Wirtschaft einfach leben

Ansichten eines Fondsmanagers

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Heute morgen gehe ich zu meinem Briefkasten, nehme die Post heraus und traue meinen Augen nicht. Ein goldener Briefumschlag fällt mir in die Hände. Erstaunt öffne ich den Brief direkt vor Ort. Der Absender nennt sich Herr M. Anager und schreibt Folgendes:

„Im Bordrestaurant ist der Kaviar aus. Das darf doch nicht wahr sein. Ich gieße mir noch ein randvolles Glas Champagner nach und trinke es in einem Zug leer. Ich ärgere mich über die Deutsche Bahn.

Dann kommt der ICE endlich in Frankfurt an. Ich greife zu meinem Louis-Vuitton-Koffer und setze meine Ray-Ban-Sonnenbrille auf. Euphorisiert vom Alkohol fühle ich mich bereit für den Tag.

Ich kämpfe mich also durch die Massen von Menschen, die durch das Bahnhofsgebäude eilen oder die unzähligen Fressstände bevölkern. Immer wieder kommen mir heruntergekommene Gestalten entgegen, die mich um eine Spende anflehen. „Versager, besorg dir einen Job, wenn du Geld willst“, denke ich, während ich ihn keines Blickes würdige.

Mich stören solche Leute, die keine Leistung bringen und stattdessen Tag ein, Tag aus Alkohol in sich hineinschütten oder Drogen nehmen. Willensschwache Leute wohin man nur blickt. Und diese Penner setzen dem ganzen die Krone auf.

Ich bahne mir meinen Weg durch den Ausgang und gehe Richtung der Hochhäuser. Prunkvolle, riesige Glasbauten sind das. Die tiefliegende Wintersonne scheint mir ins Gesicht und ich lasse all das Gesindel endlich hinter mir.

Im Kopf gehe ich noch einmal die aktuellen Konjunkturdaten durch, während ich die plötzlich menschenleeren, sonenndurchfluteten Straßen des Bahnhofsviertels durchschreite. Ich bin Fondsmanager. Meine Kenntnisse über jedes einzelne DAX-Unternehmen sind überwältigend. Tja, liebe Faxe-Penner, wenn ihr dieselbe analytische Schärfe und denselben unbändigen Willen wie ich hättet, dann würdet ihr nicht den ganzen Tag am Hauptbahnhof herumlungern und euch zudröhnen.

Ich arbeite 70 Stunden in der Woche und ich reiße mir den Arsch auf, während ihr es euch in der Hängematte des Rausches bequem macht. Diese Erkenntnis erfüllt mich mit Glück. „Danke lieber Gott, dass du mich nicht wie diese Leute gemacht hast“, bete ich mit einem sanften Lächeln.

Ich bin da. Die Schiebetür des Wolkenkratzers öffnet sich und ich betrete die Lobby. Ich streiche mir noch einmal die halblangen Haare zurück, die lässige Sonnenbrille behalte ich im Gesicht.

Zeit, Geld zu verdienen. Zeit zu performen. Zeit, besser zu sein.

Teilen Sie bitte meine Nachricht mit den Lesern Ihres Blogs und warten Sie auf weitere.

 

Mit freundlichen Grüßen,

M. Anager“

photo credit: Alex E. Proimos via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

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