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Trump und die Wahlnacht in der ARD

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Dass Donald Trump der neue Präsident der USA ist, klingt für mich noch unwirklicher als ein englischer Fußballmeister namens Leicester City oder ein britischer Austritt aus der EU, um auf politischem Parkett zu bleiben.

Ich habe kurz vor der Wahl mit meinem Vater darüber gesprochen. Er sagte: „Dass jemand wie Trump zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gewählt wird, ist für mich schon unvorstellbar.Doch jetzt wird es wohl Hilary Clinton machen.“

Ich konnte diesen Satz auf Anhieb nachvollziehen. Ein Wahlsieg Trumps schien bei all den Vorfällen im Wahlkampf für mich unvorstellbar.

In diesem Beitrag soll es um die Gründe für die Wahlentscheidung der Amerikaner gehen. Und dann möchte ich noch kurz auf die Wahlberichterstattung der ARD eingehen.

Ich habe von 23 Uhr bis morgens um 5 Uhr in der ARD mitverfolgt, wie sich nach und nach ein Wahlsieg Trumps abzeichnete. Als ich ins Bett ging, war dieser schon fast zur Gewissheit geworden.

Donald Trump wird also neuer Präsident. Ein Mann, der sich im Wahlkampf alles erlauben konnte. Trump hat selbst einmal gesagt, er könne auf der Straße jemanden erschießen und die Leute würden ihm das trotzdem durchgehen lassen. Trump beleidigte im Wahlkampf unzählige Menschen, zeigte sich sowohl frauenverachtend, rassistisch als auch generell menschenverachtend. Er hielt sich nicht lange mit Fakten auf, sondern verbreitete, bevorzugt über Twitter, was ihm gerade in den Sinn kam.

Es war für mich nicht vorstellbar, dass so jemand Präsident der USA werden könnte.

Doch zeigt der Ausgang dieser Wahl, wie groß die Politikverdrossenheit in den Vereinigten Staaten mittlerweile ist. Trump wurde wahrgenommen als einer aus dem Volk. Sein wichtigstes Merkmal war, dass er bislang nichts mit „denen, da oben“ am Hut hatte. Er ist der Denkzettel des Volkes an das politische Establishment.

In keinem Land ist Vermögen ungleicher verteilt

Das mag auch mit einem Präsident Obama zu tun haben, der mit großen Erwartungen vor acht Jahren angetreten war, doch nicht zuletzt durch die Blockaden der Republikaner im Senat immer weniger Ergebnisse erzielte. Obama hat zwar gerade in seiner ersten Amtszeit viele neue Jobs geschaffen, doch das Hauptproblem der USA ist die extrem ungleiche Verteilung des Wohlstands.

Gestern kam dies in der Wahlsendung an einigen Stellen zur Sprache, beispielsweise als Journalist Jörg Schönenborn schilderte, dass etwa die Hälfte der USA keine 400 Dollar auf der hohen Kante hat, um außerplanmäßige Ausgaben zu tätigen.

In den USA wird immer wieder von Freiheit gesprochen. Arbeitern, die sich durch (oft mehrere) Mindestlohn-Jobs über Wasser halten, wird damit suggeriert, dass sie sich nur richtig anstrengen müssen, um den Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“ zu verwirklichen. In Wahrheit ist Sozialer Aufstieg in den USA noch schwerer möglich als in Deutschland. Die ständige Betonung der US-Politiker von Freiheit war das Opium fürs Volk. Doch irgendwann erwacht der Zorn der Menschen.

Die USA sind das wohlhabendste Land der Welt. In 2015 entfielen über 40 Prozent des globalen privaten Wohlstands auf US-Bürger. wie ein Artikel von fortune.com zeigt. Gleichzeitig sind die USA  jedoch das Land mit der ungleichsten Verteilung des Einkommens. Soziale Ungleichheit wird mit dem sogenannten Gini-Koeffizienten ermittelt. Schönenborn zeigte im Verlauf des Wahlabends eine Umfrage, laut der das Thema Wirtschaft für die meisten Amerikaner wichtig war.

Donald Trump ist bisher weniger durch Soziale Wohltätigkeit aufgefallen und es scheint fraglich, ob der Milliardär für eine gerechtere Gesellschaft sorgen kann. Doch Trump taugt als Denkzettel für all die Berufspolitiker, die jahrelang nichts gegen die Bedrohung des sozialen Friedens unternommen haben.

Sicherlich sind die Probleme in den USA vielschichtiger, doch ich vermute die ökonomische Ungerechtigkeit als wichtigsten Grund für Trumps Sieg. Rassismus, die Staatsverschuldung oder auch die wahrgenomme und tatsächliche Ineffizienz der politischen Institutionen sind weitere Themen, die man diskutieren kann.

ARD verpennt sich abzeichnenden Wahlerfolg Trumps

Jetzt möchte ich noch kurz auf die Berichterstattung der ARD eingehen. Jörg Schönenborn hat mich begeistert. Beeindruckend, mit welcher sprachlicher Eloquenz er gesellschaftliche Themen der USA erörtert und wie fundiert seine Meinungen wirken, weil er sie in der Regel auf Zahlen stützt. Schönenborn war der wichtigste Mann des Abends, Matthias Opdenhövel fand ich einen sympathischen Kommentator und Sandra Maischberger mag ich eh.

Susan Link dagegen fiel für mich deutlich ab. Sie schien kaum Sachkenntnis zu besitzen und bezog sich immer wieder auf Oberflächlichkeiten, was auch bei den anderen Moderatoren für Irritationen zu sorgen schien.

Auffällig war noch, wie lange die Moderatoren und Gäste keine Ahnung zu haben schienen, was sich in dieser Wahlnacht zusammenbraute. Ich habe parallel eine Internet-Wettbörse verfolgt, auf der Menschen sich gegenseitig Wetten auf den Ausgang der Wahl anboten. Hier zeichnete sich schon relativ früh ab, dass Trump viel besser abschneiden würde als erwartet.

Nachts gegen halb vier bezifferte die Wettbörse die Wahrscheinlichkeit für Trumps Wahlsieg auf fast 90 Prozent, während man in der ARD davon sprach, dass Trump mittlerweile über „50 Prozent“ Siegchancen haben könnte. Hier sollte es sich auch ein ARD-Verantwortlicher zur Gewohnheit machen, eine Wettbörse zu verfolgen, die Wahrscheinlichkeiten in der Regel sehr viel akkurater abbilden kann als das Bauchgefühl der Moderatoren und Gäste.

Auch in Deutschland abnehmendes Vertrauen in Politik

Noch einmal zurück zum Thema Soziale Ungerechtigkeit. In Deutschland äußert sich die Wut der benachteiligten Menschen beispielsweise im Erfolg rechter Parteien wie der AfD. Wir sollten aufhören, deren Wähler als Dumpfbacken zu verspotten. Wir sollten die Probleme dieser Menschen ernstnehmen. Sonst hat einer wie Trump in nicht allzu ferner Zukunft auch bei uns Erfolg.
photo credit: televisione Trump Presidente America: i Simpson lo avevano già previsto 16 anni fa: ecco video punta via photopin (license)

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Autor: Alltagsoekonom

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