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Günther Wallraff- Undercover in einer Brötchenfabrik

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Aufbackbrötchen sind in Supermärkten oft unglaublich günstig. Grund genug für Günther Wallraff, als Arbeiter in einer Brötchenfabrik anzuheuern und die Produktionsbedingungen unter die Lupe zu nehmen.

Günther Wallraff ist in Deutschland eine Ikone unter den Enthüllungsjournalisten. In den 70ger Jahren arbeitete er unter dem Decknamen Hans Esser drei Monate bei der Bild-Zeitung und berichtete von deren Arbeitsweise. Danach prangerte er die Verhältnisse in anderen Unternehmen, etwa bei Mc Donald’s oder in Call Centern, an. Doch es gibt auch kritische Stimmen: Im Jahre 2012 berichtete die FAZ von Vorwürfen eines ehemaligen Mitarbeiters von Wallraff, der dem Journalisten unter anderem Sozialhilfebetrug vorwarf.

Die Großbäckerei befindet sich in der kleinen Stadt Stromberg in Rheinland Pfalz, das Unternehmen heißt Weinzheimer. Bei seiner Arbeit in der Brötchenfabrik lernt Wallraff verschiedene Tätigkeiten in der Produktion kennen, er arbeitet bei großer Hitze, verbrennt sich die Arme an heißen Blechen, unterhält sich während der Mittagspause mit seinen Kollegen und beobachtet gefährliche, weil nicht gesicherte Maschinen. Letztere sollen so schneller, möglichst ohne Stillstand der Maschinen, repariert werden können. Ein Mitarbeiter, der im Betriebsrat der Firma ist, wird seit Beginn seiner Tätigkeit grundlos abgemahnt und wegen Lappalien ins Büro zitiert. Auch beobachtet Wallraff Schimmel in der Produktionshalle und den Nebenräumen.

Unfassbar finde ich vor allem die Arbeitsbedingungen in der Firma. Die Mitarbeiter in der Produktion werden nicht darüber aufgeklärt, dass Kameras in den Hallen hängen und wie sie Verbrennungen vermeiden können. Zudem wird oftmals bei Krankheit der Lohn nicht fortgezahlt, ebensowenig im Fall von Stillstandszeiten der Maschinen. Da fragt man sich schon, wie so etwas möglich ist. Scheinbar herrscht jedoch ein Klima der Angst im Betrieb, so dass Menschen bei Konflikten oftmals klein beigeben.

Die Firma Weinzheimer stellte im Jahr 2010 ihre Produktion ein und kündigte den verbleibenden 23 Angestellten. Eine Gewerkschaft berichtet davon, dass vor der Schließung des Betriebes „vier Betriebsratsvorsitzende aus der Firma Gebr. Weinzheimer gemobbt oder fristlos gekündigt wurden“. Zudem sei ein Tarifvertrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von der Firma „mit Füßen getreten“ worden.

Die Firma Weinzheimer hat den Discounter Lidl beliefert. Da jedoch so gut wie jede Supermarktkette billige Aufbackbrötchen im Sortiment hat, wäre es interessant zu wissen, wie die Produktionsbedingungen in anderen Zulieferbetrieben aussehen. Ich vermute, dass es angesichts des hohen Preisdrucks durch den Lebensmitteleinzelhandel in anderen Betrieben nicht großartig anders aussieht.

Günther Wallraff wird wohl nun mit der RTL-Sendung „Team Wallraff“ in Serie gehen. Wallraff begründet die Zusammenarbeit mit dem Kölner Sender mit seinem Ziel, viele Menschen jüngeren Alters erreichen zu wollen. Obwohl der Pilotfilm zu „Team Wallraff“ gute Kritiken bekam, kann ich diesen Schritt nicht verstehen. Einerseits die Methoden von Bild aufdecken, und andererseits mit einem Sender zusammenzuarbeiten, der bei Dreharbeiten zu Sendungen ähnlich vorgeht, passt nicht zusammen. Vielleicht nimmt auch die Sendung selbst qualitativ deutlich ab und gleicht sich dem sonstigen RTL-Programm an.

Hier die Doku zur Brötchenfirma Weinzheimer:

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Autor: Alltagsoekonom

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Ein Kommentar

  1. Wallraff ist unter anderem auch dadurch bekannt, dass er mit dem Buch „Ganz unten“ die Verhältnisse bei dem großen duisburger Stahlkocher, respektive den Subunternehmern aufdeckte. Das Buch gehört zu meinen Top 10.

    LG
    Faruk

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