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TV-Kritik: RTL inszeniert Bohlen als Sympathikus

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Mensch, ich muss es noch loswerden. Es ist jetzt schon Dienstag und damit drei Tage her, dass das Supertalent bei RTL lief. Aber ich möchte noch meine Meinung zur RTL-Unterhaltungsshow am Samstagabend an den Leser bringen. Primetime, 20.15 Uhr, eine ganz großes Ding mal wieder vom Kölner Trash-Sender, der mit Sendungen wie „Mitten im Leben“ das Niveau der deutschen Fernsehlandschaft seit Jahren immer weiter in den Keller zieht.

Die Show läuft schon seit einigen Jahren. In der letzten Staffel saßen neben Dieter Bohlen noch Thomas Gottschalk und die schöne Michelle Hunziker in der Jury. Weiß der Teufel, was Gottschalk da geritten hat. Sicher ist, dass er dadurch viel Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Mittlerweile sitzen in der vierköpfigen Jury neben Dieter Bohlen das erste Topmodel Lena Gercke, Bruce Darnell und noch so ein Typ, der nicht der Rede wert ist. Daher spare ich mir jetzt die Mühe, ihn zu googeln. Versteht mich nicht falsch, auch Lena Gercke und Bruce Darnell sind kaum der Rede wert: Lena Gercke hat offensichtlich wenig Ahnung von Musik, Akrobatik und Tanz, ihre Aufgabe besteht viel mehr darin, gut auszusehen. Bruce Darnell soll die Emotionalität in die Sendung bringen und auch gerne mal zu heulen anfangen, wenn er von einem Auftritt total berührt ist. Letztlich bleibt er aber im Schatten von Dieter Bohlen.

Und Dieter Bohlen ist schon der Rede wert, aber keinesfalls im positiven Sinne. Ich finde es schlimm, dass sich ein Dieter Bohlen von RTL als die Lichtgestalt der Musikindustrie und sogar als sympathischen Menschen in Szene setzen lassen darf, wo er doch beim Supertalent und natürlich auch bei „Deutschland sucht den Superstar“ dafür zuständig ist, die vorgeführten Deppen, die nicht singen, tanzen oder irgendwas können, mit seinen unverschämten Kommentaren zusätzlich bloßzustellen.

Was vermittelt ein Dieter Bohlen der Jugend, die zum größten Teil das „Supertalent“ im Fernsehen anschaut, an Werten? Wenn es im Fernsehen salonfähig ist, Menschen der Lächerlichkeit preiszugeben und mit Sprüchen niederzumachen, dann nehmen sich etliche Jugendliche Bohlen zum Vorbild und behandeln Menschen in ihrer Umgebung genauso. Dann ist der Weg nicht mehr weit zu Mobbing und anderen üblen Geschichten.

In der Show trat Dieter Bohlens erster Produzent auf, den Bohlen 30 Jahre lang nicht gesehen hatte. Und es war ja ach so emotional, so dass RTL diese Begegnung mit dem Musikstück „Geboren um die Leben“ von Unheilig hinterlegen musste. Und Bohlen durfte sich im Anschluss noch einmal als netten Menschen präsentieren, als er diesem Produzenten nach dessen Auftritt seine Hilfe anbot, falls dieser irgendetwas brauche.

Wie süüüüüß, ein kleines Kind

Zusätzlich, und diese Story stieß mir ebenso bitter auf, durfte sich Bohlen als Kinderfreund präsentieren, als er mit einer 11-Jährigen, die vor der Jury einen Zaubertrick vorführen durfte, einige Worte wechselte und ihr über den Kopf strich. Himmel, wie widerlich. Und überhaupt dieser Kinderauftritt: „Ach wie süß“ werden da viele Zuschauer gedacht haben. Und ich hätte kotzen können, weil RTL stumpf auf den Niedlichkeitseffekt setzt. Und was sind das bitte für Eltern, die das 11-jährige Kind an so einer Dreckssendung teilnehmen lassen?

Sonst in der Sendung: Einige Auftritte in denen sich die Kandidaten blamierten. Ein Typ meinte, er könne singen, konnte es aber kein Stück. Der nette Herr Bohlen war so nett, ihm zu sagen, dass er sich solch eine Blamage beim Auftritt doch besser erspart hätte. Schon klar, das wäre dem Menschenfreund Bohlen am liebsten.

Dann gab es da zwei Artisten aus Osteuropa (Ukraine?), die eine wahrhaft beeindruckende Zirkusnummer aufführten. Das sah mir stark danach aus, als wären diese beiden von RTL für eine nette Gage verpflichtet worden. Ebenso schien es mir bei einer Art „Außenwette“, als zwei Motorradfahrer über eine Rampe fuhren und etliche Meter über emporschießende Feuerbälle sprangen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die noch einmal auftreten.

Um es zusammenzufassen. Für mich war das „Supertalent“ eklig anzusehen. Alles dreht sich um den großen Musikproduzenten, der sogar den Gutmenschen spielen darf. Den Poptitanen garniert man dann noch mit einigen Zirkusnummern und einem süüüüüßen Baby und fertig ist die stumpfe Samstagabend-Unterhaltung made by RTL.

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Autor: Alltagsoekonom

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Ein Kommentar

  1. Nichts hinzuzufügen, tolle Seite!

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