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Sind Millionengehälter gerecht (2) ?

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Nach welchem Kriterium sollte sich die Bezahlung richten? Leistung oder Einsatz? Welche Faktoren sollte man bei der Entlohnung von Spitzenleuten zusätzlich berücksichtigen?

Im ersten Teil meiner kleinen Artikelserie habe ich geschrieben, dass aus meiner Sicht der Marktmechanismus zu keiner gerechten Verteilung führt. Dabei habe ich geschrieben, dass im Falle der Top-Manager großer Konzerne der Aufsichtsrat über das Gehalt des Vorstandes entscheidet.  Daher ist in diesem Falle nicht einmal ein Marktergebnis gegeben.

Leistung oder Arbeitseinsatz als Grundlage für die Entlohnung

An welchen Kriterien sollte sich eine gerechte Entlohnung orientieren? Es fängt bereits bei der Frage an, ob die gezeigte Leistung einer Person oder der Einsatz einer Person entlohnt werden sollte. In unserer Gesellschaft wird Leistung sehr hoch angesehen, ich würde fast sagen als Nonplusultra. Dabei könnte man doch ebenso sagen: Wir entlohnen den Einsatz und nicht das Talent, denn Talent ist den Individuen in die Wiege gelegt. Wieso sollten Menschen für etwas bezahlt werden, wofür sie letztlich nichts können? Auf der anderen Seite hat die Entlohnung nach dem Einsatz zwei schwerwiegende Nachteile: Einerseits gibt es weniger Anreize, sich eine Arbeit zu suchen, die man gut ausfüllen kann. Zusätzlich ist Leistung besser zu beobachten als der Einsatz einer Person. Wie sollte man schließlich den Arbeitseinsatz messen? Nach der Anzahl der geleisteten Stunden? Es gibt Menschen, die im Büro mehr arbeiten als ihr Kollege, obwohl beide die gleiche Wochenarbeitszeit haben.

Auf unteren Hierarchieebenen findet eine Entlohnung oft anhand der Anzahl der gearbeiteten Stunden, also anhand des Arbeitseinsatzes, statt. Zusätzlich soll jedoch die Leistung einer Person darüber entscheiden, ob diese befördert oder strafversetzt wird (z.B. nach Finsdorf).  Je weiter man sich an die Spitze von Unternehmen vorarbeitet, desto höher wird in der Regel  der Anteil der variablen Entlohnung, d.h. der leistungsabhängigen Vergütung, am Gehalt.

Mehrere Millionen sind auch durch Leistung nicht zu erklären

SkylineInsgesamt hat sich in unserer Gesellschaft also der Gedanke durchgesetzt, dass sich Entlohnung an der Leistung eines Menschen orientieren sollte. Aber leisten die Vorstände von Dax-Unternehmen tatsächlich so viel, dass sie mehr als das 50-fache der Stammbelegschaft im Jahr verdienen? Man muss sich die Zahl einmal verdeutlichen: Der Durchschnittsarbeiter eines DAX-Konzerns arbeitet 54 Jahre, um so viel Geld zu verdienen wie der Top-Manager aus dem Vorstand.

Ich muss ehrlich sagen, mir fehlt die Fantasie, um einen derart großen Leistungsunterschied zwischen Top-Managern und dem Rest der Belegschaft auszumachen.  Auch wenn Führungskräfte ein extrem hohes Arbeitspensum und sehr viel Verantwortung haben. Auch wenn gerade Profifußballer sehr stark in der Öffentlichkeit stehen und nicht mal eben unbeobachtet zum Bäcker gehen können. Dabei bin ich der Meinung, dass Sportler und einige Spitzenmanager, wie etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche, durchaus einen finanziellen Ausgleich für ihr öffentliches Leben bekommen sollten. Denn auch wenn Prominenz bestimmt sehr angenehm sein kann, so überwiegen bei den Meisten die Schattenseiten. Neben der ständigen Beobachtung sehen sich bekannte Personen, vor allem Profifußballer, auch heftiger (Schmäh-)Kritik von Medien ausgesetzt.

Dennoch halte ich Gehälter von mehreren Millionen für unangemessen. Aus meiner Sicht kann ein Mensch keine Leistung bringen, die so viel Geld im Jahr wert ist. Denn durch die hohen Geldbeträge, mit denen Führungskräfte hantieren (z.B. Investitionen), entsteht eine entsprechend große Wirkung der eigenen Aktivität. Aus meiner Sicht sollte die Leistung einer Person nicht mit mehreren Millionen honoriert werden, denn derart hohe Summen stehen, noch weniger als mit Leistung, im Zusammenhang mit menschlichem Einsatz.

Unternehmensgründer kommen durch Glück zu ihrem Reichtum

Eine sehr interessante Personengruppe stellen Unternehmensgründer dar. Bill Gates als Gründer von Microsoft verfügt über mehrere Milliarden Euro. Zurecht? Nun, ich denke, Bill Gates ist ein schlauer Mensch, der viel gearbeitet hat und dem viel Geld zusteht. Allerdings hat er das Glück gehabt, dass er zur richtigen Zeit die richtige Idee hatte. Dieses Glück hat er fürstlich bezahlt bekommen, in einem Maße, das ich mir kaum vorstellen kann. Aus meiner Sicht müsste Bill Gates einen Großteil seines Vermögens an andere Existenzgründer abgeben, als Kompensation für das große Glück, das er gehabt hat.

Aber die Frage, ob Glück entlohnt werden sollte, ist wieder eine andere. Schließlich spielen jede Woche sehr viele Menschen Lotto und stimmen darin überein, dass ein Glückspilz viel Geld sein eigen nennen darf.

 

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Autor: Alltagsoekonom

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