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„Plötzlich Schlampe!“ Bravo zu dieser Schlagzeile

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Ich hatte es schon länger vor, aber jetzt habe ich es endlich gemacht. Ich habe mir die aktuelle Ausgabe der bekannten Jugendzeitschrift Bravo gekauft.

Es hat sich viel verändert zu früher. Ich habe die Bravo in meiner Jugendzeit selten gelesen, doch ich meine, dass es früher viele seichte Geschichten über irgendwelche „süßen Boys“ und „Girls“wie Oli P. (Flugzeuge im Bauch) oder Britney Spears gab. Das waren größtenteils harmlose Storys für verträumte Jungen und Mädchen, die einen der gängigen Stars anhimmelten.

Heute ist das anders. Die große Schlagzeile auf dem Cover, zum Großbild von Selena Gomez, lautet: „Plötzlich Schlampe! Rache-Sex! Hey Jus! Ich bin geiler als deine Bitches!“ Wahnsinn, das reichte mir als Kaufargument und schon landete die Zeitschrift in meinem Einkaufskorb. Doch der Heftinhalt sollte meine negativen Erwartungen noch übertreffen.

Die Zeitschrift beginnt mit „Hot or Not“. Hier stellt die Bravo irgendwelche Dinge vor, die angeblich gerade total angesagt sind. Statement-Shirts mit Aufschriften wie „Cool Kids Don’t Dance“ sind demnach voll in. An dieser Stelle kann die Bravo dann noch unauffällig Werbung für fünf angesagte Online-Shops oder die 1Live-Krone unterbringen.

Auf den nächsten Seiten folgen einige völlig belanglose Geschichten zu irgendwelchen Prominenten, ehe dann endlich die Geschichte zu Selena Gomez ansteht. Es geht gleich gut los. „Sie rekelt sich verführerisch im Bett. Trägt einen Spitzen-BH, hat ihren „Fick mich“-Blick drauf“, beginnt der Text. Gemeint ist Selena Gomez. Diese wird laut Artikel immer versauter. „Ihr Look: bitchy“, heißt es weiter. Und: „Bei einem Meet & Greet packte sie jetzt sogar einem Fan-Girl an die Titten“. Auch unfassbar ist folgender Satz: „Nach den Shows geht das Hollywood-Girl oft mit der Crew feiern – da wird dann wild gebaggert. Auch gevögelt ?!“

Der Text geht in dieser Art weiter. Einziges Thema ist Sex – der (vermutete) von Selena Gomez und der ihres Ex Justin Bieber. Es gibt kaum Inhalt – nur Vermutungen und Verurteilungen der „bitchigen“ Selena Gomez.

Es folgt ein Artikel über eine gewisse Rita Ora, die wohl eine britische Sängerin ist. Diese erlitt nach Bravo-Informationen vor kurzem einen Hitzeschlag bei gleichzeitigem Wassermangel (Dehydrierung). „Krass“, sagt die Bravo dazu. Der Bravo-Reporter meint zu wissen, dass die Frau die Eifersucht und Einsamkeit zerfresse. Diese wolle sich nur noch betäuben. Woraus die Bravo dies schlussfolgert? Nun, Rita Oras Dehydrierung könnte ein Hinweis auf Marihuana-Konsum sein, weil das Rauchen der Pflanze den Körper austrocknet. Sauberer Zusammenhang, liebe Bravo. Plötzlich kommt der Artikel noch auf die Teufelsdroge Crystal Meth zu sprechen, denn Dehydrierung könne auch eine Folge dieser harten Droge sein. Hier wird jedoch nur vage angedeutet, die Sängerin lasse hoffentlich die Finger von diesem Teufelszeug. Sehr dreist von der Bravo, hier noch eine schwere Droge mit der Sängerin in Zusammenhang zu bringen.

Auffällig ist, dass es im ganzen Heft fast nur um Sex geht. So werden auch die „heißen Sex-Dates“ von zwei Vampire-Diaries Schauspielern thematisiert. Ebenso ins Auge stechend: Die Geschichten haben immer eine sehr klare moralische Wertung: Selena Gomez ist bitchy, Rita Ora nimmt zu viele Drogen und macht zu viel Party und der „Fack-Ju-Göhte“-Darsteller Elyas M’Barek sei privat total „notgeil“ und baggere Frauen auf primitive Art und Weise an. Auch fällt die anbiedernde Jugendsprache auf. Ständig liest man „Krass“ oder Abkürzungen wie BFF (ich habs grad nachgeschaut, es steht wohl für „Best friends forever“)

Das Dr-Sommer-Team gibt es übrigens auch noch. Gegen deren Antworten zu sexuellen Fragen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings bildet dieser betont sachliche und aufklärerische Block einen sehr starken Kontrast zu all den primitiven Stargeschichten im Restteil des Hefts. Es gibt übrigens auch immer noch eine Foto-Love-Story, die selbst die hanebüschenen Storys der Scripted-Reality-Serie „Lenßen & Partner“ im TV unterbietet.

Es ist einfach unfassbar, ich könnte noch viel mehr versaute Zitate bringen. 1,50 Euro kostet das Schundblatt, das sich vor bekannten Klatschblättern für Erwachsene nicht verstecken muss. Hier werden mit ganz wenig Aufwand Geschichten zu irgendwelchen Stars zusammengeschustert und böse Vermutungen angestellt.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal kurz zurückommen zum Schauspieler M’Barek. Hier findet sich der passende Schlussatz für diesen Beitrag zur Bravo. Im Artikel zu diesem wird eine Insiderin, die vom Schauspieler angebaggert wurde, mit folgenden Worten zitiert:

„[..] Er sagte dann, ich hätte geile Titten und Tattoos – und wollte wissen, ob ich auch ein ‚Muschi-Tattoo‘ hätte…[..]“

photo credit: TonyFelgueiras via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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