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Über die Preise an Deutschlands Bahnhöfen

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An zwei der letzten Tage war ich mit dem Zug unterwegs und habe eine Menge für mich neuer Bahnhöfe kennengelernt. Als ich im Bahnhof Stuttgart die Toilette aufsuchte, hatte ich das Schlüsselerlebnis, das diesen Artikel auslöst (keine Angst, der Artikel behandelt wie gewohnt ein seriöses Thema;)).

Als ich vor dem Drehkreuz der Toilette stand, las ich: ,,1 Euro“. Und zwar, egal ob der Kunde nun groß oder klein muss. Zuerst drehte ich mich wieder um und wollte weggehen, bemerkte jedoch, dass mein Anschlusszug nicht mehr lange auf sich warten lassen würde und warf den Euro in den Automaten.

Darauf kam dann der ,,Bon“, in Form eines sogenannten ,,Vouchers“, Wert 50 Cent, aus der Maschine: Ich dachte: ,,Na gut, 1 Euro ist verdammt teuer, aber immerhin bekommt man 50 Cent in Form eines Verzehrgutscheins wieder zurück“. Da ich mir sowieso noch ein Getränk kaufen wollte, begab ich mich zu einem nahegelegenen Kiosk und bestellte eine Flasche Wasser. Die sollte 1,60 Euro kosten, aber mein Plan war, den 50-Cent-Voucher darauf anrechnen zu lassen und 1,10 zu bezahlen. Pustekuchen! Der Kioskverkäufer klärte mich darüber auf, dass der Voucher erst bei einem Kaufbetrag ab 2,50 Euro eingesetzt werden kann.

Dieses Erlebnis in Stuttgart hakte ich damit ab, dass dies vermutlich eine Ausnahme sei. Ich wusste noch, das im Kölner Hbf der Toilettengang ebenfalls etwa 1 Euro kostet, aber Köln hielt ich aufgrund der sich dort tummelnden Menschenmassen bisher für eine Ausnahme.

Einige Tage später hatte ich auf dem Bahnhof in Koblenz ein Deja-Vu. Gleiches Drehkreuzsystem, wieder 1 Euro und wieder ein ,,Gutschein“ (der hier wohl eher ein Schlechtschein ist) über 50 Cent, der bei einem Mindestkaufpreis von 2,50 gilt. Die Bahnhofpreise im Kiosk in Koblenz waren zwar erträglicher als in Stuttgart, jedoch immer noch gesalzen. Auch dort habe ich etwas zu trinken gekauft, ich hätte jedoch mindestens 2 Flaschen Wasser a 0,7L kaufen müssen, um den Gutschein anrechnen lassen zu können. Und dann kostet die zweite Flasche Wasser, abzüglich des Gutscheins, immer noch fast einen Euro.

Vor mir an der Kasse schien das Prinzip jedoch zu wirken: Eine Frau wollte eine Flasche Bier kaufen und den Voucher anrechnen lassen. Darauf klärte sie der Bedienstete des Kiosks darüber auf, dass der Gutschein erst ab einem Kaufpreis von 2,50 Euro angerechnet werden könne. Darauf wiederum wies die Frau ihren Begleiter an, eine zusätzliche Flasche Bier zu besorgen.

Die absolute Krönung jedoch war das Erlebnis auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt. Dort sollte eine 1-Liter-Flasche Wasser 3,60(!) Euro kosten.

Warum sind Bahnhofsläden dermaßen teuer? Die Antwort lautet, wie so oft: Angebot und Nachfrage: Auf vielen Bahnhöfen gibt es etwa nur eine Toilette (geringes Angebot), dafür jedoch viele Menschen, die wenig Zeit haben sich eine günstige Toilette zu suchen (hohe Nachfrage). Folglich kann der Toilettenbetreiber einen hohen Preis für seine Dienstleistung verlangen.

Der Voucher dürfte aufgrund seines hohen Mindestbestellwerts für viele Konsumenten nur einen geringen Wert haben. Der Wert des Vouchers für den Toilettenbetreiber und die umliegenden Geschäfte bleibt offen. Hier ist im Kern die Fragestellung, ob der Toilettenbetreiber Geld an die Geschäfte dafür zahlt, dass er einen Voucher ausstellen darf, oder ob das Geld in die andere Richtung fließt. In letzterem Fall bekäme also der Toilettenbetreiber zusätzliches Geld von den Geschäften. Dieses könnte er verlangen, wenn Bahnhofsshops durch den Bon zusätzliche Gewinne realisierten.

Interessant wird es bei der Preisgestaltung der Bahnhofsläden. Vor allem vom Frankfurter Bahnhof weiß ich, dass es in unmittelbarer Nähe der Gleise viele Läden Getränke anbieten. Einer großen Anzahl von Nachfragern stehen also auch mehrere Anbieter gegenüber. Wie kann ein Geschäft in einer Konkurrenzsituation derart hohe Preise anbieten? Ich vermute, dass sich die Geschäfte in Wahrheit kaum Konkurrenz machen, sondern sich eher stillschweigend auf hohe Preise geeinigt haben (engl. tacit collusion). So kalkulieren die Kioskbesitzer vermutlich, dass das Geschäft bei einer Preissenkung für kurze Zeit zusätzliche Gewinne abwerfen würde, aber schon bald darauf die Konkurrenten nachziehen würden und dass sich daher eine Preissenkung nicht lohnt. So entsteht eine stillschweigende Übereinkunft über hohe Preise.

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Autor: Alltagsoekonom

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