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Die Autogrammkarte für über 10 Euro – Kleines Update zu meiner Ausmisten-Aktion

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Wie ich in meinem drittletzten Beitrag beschrieben habe, bin ich gerade dabei, mich von vielen Gegenständen zu trennen. In meinem letzten Beitrag habe ich meine Lieblingsbücher und -filme verschenken wollen, wobei jedoch leider nur wenige Leute Dinge haben wollten.

In diesem Beitrag soll es darum gehen, welche Dinge ich bisher weggegeben habe und wie ich mich damit fühle. Und was ich an Geld eingenommen habe.

Zwei Artikel habe ich an meine Leser verschicken dürfen. Das waren zwei Bücher von Dashiell Hammett und der Film Lola rennt. Den Rest meiner Lieblingsartikel – darunter Perlen des Sportjournalismus wie die Biographien von Robert Enke und Sebastian Deisler und weitere tolle Bücher wie Die Säulen der Erde – habe ich zu einem Sozialkaufhaus in der Nähe gebracht. Das war meine zweite Lieferung für den Gebrauchtwarenladen, denn vorher hatte ich schon einmal ein pralles Paket mit alten Büchern dorthin gebracht.

Nach Aussage eines Mitarbeiters dort werden fast alle dorthin gebrachten Artikel weiterverkauft – eine schöne Sache, vor allem weil ich wie eben beschrieben auch etliche Perlen dorthin geschleppt habe.

Online verkaufen zum richtigen Preis

Wenn ein Artikel noch ein paar Euro zu erwirtschaften versprach, so habe ich diesen nicht zum Sozialkaufhaus gebracht, sondern bei ebay eingestellt. Wie findet man dort den richtigen Preis? Ebay stellt eine sehr nützliche Suchfunktion bereit, mit der man auch nach verkauften Artikeln suchen kann. So wusste ich, zu welchem Preis der Artikel in den letzten vier Wochen verkauft wurde. Ich stellte meine Waren zum Festpreis ein und orientierte mich am höchsten erzielten Preis innerhalb des letzten Monats. Eine Idee, auf die ich nicht selber gekommen bin, sondern durch einen wie für mich gemachten Beitrag bei frugalisten.de.

So kam ich darauf, dass mein Jürgen-Klinsmann-Autogramm aus den 90gern noch über 10 Euro wert sein könnte. Bislang hat sicher allerdings kein Käufer gefunden, weshalb ich mittlerweile auf unter 10 Euro gegangen bin. Ich biete Interessenten auch immer die Option, mir einen Preis vorzuschlagen. Allerdings mache ich die Erfahrung, dass viele Preisvorschläge unverschämt niedrig sind.

Insgesamt habe ich mittlerweile schon 22 Artikel verkauft. Bücher von Don Winslow, alte Fachbücher aus meinem Wirtschaftsstudium, ein altes Notebook von meinem Vater, ein Panini Sammelalbum von 1994, dass bei 80 Prozent Füllung immerhin 35 Euro einbrachte, Autogramme aus den 90ern von Fußballern, ein Brettspiel.Knapp 249 Euro habe ich dadurch erlöst. Bislang haben 21 Käufer bezahlt und es gab keine Beschwerde, dass ein Artikel nicht den Käufer erreichte.

Über 40 Gegenstände biete ich noch zum Kauf an. Da gibt es etwa zwei Plastikmodellbausätze von Revell mit allerlei Zubehör und jede Menge weiterer Bücher, Brettspiele, Autogramme und DVDs.

Es fühlt sich gut an, alten Kram loszuwerden. Ich brauche kein Bücherregal, durch das ich Besuchern zeige, wie belesen ich bin. Dasselbe gilt für alle anderen Dinge, die ich besitze. Es soll darum gehen, ob ich noch ausreichend Verwendung für einen Gegenstand habe – wenn nicht, kann er weg. Ich halte, ähnlich wie Michael von Minimalismus leben auch nicht viel davon, mich mit Hilfe von Gegenständen an positive Erlebnisse erinnern zu wollen.

Loslassen der Vergangenheit – Raum für Neues (Immaterielles)

Im Zuge meiner Ausmist-Aktion habe ich auch viele alte Bücher weggeworfen. Ebenso bin ich mit alten Tagebuchaufzeichnungen von mir verfahren – es war Zeit, mich von auch von diesen persönlichen Zeitdokumenten zu trennen, zumal mit den Aufzeichnungen meist keine angenehmen Erinnerungen verbunden waren. Das hatte auch eine gewisse Symbolik für mich, denn ich versuche, den Blick auf Gegenwart und Zukunft zu richten. Was will ich noch mit Dingen, die mich größtenteils an negative Dinge erinnern?

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Im Zuge dessen habe ich mich noch von etwas anderem getrennt – von meiner Haarpracht (oder dem, was von einer ehemaligen Haarpracht noch übrig war). Beim Friseur habe ich mir die Haare auf 3mm stutzen lassen, was ich mich bisher nicht getraut hatte. Doch ich mochte die Frisur auf Anhieb. Eine ehrliche Frisur, das Gegenteil vom einige Zeit praktizierten Verstecken der Geheimratsecken. Was war ich nur für ein unehrlicher Schuft?

Jetzt habe ich mir eine Haarschneidemaschine zugelegt – und kann mir in Zukunft in Eigenregie den angenehmen Kurzhaarschnitt verpassen.

photo credit: Notquiteahuman1 Home via photopin (license)

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Autor: Alltagsoekonom

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Ein Kommentar

  1. Danke für den Beitrag. Ein für mich neuer Aspekt des Minimalismus war dieser:

    „Ebenso bin ich mit alten Tagebuchaufzeichnungen von mir verfahren – es war Zeit, mich von auch von diesen persönlichen Zeitdokumenten zu trennen“

    Ich schreibe seit 20 Jahren Tagebuch. Seit ich Minimalismus entdeckt habe, schreibe ich nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch Zusammenfassungen alle paar Wochen. Das war kein bewusster Schritt, sondern hat sich so ergeben. Nun bin ich auch am überlegen ob ich die Tagebücher loslassen soll und gar nicht mehr schreiben soll.

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