, als es ist, denn er klebt sehr fest, weshalb man auch stark ziehen muss. Das eigentliche Problem besteht jedoch darin, dass immer wieder ein Teil des Streifens nicht abgeht und mit einem Cuttermesser von der Straße geschnitten werden muss. Dann heißt es hinknien und auf dem Boden herumschneiden, während einen halben Meter weiter die Autos an einem vorbeirauschen. Diese  waren durch ein Tempolimit deutlich abgebremst, aber immer noch so schnell, dass es sehr gefährlich war. In Gedanken malte ich mir aus, wie ich während der Nacht Reste vom Boden kratzend, völlig übermüdet kurz einnicken, vornerüber auf die Fahrbahn kippen und von einem Auto überrollt würde.

Meine Ahnung sollte sich glücklicherweise nicht bestätigen, dennoch ereignete sich später Dramatisches, dazu mehr in Teil 4 dieser Serie.

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Autor: Alltagsoekonom

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