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Die Sucht nach Geldspielautomaten

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Ich habe einmal in meinem Leben an einem Geldautomaten gespielt. In der Zockerhölle meines Studienorts Gießen wurde mir gleich umsonst etwas zu trinken angeboten. Klar, der Kunde soll sich wohlfühlen und fleißig den Automaten füttern. Nicht mit mir, nachdem mein Gratisguthaben aus einem Gutscheinheft schnell weg war, habe ich mich vom Acker gemacht.

Nicht nur in Spielhallen, sondern ebenso in vielen Kneipen und Gaststätten finden sich Geldautomaten. Diese enorme Verfügbarkeit ist mit Sicherheit ein Grund dafür, dass es in Deutschland schätzungsweise 200.000 bis 500.000 Spielsüchtige gibt. Eine enorme Zahl.

Als ich mir das Schicksal der pathologischen Spieler in drei Dokumentationen ansah (Videos in diesem Artikel), war ich betroffen. Ich denke, man kann erahnen, wie schrecklich sich diese Menschen fühlen müssen. Riesige Schuldenberge, nahestehende Menschen hintergangen, Beziehungen kaputt, Beschaffungskriminalität – mit diesen Problemen müssen sich Spieler oft auseinandersetzen, nachdem Sie die Entscheidung getroffen haben, mit dem Spielen aufzuhören.

Schwer anzusehen finde ich, wie Spielhallenbetreiber oder Merkur-Chef Paul Gauselmann ihr Geschäft rechtfertigen. In einer der Dokus stempelt Gauselmann pathologische Spieler stumpf als willensschwach ab. Zudem redet Gauselmann davon, dass nur ein paar Prozent der Spielhallenbesucher ihr Spielverhalten nicht im Griff hätten. Die betroffenen Spieler berichten vom Gegenteil: So sehe man in den Spielhallen immer die gleichen Gesichter. Angesichts von bis zu einer halben Million Spielsüchtigen drängt sich der Verdacht auf, dass den kleinen Bruchteil des Spieleranteils nicht die Spielsüchtigen, sondern die Gelegenheitsspieler darstellen.

Die Automatenwirtschaft vertritt immer wieder folgendes Argument: Manche Menschen haben schwere persönliche Probleme und werden deshalb spielsüchtig. Es gelte, diese Menschen zu behandeln und nicht den angeblich vielen Gelegenheitsspielern ihren Spaß zu verderben. Natürlich ist es richtig, dass Spielsüchtige meist vor Problemen flüchten und dass man Ihnen Hilfe anbieten muss. Knackpunkt ist jedoch der bereits beschriebene Punkt, dass die Spielsüchtigen wohl den Großteil der Automatennutzer stellen.

Klar, Menschen mit Problemen wären bei einem Verschwinden von Spielautomaten anderen Gefahren einer Sucht ausgesetzt: Einerseits gibt es im Internet haufenweise Glückspielangebote (Artikel von meinem anderen Blog sportmedien-blog.de), die ebenfalls für viele Menschen problematisch sind. Alkohol ist ebenso gesellschaftlich akzeptiert wie Spielautomaten und deshalb kritisch. Auch eine striktere Regulierung bzw. Vorbeugung in diesen Bereichen sollte man diskutieren. Andererseits kann der Mensch nach vielen weiteren Dingen süchtig werden. Nach Sex, Internet, Computerspielen oder illegalen Drogen etwa. Elementar ist jedoch: Dass es andere kritische Suchtverhalten und -substanzen gibt, rechtfertigt die Existenz von Spielautomaten nicht im geringsten. Weil es viel Schlechtes auf der Welt gibt, darf ich nicht auch schlecht sein.

Hinzu kommt: Würde es Spielautomaten nicht geben bzw. zumindest deren Verbreitung eingeschränkt, dann stünden die Chancen besser, dass sich Menschen ihren Problemen stellen, weil die Hemmschwelle, zu anderen Suchtmitteln zu greifen meist höher ist: Spielautomaten sind überall, in Kneipen, kleinen Restaurants und natürlich in Spielhallen. Die alltägliche Verfügbarkeit verleiht diesen Geräten die Aura des Normalen und Ungefährlichen. Ebenfalls ein wichtiges Argument für die niedrige Hemmschwelle, am Automaten zu zocken: Der Spieler konsumiert keine Substanz wie etwa beim Alkohol und kann sich deshalb einreden: „So schlimm kann das schon nicht sein.“

Die Merkur-Verantwortlichen weisen gerne darauf hin, dass die eigenen Mitarbeiter geschult werden, Spielsüchtige auf ihr Spielproblem anzusprechen. Spielsüchtige Spieler berichten vom Gegenteil: Leuten, die die ganze Nacht in einer Spielhölle am Automaten ihr Geld verspielen, bietet das Personal stattdessen an, auf Kosten des Hauses eine Pizza zu ordern. Unglaublich, da wird mir schlecht.

Je näher ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass man Geldspielautomaten verbieten sollte. Zumindest sollte man deren Verbreitung stark einschränken: Kneipen, Imbissbuden oder Bars sind tabu.

Hier kommen drei Dokus für Freunde der bewegten Bilder:

Am besten gefallen hat mir diese Reportage, die bei Phoenix lief: Hier wird nicht auf heile Welt gemacht, sondern dokumentiert, wie Menschen den Absprung vom Spielen eben nicht schaffen. Zudem sehenswert: Wie der mir zutiefst unsympathische Herr Gauselmann die Spielsüchtigen, oder, wie er es nennt, „Menschen, die es übertreiben“, als willensschwach tituliert. Ironischerweise hat dieser Kerl auch noch ein Bundesverdienstkreuz bekommen.

Leider ist das Youtube-Video hierzu mittlerweile nicht mehr verfügbar.

 

Strenggenommen keine Doku, sondern eine Themensendung im WDR. Besonders interessant: Wie die Automatenbetreiber sich um die rechtlichen Vorschriften für Spielautomaten herumtricksen.

Neben Automatenspielsucht wird hier das Thema Computerspielsucht behandelt. Ganz interessant, kann man sich ansehen. Hier kommt ein Vetreter der Automatenindustrie zu Wort, der das Problem der Spielsucht auf die Person abwälzt.

photo credit: Mark Nye, ClubofHumanBeings.com via photopin

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Wenn ich mir Ihre „Werke“ so ansehe, komme ich nicht umhin festzustellen dass Sie keine Ahnung von der Materie haben und dazu noch falsche Aussagen tätigen.
    Gehen Sie einfach einer geregelten Arbeit nach und verbreiten Sie keine Lügen.
    Alternativ bewerben Sie sich beim Lügel…

    • Ihre Meinung in Ehren, aber mit Ihrer Kritik kann ich nichts anfangen. Wenn Sie wenigstens geschrieben hätten, was ich konkret falsch dargestellt habe.

      So bleibt bei mir leider der Eindruck zurück, dass Sie in der Geldautomatenindustrie arbeiten und hier Ihre moralische Integrität in Frage gestellt sehen. Und wenn Sie tatsächlich in diesem Bereich arbeiten, dann ist Ihre Arbeit aus meiner Sicht verwerflich.

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