Wirtschaft einfach leben

Warum Preisdiskriminierung gesamtwirtschaftlich gut sein kann

| Keine Kommentare

Unternehmen verlangen von unterschiedlichen Konsumenten unterschiedliche Preise für ein Gut. So wird etwa in Schwimmbädern oft zwischen Normalzahlern und Schülern/Studenten unterschieden. Klar ist, dass diese ,,Preisdiskriminierung (PD)“ von Unternehmern nur eingeführt wird, wenn sie den Gewinn des Unternehmens vergrößert. Aber profitieren auch die Konsumenten?

Zuerst einmal unterscheidet man drei Arten von Preisdiskriminierung (Synonym= Preisdifferenzierung):

1) Preisdiskriminierung ersten Grades (personalisierte Preise): Jeder Konsument zahlt entsprechend seiner Zahlungsbereitschaft einen anderen Preis. Amazon hat tatsächlich einmal  für eine kurze Zeit versucht, jedem einzelnen Kunden einen eigenständigen Preis zu machen. Dieser Preis wurde durch die vorher getätigten Käufe eines Kunden ermittelt. Kurz nach Bekanntwerden dieser Preispolitik verabschiedete sich Amazon aufgrund des öffentlichen Aufschreis von seinem Modell.

2) Preisdiskriminierung zweiten Grades: Der Kunde bekommt zwei oder mehrere Optionen zur Auswahl und gibt im eigenen Interesse seinen ,,Konsumententyp“ preis. Beispiel: Eine Diskothek bietet zwei Pakete an: Beim ersten Paket zahlen Konsumenten für Eintritt+ 1 Getränk 6 Euro, das zweite Paket bietet Eintritt+ 10 Getränke für 13 Euro. So wählen Konsumenten, die eine hohe Nachfrage nach Getränken haben Paket 2, während z.B. Fahrer zu Paket 1 greifen. Gang und gebe ist PD zweiten Grades bei Handyverträgen: Der Kunde wählt bei einem Anbieter etwa zwischen einem Telefon-Tarif mit 100 Inklusivminuten oder einer Flatrate.

3) Preisdiskriminierung dritten Grades: Das Unternehmen kann die Gruppen nach klar definierten Kriterien identifizieren, etwa nach dem Alter oder nach dem Bildungsstand. Dies ist ein Unterschied zur PD zweiten Grades, bei der sich die Kunden selbst einer Gruppe zuordneten. Zur PD dritten Grades gehört etwa die anfangs erwähnte Unterscheidung von Schwimmbädern zwischen ,,Normalos“ und ,,Schülern/Auszubildenden/Studenten oder auch die Unterscheidung zwischen Erwachsenen und Kindern in Freizeitparks. Zur Preisdiskriminierung dritten Grades gehören natürlich auch örtliche Preisunterschiede, etwa in unterschiedlichen Staaten. So sind etwa Medikamente in Deutschland sehr teuer, während diese in den meisten anderen EU-Ländern deutlich preiswerter angeboten werden.

Im Folgenden möchte ich mich näher mit der letzten Form von Preisdiskrimnierung befassen. Das wesentliche Problem, das der Unternehmer dabei hat ist, dass er Arbitrage verhindern muss. Arbitrage heißt am Beispiel mit Medikamenten erklärt: Ein Kunde, der in den Niederlanden wenig Geld für das Medikament bezahlen muss, verkauft dieses an deutsche Kunden. Damit würden die Deutschen nicht mehr den hohen Preis bezahlen, sondern die Medikamente günstig importieren.

Sehen wir uns die Gewinner und Verlierer von Preisdiskriminierung an: In jedem Fall profitiert das Unternehmen, wenn es die richtigen Preise wählt. Auch profitieren die Niederlande, denn seine Bürger zahlen weniger Geld für Medikamente, als wenn das Unternehmen in Deutschland und den Niederlanden einen einheitlichen Preis setzen würde. Die deutschen Konsumenten dagegen zahlen durch Preisdifferenzierung in den meisten Fällen mehr, aber nie weniger als ohne Preisdifferenzierung.

Es gibt jedoch einen Spezialfall, in dem Preisdiskriminierung die gesellschaftliche Wohlfahrt in jedem Fall steigert. So ist etwa die Situation vorstellbar, dass der andere Markt, also in diesem (dann unrealistischen) Beispiel der niederländische, so klein ist, dass er ohne Preisdiskriminierung gar nicht bedient wird.  Dies hat zur Folge, dass deutsche Konsumenten bei Preisdiskriminierung das Gleiche zahlen zahlen wie ohne. Deutsche Konsumenten könnten sich also bei Preisdiskriminierung nicht beschweren. Das Unternehmen wiederum könnte sogar zusätzliche Gewinne verbuchen, genau wie die Niederländer.

Fazit: Preisdiskriminierung ist in jedem Fall gut für Unternehmen. Es gibt jedoch auch den Fall, dass auch die Kunden profitieren, nämlich dann, wenn ein kleiner Markt nur aufgrund unterschiedlicher Preise bedient wird.

 

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.