Wirtschaft einfach leben

So konsumiert Deutschland, so konsumiere Ich

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In meinem Beitrag zum Haushaltsbuch habe ich beschrieben, warum ich es so wichtig finde, über einen längeren Zeitraum zu protokollieren, wo man sein Geld lässt. So bekommt man ein immer besseres Gespür dafür, ob man einen Gegenstand wirklich benötigt, oder ob dieser schon nach kurzer Zeit in eine Kiste auf den Dachboden wandert.

In diesem Beitrag analysiere ich anhand von Daten des statistischen Bundesamts das Konsumverhalten eines typischen Deutschen. Und ich schaue mir an, inwieweit ich mit meinem Geld anders umgehe.

Meine Daten kommen aus dem Statistischen Jahrbuch 2016 – Sie beziehen sich auf die Jahre 2015 und 2014 und sind damit größtenteils ausreichend aktuell.

Das statistische Bundesamt mit dem Namen Destatis stellt Daten zu den verschiedensten Lebensbereichen zur Verfügung.

Von „Geografie und Klima“ über Bevölkerung, Familien, Lebensformen bis hin zum Bereich Gastgewerbe und Tourismus. Hier könnt ihr euch selbst die einzelnen Kapitel des Statistischen Jahrbuchs 2016 ansehen. Mit einem Klick auf das Thema öffnet sich die entsprechende pdf-Datei mit haufenweise Daten und Statistiken.

Mein heutiges Thema beschäftigt sich mit den Daten aus dem Bereich Einkommen, Konsum, Lebensbedingungen. Gehen wir gleich in medias res.

Der durchschnittliche Haushalt verfügt über ein Nettoeinkommen von 3147 Euro im Monat. Paare mit Kind(ern) verfügen übrigens über 4576 Euro netto. Der durchschnittliche Alleinlebende bekommt 1913 Euro netto Monat für Monat. Da ich ebenso alleine lebe, sollen die Konsumausgaben dieses Menschen in der Folge mit meinem Konsumverhalten verglichen werden.

Größter Ausgabenfaktor Wohnen

Der typische deutsche Alleinverdiener konsumiert Waren und Dienstleistungen im Wert von 1519 Euro monatlich. Der Löwenanteil liegt mit 42 Prozent und 631 Euro beim Bereich Wohnen, gefolgt vom Freizeit- und Unterhaltungsbereich (Fernseher, Spielwaren, Hobbys, etc.). Hier verschwinden Monat für Monat 234 Euro.  Es folgt mit nur 188 Euro und 12 Prozent monatlich der Nahrungsmittelbereich. In diesen Bereich fallen Ausgaben für das tägliche Essen, Trinken und auch Tabakprodukte. An vierter Stelle steht der Bereich Verkehr. Hierzu werden Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, Treibstoff, Wartung und Anschaffung eines Autos und Fahrradkosten gezählt. Durchschnittlich 170 Euro gab ein Alleinstehender im Mittel dafür aus.

Die restlichen Ausgabenkategorien sind relativ unbedeutend und im Schaubild aufgelistet.

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Grafik 1:Die prozentuellen Anteile der Ausgaben. Über 40 Prozent der Konsumausgaben gehen für die Wohnung drauf, wobei die Inneneinrichtung noch nicht mit eingerechnet ist. Die Innenausstattung findet sich im Bereich „Sonstige“.

Noch ein paar interessante Dinge, die mir im Abschnitt Ausstattung aufgefallen sind. Mehr als 97 Prozent der Haushalte besitzen einen Fernseher. Da gehöre ich also zur sehr kleinen Minderheit. Nur etwas mehr als jeder vierte Haushalt hat eine Spielkonsole, über einen Computer verfügen etwas mehr als 88 Prozent. Etwas weniger als jeder Dritte nennt ein Tablet sein Eigen.

Für mich überraschend: Mehr als 25 Prozent der Haushalte trainieren an einem Heimtrainer wie einem Ergometer oder einem Laufband in der eigenen Wohnung. Das E-Bike war zum Erhebungszeitpunkt nur sehr wenig verbreitet: Nur etwa jeder 24. befragte Haushalt gab an, eines zu besitzen. Die eben genannten Daten beziehen sich auf den Erhebungszeitpunkt vom 1.1.2015. Mittlerweile dürften das E-Bike und das Tablet schon ein paar Prozentpunkte weiter verbreitet sein.

Nun zu mir und meinem Konsumverhalten. Ich habe im Durchschnitt von Oktober 2014 bis Ende September 2015 rund 975 Euro im Monat verkonsumiert. Hier die Übersicht, was die größten Posten waren.

