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Warum man 500€ bei Abschluss eines Flatrate- oder Handyvertrages bekommt

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Heute morgen schaute ich den Werbeprospekt von Saturn durch. Auf der letzten Seite las ich von einem Angebot für eine Internet-Flatrate für ein Notebook: Der Kunde zahlt pro Monat knapp 35€ bei 24-monatiger Laufzeit. Dazu bekommt er jedoch einen 500€-Gutschein für seinen Saturn-Einkauf. Wieso gibt es diese spezielle Art von Verträgen?

Man sieht ähnliche Angebote auch öfter mal im Fernsehen. So bekommt man etwa bei Abschluß von zwei Handyverträgen noch einen Fernseher, ein Notebook, eine Playstation oder ein sonstiges hochwertiges Produkt dazu. In Der Folge konzentriere ich mich jedoch auf das anfangs erwähnte Angebot von Saturn und erkläre die Vorteile des Angebots für den Händler.

Der Kunde zahlt fast 35€ monatlich, bekommt jedoch im Gegenzug einen Einkaufsgutschein im Wert von 500€ in die Hand gedrückt. Warum wird nicht stattdessen einfach ein Vertrag angeboten, bei dem der monatliche Geldbetrag geringer ist, die Rückerstattung, in Form des Gutscheins, aber entfällt?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

1) Der Kunde sieht den großen Geldbetrag, den er sofort bei Abschluß des Vertrages erhält. Er bekommt einen Einkaufsgutschein von 500€, sieht jedoch im ersten Augenblick nur einen monatlichen Preis von 35€. Einem großen Gewinn für den Kunden wird also ein zunächst klein erscheinender Verlust gegenübergestellt. Manch ein Kunde macht sich womöglich nicht einmal die Mühe, auszurechnen wieviel Geld er in den zwei Jahren berappen muss. Dies sind:

24*35€= 840 Euro.

Bild: Wer Interesse an hier diskutierten Angeboten hat, sollte sich die Zahlungsflüsse auf einem Papier aufschreiben

2)Der Kunde hat dabei  den Vorteil, dass er den 500 Euro Gutschein direkt erhält, während er seinen Vertragspreis erst Monat für Monat bezahlt. Dies ist der zweite Grund, warum manche Kunden zuschlagen. Effektiv bekommt der Kunde also neben der Flatrate/ dem Handyvertrag auch eine Art Kredit vom Unternehmen, den er dann Monat für Monat abstottert. Ich vermute, diese Kreditfunktion nimmt manch ein Kunde wahr, der etwa bereits Schulden hat und denkt: ,,Den Einkaufsgutschein hätte ich gerne. Mal wieder schön shoppen gehen. Und den Monatsbeitrag bekomme ich dann schon zusammen, wenn es soweit ist.“ Hier werden also Leute angesprochen, die sich nicht viele Gedanken über die Kosten des Kredites machen. Manch ein Kunde wird es auch  ablehnen, von einer Bank einen Kredit in Anspruch zu nehmen und freut sich über diese, nicht einmal bewußt wahrgenommene, Form des Kredits.

3) Durch den Einkaufsgutschein ist der Kunde jedoch gezwungen, bei Saturn einzukaufen. Womöglich muss er warten, bis er ein passendes Produkt findet bzw. er kauft mehrere kleinere Artikel in zeitlichen Abständen. Dadurch verschwindet dann in manchen Fällen der Vorteil des Kredites wieder. Außerdem stellt sich Saturn durch den Einkaufsgutschein besser, als wenn sie dem Kunden 500€ in bar bezahlen, denn wenn der Kunde bei Saturn Waren im Wert von 500€ kauft, dann kostet dieser 500€ Gutschein für Kunden Saturn weniger Geld, denn sie verdienen durch ihre Artikel einen Gewinn ( bzw. zunächst einmal Deckungsbeitrag, wie der Ökonom sagt). Nur wenn der Kunde sowieso vorhatte, bei Saturn Waren im Wert von 500€ zu kaufen ist es egal, ob das Geschäft ihm den 500€-Gutschein gibt oder 500€ in bar.

Um die Vorteile dieser Verträge für Saturn & Co noch einmal zusammenzufassen:Der nicht groß nachdenkende Kunde sieht einen Gewinn von 500€ und nur einen Verlust von 35€ und denkt sich, er mache ein gutes Geschäft. Zudem ist er sich nicht darüber bewußt, dass ihm der Händler zusätzlich einen Kredit verkauft, der Kosten verursacht. Und der dritte Vorteil für den Händler liegt, für den Fall dass er einen Warengutschein rausgibt, darin, dass der Kunde nicht zwingend direkt den Gutschein einlöst, im übertragen Sinne also seinen Kreditbetrag nicht sofort in Anspruch nimmt und dass Saturn effektiv weniger als 500€ für den Gutschein bezahlt.

Schreibt bitte eure Meinung und eure Erfahrungen in die Kommentare:) Wer hat solch ein Angebot schonmal in Anspruch genommen?

 

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Autor: Alltagsoekonom

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