Als Kind begann ich mich für Fussball zu interessieren. Doch nicht nur das Spiel selbst übte eine große Faszination auf mich aus – auch die Fußball-Bundesliga entwickelte schnell einen besonderen Reiz
Neben dem RAN-Bundesliga-Jahrbuch und dem Anschreiben von Vereinen zur Zusendung von Autogrammkarten kam ich über den Kontakt mit Schulfreunden in den Kontakt mit Panini-Klebebildern.
Als ich Panini kennenlernte, sah ich mein Taschengeld nicht mehr als Geldwert an, sondern rechnete es in Stickertüten um. Ich bekam damals 5 DM in der Woche Taschengeld, was sieben Tüten für 4,90 DM ergab.
Aktuell gibt es ein Panini-Sammelalbum zur Fußball Weltmeisterschaft 2026. Was hat sich im Vergleich zu früher verändert und mit welchen Methoden versucht Panini heute, möglichst viel Geld zu verdienen?
In der Pause tauschen auf dem Schulhof
Das Konzept ist schnell erklärt. Zu allen Vereinen der Bundesliga-Saison im Jahr 1997 gab es Sammelbilder mit den jeweiligen Spielern, ein Glitzeremblem des Vereinslogos und ein Mannschaftsfoto. Das Sammelalbum für die etwa 300 Sticker kostete zwei DM, eine Packung mit fünf Sammelbildern kostete damals 50 bis 70 Pfennig.
Meine Freunde in der Schule sammelten auch, in der Pause wurden Sticker getauscht. Für angeblich sehr seltene Sticker war man bereit, auch mehrere Doppelte abzugeben. Dass alle Sticker gleich häufig produziert wurden und schon der Zufall dafür sorgt, dass man mit zunehmender Füllung des Sammelalbums nur noch sehr schwer bekommt, konnten wir uns nicht vorstellen.
Enorm clevere Grundidee, Kindern mit einer Art von Glücksspiel immer wieder das Taschengeld abzunehmen, so dass diese überhaupt nicht verstehen, wie viel Geld sie ein volles Sammelalbum kostet. Dazu der soziale Druck und Reiz, auch selbst Sammelbilder zu haben und tauschen zu können. Man möchte dazugehören.
Ich hatte damals das Sammelalbum 1997 voll. Am Ende konnte man glücklicherweise eine kleine Zahl noch offener Sammelbilder für relativ wenig Geld bei Panini bestellen und das Album voll machen. So war ich stolz, damals ein Album komplett zu haben.
Zur WM 2026 hatte ich die Möglichkeit, durch einen Freund und durch eine Aktion der Telekom ein Panini-Album mit zehn Stickertüten zu bekommen. Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?
Ein paar Gemeinsamkeiten, viele Neuerungen
Das Panini-Softcover-Sammelalbum ist nach wie vor mit nur zwei Euro sehr günstig. Es lag zudem einer Ausgabe der SportBild bei. Auch bei Lidl gibt es kostenlose Alben, wenn Kunden Sticker kaufen und andere Supermärkte geben gratis Päckchen heraus ab einem bestimmten Einkaufswert. Eine clevere Verkaufsstrategie: Schenke den Menschen etwas und vertraue darauf, dass sie danach peu a peu ihr Geld ausgeben, um daraus “etwas Besseres” zu machen.
Ähnlich ist auch die Gratisaktion mit Hilfe der Telekom einzuschätzen. Füttere die Leute an, mache ihnen ein Geschenk und dann verdiene an ihrem Sammeltrieb.
Verkauf auch von digitalen Stickern
Panini bietet auch eine App an, die man sich kostenlos herunterladen kann. Hier kann man digitale Sticker sammeln. Täglich bekommt man zwei Gratispackungen mit Stickern. Wenn man jedoch das digitale Album wirklich füllen möchte, muss man, du ahnst es schon, echtes Geld in die Hand nehmen. Oder Coca-Cola-Produkte kaufen, um weitere Packs zu bekommen.
Panini wird sicherlich gesehen haben, dass etwa im Gaming-Markt der Konzern Electronic Arts sehr viel Geld mit dem Verkauf digitaler Spielerpacks verdient und versucht auch hier noch Geld rauszupressen und die Kundenbindung zu erhöhen.
Coca-Cola Kooperation zur Umsatzsteigerung
Im aktuellen Heft gibt es eine Kooperation mit Coca Cola: 12 Sticker kann man nur dadurch sammeln, dass man Coca-Cola-Getränke kaufen. Eine Werbemaßnahme von Coca Cola, die sich der Getränkekonzern einiges kosten lassen dürfte. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Werbemaßnahme für Panini, wenn Liebhaber der süßen Getränke auf die Klebebilder aufmerksam werden. Und für die Sticker-Sammler kommt zu den Kosten für die Stickertüten noch eine Diabetes dazu.
Und die Kosten für die Sticker alleine haben es in sich: So ist die Zahl der Sammelbilder stark gewachsen: Gab es etwa zur WM 2006 noch ein Sammelalbum mit 596 Stickern, sind es jetzt stolze 980. Der Ausweitung der WM auf 48 Teilnehmer sei dank. So verdient die FIFA mehr durch mehr Spiele und Panini kann mehr Sticker verkaufen.
Steigende Stickerpreise mit der Zeit
Der Preis für eine Stickertüte steigt von Jahr zu Jahr:

So klettert auch der Preis für ein komplettes Sammelalbum immer höher. Im Jahr 2006 kostete eine Stickertüte mit fünf Stickern 50 Cent, also 10 Cent pro Sticker. Selbst ohne doppelte Sticker zahlte brauchte man 120 Tüten oder mindestens 60 Euro. Heute benötigt man bei sieben Stickern pro Tüte schon 140 Tüten. Bei einem Preis von 1,50 Euro pro Tüte ergeben sich bereits stolze, aber unrealistische 210 Euro. Ohne Tauschen und nur durch den Kauf von Stickern ist ein Preis von über 1.500 Euro zu erwarten. Realistisch ist bei konsequenter Nutzung von Online-Tauschbörsen vielleicht eher ein Gesamtpreis von 300-400 Euro, was jedoch immer noch eine stolze Summe ist.
Unangenehm aufgefallen ist mir auch die Rolle der FIFA: Gianni Infantino schreibt im Sammelalbum ein Grußwort und es gibt Werbung für den für Korruption bekannten Fussballverband.
Erstaunlich: Trotz der ganzen Geldmacherei auf Kosten einer größtenteils jungen Zielgruppe habe ich noch ein gutes Gefühl beim Namen Panini. Die Kindheitserinnerungen überwiegen.
Wer trotz aller Kritik ein Album mit ein paar eingeklebten Stickern und rund 50 Stickern zum selbst einkleben haben möchte, schreibt bitte einen Kommentar. Ich melde mich dann per Mail und schicke Album und Sticker per Post.