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Grafik 2: Auch bei mir ist der Bereich Wohnen der mit Abstand größte Ausgabenfresser. Nahrungsmittel machen bei mir einen größeren Anteil aus und sind absolut gesehen ähnlich hoch (177,51 Euro). Der Anteil von Freizeit, Kultur und Reisen ist vergleichbar. Es folgen etliche kleinere Kategorien. Auffällig: Der Bereich Verkehr spielte bei mir, anders als beim Durchschnittsdeutschen eine untergeordnete Rolle.

975 Euro Konsumausgaben ohne große Einschränkungen

Insgesamt entspricht mein Ausgabenprofil zu einem großen Teil dem eines Durchschnittsdeutschen. Die Höhe meiner Konsumausgaben lag jedoch nur bei etwa 2/3 von Otto Normalverbraucher. Ich würde noch nicht einmal sagen, dass ich mich besonders eingeschränkt hätte. Ich esse sehr oft auswärts, manchmal in teureren Restaurants, meist beim Dönermann oder beim günstigen Asia-Imbiss um die Ecke.

Ich fahre oft mit dem Fahrrad oder nehme die öffentlichen Verkehrsmittel, weshalb ich nur einen Bruchteil der durchschnittlichen Verkehrsausgaben verbuche.

Ich finde 1500 Euro monatliche Konsumausgaben eine Menge Holz. Hier zeigt sich unsere Konsumgesellschaft. Viele Menschen brauchen den neuesten Fernseher, das neueste Handy und den besten Computer auf dem Markt.

Ich bin gespannt, wie ich mich verhalten werde, wenn mein Einkommen steigt. Im Betrachtungszeitraum habe ich nur in etwa das verdient, was ich auch ausgegeben habe.Ich habe den festen Plan, mein Konsumleben bei steigendem Einkommen nur wenig nach oben anzupassen.

Wie schaut es mit dem Konsumverhalten aus, wenn Menschen mehr verdienen?

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Grafik 3:Wer mehr verdient, gibt auch deutlich mehr aus.

Viele Menschen geben viel Geld aus für nutzlose Dinge

Das Schaubild verdeutlicht sehr schön, dass die Konsumausgaben sehr stark mit dem Nettoeinkommen korrelieren. Haushalte mit 2600 bis 3600 Euro verkonsumieren satte 2480 Euro, Haushalte mit 5000-18000 monatlichem Geldzuwachs verkonsumieren sogar fast 4400 Euro.

Das Schaubild verdeutlicht, wie wenig viele Deutsche sparen und wie viel sie für Dinge ausgeben, die sie eigentlich nicht brauchen. Ich mag einen sparsamen Umgang mit Geld. Ausschließlich Gegenstände zu kaufen, die mir viel nutzen und viel Geld auf die hohe Kante zu legen. Menschen, die dies sehr konsequent praktizieren, verfügen dann bereits in jungen Jahren über so viel Geld, dass sie die Freiheit besitzen nicht mehr arbeiten gehen zu müssen. Ein interessantes Beispiel für diesen Lebensweg ist der englischsprachige Blog von MrMoneyMustache oder im deutschsprachigen Raum frugalisten.de

Die hier erwähnten Daten zum durchschnittlichen Deutschen/Haushalt stammen von

Quellennachweis:

Statistisches Jahrbuch 2016 – Kapitel 6 Einkommen, Konsum, Lebensbedingungen Statistisches Bundesamt, Wiesbaden2016

pdf-Datei unter https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/EinkommenKonsumLeben.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 15.11.2016.

Grafik 1+2: eigene Berechnung

Grafik 3: übernommen

 

photo credit: Tortured Mind Yee via photopin (license)

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

Ein Kommentar

  1. Ein wirklich gelungener Beitrag.
    Die meisten Menschen beschweren sich darüber, dass sie kein Geld sparen könnten, weil alles so teuer sei.
    So gibt es Menschen, die alleine leben, über 2000 Netto im Monat verdienen und trotzdem mit ihrem Geld nicht zurecht kommen.
    Das hängt alles mit der eigenen Einstellung zu Geld, Sparen und Investieren zusammen.
    So würde ich mir an Deiner Stele keine zu großen Sorgen machen, dass Du bei höherem Gehalt wieder alles verkonsumieren solltest. Wenn Du einmal gelernt hast mit Geld richtig umzugehen, wirst Du die Einstellung nicht so schnell mehr los.

    Schöne Grüße
    Dominik

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