Wirtschaft einfach leben

Meine T-Shirts: Made in Bangladesh, China, Turkey

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Vor kurzem war ich mal wieder in der Innenstadt und habe mir neue T-Shirts gekauft. Ich gehe dann in die großen Kaufhäuser und probiere  Shirts an. Tom Tailor, Esprit und Jack & Jones heißen die Modefirmen, bei denen ich meist fündig werde.

Ich zahle zehn bis fünfzehn Euro, manchmal auch etwas mehr pro Shirt. Ich schaute mal wieder auf das Etikett  und las die Herkunftländer der Kleidung: Bangladesch, China und Türkei. Das sind laut Bayrischem Rundfunk exakt die Produktionsländer, in denen die meisten Shirts zusammengenäht werden.

Die armen Näher bekommen dafür vermutlich einen Hungerlohn. Das gefällt mir nicht, aber tangiert mich das so stark, dass ich deswegen meine Kaufgewohnheiten ändere? Das sind meine Gedanken dazu.

 

Eines der Probleme ist, dass ich auch bei teuerer Kleidung nicht sicher sein kann, dass die Arbeiter am Ende der Nahrungskette fair bezahlt werden. Wenn ich einen teuren Fussballschuh von Nike oder adidas kaufe, dann ärgert mich immer, dass ich größtenteils das Image dieser Konzerne mitbezahle. Bei den einfachen Arbeitern wird in jedem Fall nur ein kleiner Teil meines Kaufpreises ankommen.

Fair gehandelte Kleidung vor allem in Internetshops

Dennoch: Es gibt Möglichkeiten fair gehandelte Kleidung zu kaufen. Da gibt es etwa den Internetshop armedangels.de, von dem ich vor langem in der Wirtschaftswoche gelesen habe. Aber das ist ein Internetversandhandel. Gibt es fair gehandelte Kleidung auch in der Innenstadt zu kaufen? Mir wäre zumindest noch kein Hersteller aufgefallen, der mit Textilerzeugnissen aus fairem Handel wirbt. Wenn man vom Grundsatz Wo kein Angebot, da auch keine Nachfrage ausgeht, folgt daraus: Die gerechte Entlohnung von Arbeitern in Entwicklungsländern ist den Deutschen kein großes Anliegen.

Das liegt natürlich einerseits daran, dass das Leid der Menschen in diesen Ländern so unfassbar weit weg ist für uns. Wir sehen es nicht, also kratzt es uns wenig. Wenn mal wieder irgendwo eine Produktionshalle einstürzt oder bei einem Brand unzählige Menschen sterben, dann ist die Aufregung erst einmal groß. Aber es reicht nicht, um nachhaltig etwas an unserer Einstellung zu ändern.

Dabei wäre es so wenig teurer für uns, die armen Arbeiter so zu entlohnen, dass diese davon leben können: In einem sehr lesenswerten Artikel von tagesschau.de ist davon die Rede, dass ein Shirt nur 35 Cent teurer werden müsste, um den Menschen in Bangladesch über die Runden zu helfen – doch die großen Modefirmen, wie die in dem Artikel genannten Ernsting’s family und New Yorker, sträuben sich dagegen.

Wenn man sich ansieht, zu welchen Schleuderpreisen Konzerne wie Kik, die Briten Primark oder die eben genannten ihre Kleidung unter die Menschen bringen, dann stelle ich mir die Frage: Müsste es bei einem T-Shirt für nur 10 Euro nicht bereits möglich sein, faire Löhne zu zahlen? Für mich stehen die Verantwortlichen der Firmen in der noch viel größeren Verantwortung als die Konsumenten, hier endlich für ein Mindestmaß an Fairness zu sorgen.

