Wirtschaft einfach leben

Sind Millionengehälter gerecht (1) ?

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Ein Bruchteil der Bevölkerung verdient mehr als eine Million Euro pro Jahr. Dabei handelt es sich etwa um Manager größerer Konzerne oder bekannte Sportler. Wie entwickeln sich Spitzengehälter im Vergleich zum Verdienst der übrigen Bevölkerung?

Laut einem Focus-Artikel von 2012 sahen fast 3 von 4 Deutschen eine Entlohnung von über eine Million Euro pro Jahr als ungerechtfertigt an. Vor allem Frauen sehen demnach diese Spitzengehälter kritisch. In der Folge stelle ich einige Überlegungen zu diesem Thema an.

Zunächst einmal dazu, wer diese hohen Gehälter eigentlich festlegt: Im Spitzensport kommen diese fürstlichen Entlohnungen ganz klar durch den Marktmechanismus zustande. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Spitzensportler im Wesentlichen aus zwei Quellen Einkommen beziehen. Profifussballer beispielsweise erhalten einerseits Geld durch ihren Verein und andererseits haben sie Werbeverträge mit Unternehmen. Der wohl beste Fussballer der Welt erhält allein vom FC Barcelona ca. 36 Millionen Euo pro Jahr. Auch seine Werbeeinnahmen dürften locker im 2-stelligen Millionenbereich liegen. Vereine stehen dabei im Wettbewerb mit anderen Clubs und müssen die eigenen Löhne daher am Wettbewerb orientieren. Unternehmen wiederum stehen in Konkurrenz mit anderen Firmen und zahlen den Profis ebenfalls ein marktgerechtes Salär.

Aufsichtsrat legt nicht marktgerechte Gehälter fest

Business 2Bei Spitzenmanagern  sieht die Lage (noch) etwas anders aus. Die bestverdienenenden Manager sind die Lenker der großen Dax-30-Konzerne. Derzeit bestimmt der Aufsichtsrat, der von den Aktionären gewählt wird, wieviel Geld die Vorstände eines Konzerns erhalten. Vielfach wird deshalb kritisiert, dass Aufsichtsräte zu hohe Gehälter für Spitzenmanager absegnen und dass der Marktmechanismus hier nicht greift. Deshalb ist in der öffentlichen Diskussion öfter die Forderung zu hören, dass Aktionäre direkt das Gehalt der führenden Köpfe von Konzernen bestimmen sollen.

Auch wenn man jedoch davon ausgeht, dass bei Wirtschaftsbossen der Marktmechanismus außer Kraft gesetzt ist, stellt sich weiterhin die Frage, ob der Markt zu gerechten Ergebnissen führt. Aus der Wirtschaftstheorie lässt sich ausschließlich herleiten, dass ein funktionierender Markt zu effizienten Ergebnissen führt. Effizienz ist hier nach dem Pareto-Kriterium definiert: Pareto-Effizienz besagt, dass kein Marktteilnehmer besser gestellt werden kann, ohne einen anderen schlechter zu stellen. Doch ein effizientes Ergebnis sagt nichts darüber aus, ob es auch eine gerechte Verteilung beinhaltet.

Spitzengehälter nehmen exorbitant zu

Für mich ist klar, dass funktionierende Märkte nicht dadurch zu gerechten Verteilungen führen, dass sie annährend effizient sind. Laut einem Welt-Artikel verdiente in 2011 ein Dax-Vorstand das 54-fache des Durchschnittsgehalts der Belegschaft. 1997 verdiente dagegen ein Vorstand ,,nur“ das 19-fache der weiteren Belegschaft. Die Schere zwischen Top-Gehältern und Otto-Normalverdiener geht also über die Jahre immer weiter auseinander, ebenso wie die Kluft zwischen arm und reich in Deutschland immer größer wird. Diese Tatsache birgt auf Dauer sicherlich gehöriges Konfliktpotenzial in Deutschland.

Die Poltik beschwört dabei vielfach den Begriff der sozialen Marktwirtschaft, Spitzenverdiener verweisen darauf, dass sie für den Großteil des Steueraufkommens in Deutschland sorgen. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass die Reichen im Verhältnis zu den Armen immer reicher werden.

Der zweite Teil dieser Artikelreihe beschäftigt sich damit, auf welcher Basis die gerechte Entlohnung einer Tätigkeit festgelegt werden sollte.

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Autor: Alltagsoekonom

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