Wirtschaft einfach leben

Nettes Häuschen zu verkaufen- günstig!

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P Diddy’s Villa steht zum Verkauf. Eine doppelstöckige Villa, 1600 Quadratmeter Wohnfläche und etwa 12000 Quadratmeter Grundstück. Sieben Schlaf- und neun Badezimmer.

Garage für sechs Autos. Außenpool mit zwei Wasserfällen, Tennisplatz mit Flutlichtmasten, Basketballplatz, Golfplatz, Fitnessstudio und Sauna. Jetzt für nur 8,5 Millionen Dollar zu haben. Das bescheidene Häuschen befindet sich etwa 40 Kilometer von New York entfernt und ist umgeben von den Anwesen weiterer Prominenter.

 

Wie peinlich, solch ein Anwesen sein Eigen zu nennen. Welch Verschwendung von Ressourcen. Tennisplatz, Golfplatz, die Zimmer: Fast jeder Bereich dieser Anlage wird in 95 Prozent der Zeit nicht genutzt werden. Aber wenn der verehrte Herr Combs, P Diddy’s bürgerlicher Name, dann doch mal um 3 Uhr nachts Lust auf Tennis bekommt, dann soll der Tennisplatz mit Flutlicht doch bitteschön sofort verfügbar sein.

Natürlich hat ein Prominenter den Nachteil, dass er nicht mal eben ungestört in ein öffentliches Fitnesstudio oder auf einen Basketballplatz gehen kann, doch ein solcher Prunkbau mit allen Annehmlichkeiten kann keine sinnvolle Lösung sein.

Jetzt wird manch einer schon wieder Denken: Der Alltagsoekonom ist doch nur neidisch. Überhaupt, diese deutsche Eigenschaft, anderen Menschen ihren Erfolg nicht zu gönnen, das finde ich ganz schrecklich. Doch darum geht es mir nicht: Ein solches Anwesen kann vielleicht für eine Woche Spaß machen, doch es macht nicht dauerhaft glücklich. Hier geht es um die Frage, ob der Kapitalismus in seinen Extremen gerechte Ergebnisse hervorbringt. Und das tut er eben nicht. Spitzenverdiener einer Nation, vor allem in den USA, bekommen viel mehr Geld als sie wirklich verdienen.

Einzelne Menschen besitzen Milliarden Euro. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Beispiel: Entspricht dessen materieller Wohlstand, der durch den Börsengang mehrere Milliarden Euro beträgt, dessen Leistung? Natürlich nicht. Der Mann hat auch extremes Glück gehabt, da seine Idee zur richtigen Zeit kam. Gerecht wäre daher, wenn Zuckerberg all den Existenzgründern einen großen Batzen seines Geldes abgeben würde, die ebenso hart gearbeitet haben, jedoch dieses Glück nicht hatten.

In der Realität ist diese Umverteilung natürlich nicht so ohne weiteres durchführbar. Das fängt schon beim Messen von Leistung an: In vielen Berufen, in extremer Ausprägung im sozialen Bereich, ist Leistung nur schwer objektiv messbar.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Grundsätzlich sehe ich den Kapitalismus nach wie vor positiv. Dieses System sorgt dafür, dass Menschen sich für ihr eigenes materielles Wohl einsetzen. Ohne diesen Mechanismus geht es nicht. Doch in seinen Extremen, also von oben nach unten, ist eine Umverteilung zwingend notwendig. Wo genau diese Umverteilung beginnen sollte, dass ist mir auch heute noch ein Rätsel. Wenn Menschen jedoch alleine oder mit einer Kleinfamilie ein riesiges Anwesen bewohnen, auf dem auch 50 Menschen komfortabel leben könnten, dann ist dieses Maß überschritten.