Das Problem des dummen Spenders

Doch zurück zu den Konsumenten. Neben der großen Entfernung der Entwicklungsländer spricht noch ein weiterer Punkt gegen den Kauf von fair gehandelter Kleidung: Wenn ich diese teurere Kleidung kaufe, dann kann ich die Preisdifferenz zu herkömmlicher Kleidung als Spende an den einfachen Arbeiter im Entwicklungsland sehen. Aber will ich der  „Dumme“ sein, der Geld spendet, während Menschen ohne soziales Gewissen das Geld für sich nutzen? Hier spielt eine große Rolle, dass fair gehandelte Kleidung üblicherweise viel teurer ist als herkömmliche. Im eben genannten Shop von armed angels kosten die Shirts beispielsweise mindestens 19,90 Euro.

Für mich wäre wichtig, dass jeder seinen Beitrag dazu leistet, dass die Menschenrechte in Entwicklungsländern eingehalten werden. Und dazu gehört ohne Zweifel ein Lohn, von dem man nicht zu hungern braucht. Es müsste also eine Art Gesetz geben, das den einfachen Arbeitern einen ausreichenden Mindestlohn garantiert, um dieses Problem zu vermeiden.

Zusammenfassung: Deshalb ist fair-trade-Kleidung kein Mainstream-Thema

Das Hauptproblem der armen Arbeiter in der Textilindustrie der Entwicklungsländer bleibt, dass wir Euopäer deren Leid nur selten vor Augen haben. Zudem kommt das Problem, dass der Konsument auch bei teuerer Kleidung nicht sicher sein kann, dass die Arbeiter einigermaßen entlohnt werden. Zumindest für dieses Problem gibt es Abhilfe: Auf der Seite www.fair-trade-kleidung.com finden Interessierte unter anderem eine Liste mit Händlern von fair gehandelter Kleidung. Allerdings finden sich hier tatsächlich nur Online-Shops.

Es bleibt das Problem, dass fair-trade-Kleidung oft deutlich teurer ist als herkömmliche. Außerdem ist der fair-trade-Käufer der Gelackmeierte im Vergleich zum Träger von herkömmlicher (Billig-)Kleidung.

photo credit: Βethan via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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3 Kommentare

  1. da ich nicht weiß, ob du hier G+-Kommentare einbindest, hier noch mal für die allgemeine Diskussion das, was ich schon bei Google geschrieben habe – dieses Mal auch komplett *hüstel*:

    wichtiges Thema.

    Als ich bei der Projektarbeit vor ein paar Jahren Archivgut eines kirchlichen Verbandes entgratete (mit Dokumenten seit Ende des ersten Weltkrieges) fielen mir Projekte zum Thema Kleidung und deren unfaire Herstellung ins Auge. Ein wenig traurig ist es schon, dass sich seit den – lass es die 60er oder 70er Jahre gewesen sein – nichts geändert hat… wobei. Du schreibst ja selbst, via Internet ist es einfacher…

    Doch auch lokal tut sich was. Neben den üblichen Verdächtigen (3-Welt-Laden, Contigo) in der Nord/Innenstadt gibt es z.B. in Endenich für die Frau eine Filiale von Alma & Lovis https://www.almalovis.de/

    Bzgl. der Problematik „zu teuer“ – auch wenn es schnell in die Richtung des – auch schon wieder verschrienen – Gutmenschtums geht: die Werte-Diskussion. Und dann sehe ich natürlich das Argument „Warum soll ich der einzige „Doof“ sein, der mehr bezahlt“ (Geiz-ist-geil-Mentalität). Leider können wir nicht mit dem Finger schnippen und von heute auf morgen sind alle bei einem nachhaltigeren/ethischeren Verhalten.

    Ist es dann nicht wichtig, dass irgendjemand anfängt? Dass Einzelne das Bewusstsein und die ethische Diskussion weitertragen auf dass es irgendwann mal mehr werden? Dass kritisches Hinterfragen sich ausbreitet. 😉 Da lande ich wieder bei meinem Lieblingsthema der Bildung. Und diesbzgl. bin ich dankbar für den Artikel, denn jede Hilfe die zur Diskussion führen kann ist imho wichtig.

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