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Der Fall Uli Hoeneß und die Rolle der Medien

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Die Medien berichten ausgiebig über die mögliche Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß. Steuerhinterziehung ist keine Lappalie und sein verhalten zu verurteilen. Beim Thema Uli Hoeneß ist dennoch die Rolle der Medien erneut interessant.

Ich möchte mit diesem Artikel nicht Steuerhinterziehung verharmlosen. Wer Geld ins Ausland schafft, um deutsche Steuern zu ,,sparen“, der betrügt den Rest der deutschen Gesellschaft. Schließlich werden die öffentlichen Ausgaben zum Großteil durch Steuern finanziert. Von Straßen, Konjunkturprogrammen oder der Bundeswehr profitieren wir alle (mehr oder weniger). Daher ist es unsozial, und deshalb verboten, Steuern zu hinterziehen. Kaum einer zahlt gerne Steuern, aber zur Finanzierung von eben erwähnten öffentlichen Gütern wie etwa Konjunkturprogrammen, macht eine Zwangsabgabe Sinn.

Im Fall Hoeneß ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Laut einem Spiegel-Online-Artikel hat Hoeneß dem deutschen Fiskus etwa 3 Millionen Euro Steuern nachgezahlt. Dabei soll es sich um nicht entrichtete Kapitalertragssteuern handeln. Kapitalertragssteuer zahlt man auf Zinserträge bei Geldanlagen.

Hoeneß ist derzeit Präsident des Fußballvereins Bayern München. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind längst nicht abgeschlossen, in vielen Medienberichten ist jedoch schon von Rücktritt die Rede. Die Internet-FAZ beispielsweise hat einen Artikel mit dem Titel ,,Warum Hoeneß zurücktreten sollte“ geschrieben.

Auch im Radio habe ich heute auf verschiedenen Sendern Beiträge zum Thema Hoeneß gehört. Meist wurden eigene Worte aus Talkshow-Auftritten von ihm eingespielt, die dann höhn(eß)isch kommentiert wurden. Zugegeben: Hoeneß hat sich tatsächlich gerne mal als ehrenwerter Bürger aufgespielt, der seinen gesetzlichen Pflichten ohne mit der Wimper zu zucken nachkommt. Jetzt werden ihm diese Worte zum Verhängnis. Dabei spielt ebenfalls eine große Rolle, dass Uli Hoeneß die ,,Abteilung Attacke“ vom FC-Bayern verkörpert hat. Er war zuständig für verbale Poltereien vor Spitzenspielen der Bayern und er sonderte auch einige abwertende Kommentare in Richtung Lothar Matthäus ab (,,Der wird bei uns nichtmal Greenkeeper“). Von vielen Fußballfans wird er daher als arrogant wahrgenommen.

Uli Hoeneß hat also schon immer polarisiert. Dies nutzen die Medien nun für sich aus, indem sie das Hoeneß-Thema auf den Titelseiten bringen, um eine möglichst große Auflage bzw. eine hohe Klickzahl zu generieren.

Angesichts des extrem großen Medieninteresses hält es jetzt sogar die Bundeskanzlerin für notwendig, über ihren Sprecher mitzuteilen, wie enttäuscht sie vom Herrn Hoeneß ist. Wobei ich hier eher anstelle von Merkel eher den Medien den Vorwurf machen möchte, dass sie das Thema derart aufbauschen, dass auch Angela Merkel darum nicht herumkommt. Spiegel Online sieht das Thema Hoeneß als derart brisant an, dass das Thema Steuergerechtigkeit Merkel und der CDU den Wahlkampf vermiesen könne. Ironischerweise trägt natürlich auch dieser Artikel, der sich mit den Auswirkungen des Medienthemas ,,Uli Hoeneß“ beschäftigt, wieder dazu bei, die Causa Hoeneß in der öffentlichen Wahrnehmung im Gespräch zu halten.

Ich finde es interessant und bedenkenswert, wie Prominente nach bekannt gewordenen Verfehlungen im Rampenlicht stehen und von allen Seiten mit Dreck beworfen werden. Im Fall Christian Wulff war das Ganze noch auffälliger. Letztlich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Wulff derzeit nur noch wegen Vorteilnahme und es geht nur um einen geringen Geldbetrag. Wulff war zudem nicht der erste Politiker, der versuchte, einen kritischen Zeitungsbericht (Bild) über sich selbst zu stoppen. In seinem Fall wurde es jedoch zum Skandal.

Ich bin gespannt, wie lange Uli Hoeneß noch das Top-Thema in den Medien bleiben wird. In seinem Fall ist wieder das Zusammenspiel der Medien zu beobachten, die im Verbund sowohl das Interesse als auch den Voyeurismus der Menschen bedienen.

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Autor: Alltagsoekonom

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