Ich würde dem Herrn Combs empfehlen, ein Haushaltstagebuch zu führen. um sich den Wert des Geldes zu verdeutlichen. Herr Lüning hat das sehr schön beschrieben in seinem Video:

Wer sich näher damit beschäftigen möchte, dem kann ich nur wärmstens meine dreiteilige Artikelreihe zum Thema Sind Millionengehälter gerecht? ans Herz legen. Hier noch der Originalartikel über das Anwesen bei SpiegelOnline.

photo credit: Villa Almerico-Capra „La Rotonda“ via photopin (license)

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

3 Kommentare

  1. Hi Steffen,
    auch ich habe diesen Artikel bei SPON vor einigen Tagen gelesen und mich über soviel Luxus gewundert. In dem Zusammenhang fällt mir auch KimDotCom ein, der in Neuseeland ein noch größeres Anwesen besitzt und Autos im Wert von mehreren Millionen Euro hat. Dann die reichen Fussballspieler, die Scheichs in Arabien, die Oligarchen in Osteuropa, usw..
    Es scheint so, dass jede Gesellschaft, auch die sozialistische (Nordkorea, China) diese superreiche Oberschicht hat. Gerecht ist das aus unserer Sicht natürlich nicht, aus deren wahrscheinlich schon. Aber was ist die Alternative: wenn der Gesetzgeber/ die Gesellschaft Obergrenzen für Gehälter (evtl. für bestimmte Bereiche) festlegt (wie beim Mindestlohn auf der unteren Ebene), wird das Auswirkungen auf den Markt haben. Die Reichen werden immer danach streben oder wohlwollender dafür arbeiten, superreich zu werden, denn genug ist bei denen perse nicht genug. Wenn dieser Antrieb wegfällt, wird sich der Manager an der Obergrenze des Verdienstes zurücklehnen, da sich Mehraufwand für ihn finaziell nicht auszahlt (Ähnlich verhält es sich wohl auch beim Mindestlohn: erhält man den ohne Aussicht auf Erhöhung, kann man sich auch zurücklehen – weniger gibt es nicht) .

    Eine Gerechtigkeitsdebatte führt hier nach meiner Meinung auch nicht weiter, denn „Die Gerechtigkeit“ ist nie objektiv. Das sollte uns aber nicht daran hindern, über Sinn oder Unsinn von immens hohen Reichtümern zu diskutieren, die auch in aller Regel als Machtmittel eingesetzt werden.

  2. Interessanter Kommentar. Obwohl Gerechtigkeit natürlich eine subjektive Sache ist, muss eine Gesellschaft definieren, wie sie mit extremen Vermögen umgeht.

    Am effizientesten wäre es, ohne Ankündigung eine einmalige Vermögenssteuer auf Beträge ab einer bestimmten Summe festzulegen. Beispiel: Die Politik nimmt jedem Bürger das Geld weg, dass eine Grenze von 5 Millionen Euro übersteigt. Dann gibt es nicht die Anreizprobleme, denn die einmalige Besteuerung wird ja nicht von den Bürgern antizipiert und damit arbeiten auch die Superreichen vorher mit vollem Einsatz. Dieses Vorgehen hätte aber möglicherweise nach der Besteuerung schlechte Anreizwirkungen, weil die Superreichen eine erneute Enteignung befürchten. Die Festlegung der Vermögensobergrenze ist natürlich ebenso ein schwieriges Thema.

    Das ist jetzt ein reines Gedankenspiel, politisch lässt sich sowas natürlich nicht durchsetzen. Schwierige Sache.

    Mal davon abgesehen: Wenn ich selber 10 Millionen auf dem Konto hätte, dann würde ich mich vermutlich auch vehement dagegen wehren, die Hälfte meines Vermögens abgeben zu müssen. Auch wenn 5 Millionen für ein extrem komfortables Leben reichen.

  3. Vielen Dank für diesen durchdachten Text.
    Vor allem der erstgenannte Kritikpunkt – die Verschwendung und Ineffizienz, die solche Ungleichverteilungen begünstigen, wird ja oft vergessen.

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