Wie der Zeitarbeitschef seine Sklaven schikaniert

Der betont freundliche Zweigstellenleiter der Zeitarbeitsfirma Insolvea, Meier*, sagt am Telefon: „Heute habe ich eine kleine Aufgabe für Sie. Ist nur kurz, in Wesel, ich nehme Sie mit.“ Leider ist jedoch bereits die Autofahrt nicht kurz, da man bis Wesel eine halbe Stunde unterwegs ist.

Eine typische Masche der Zeitarbeitsfirma ist, anstehende Arbeiten kleinzureden. Die „kleine“ Aufgabe bestand in diesem Fall darin, in bester Bauarbeitermanier eine komplette Seitenwand mit dem Hammer einzuschlagen. Eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit, bei der man hinterher komplett mit Staub bedeckt ist.

„Ich bin ja auch in der Linkspartei“, sagte er einmal zu mir, als er mich zu einem Einsatz mitnahm. Ich entgegnete: „Das überrascht mich. Die Linke möchte Zeitarbeit ja abschaffen.“

Er: „Das stimmt so nicht. Die Linke fordert nur besseren Lohn für Zeitarbeiter als für Festangestellte. Was ich sehr unterstütze, weil Zeitarbeiter viel flexibler sein müssen und dafür entschädigt werden sollen.

„Wir bei Insolvea, wir geben jeden Euro, den wir bei Verhandlungen mit unseren Kunden herausschlagen können, an die Leiharbeiter weiter. Sie zum Beispiel bekommen für die Arbeit, die Sie jetzt verrichten, einen Zuschlag ausgezahlt.“

Er sagt das in seiner typischen schleimerischen Art. Der Typ Mensch, der dir ins Gesicht lächelt, während er dir ein Messer in den Rücken rammt. Hinterher bekomme ich naürlich nur den üblichen Standardlohn für die körperlich anstrengende Arbeit.

Mehrere Male schickt der Chef einen Mitarbeiter und mich zu einem großen Stahlhandelsunternehmen in Mülheim. Fahrtzeit etwa 45 Minuten. Bezahlung der Fahrt als Arbeitszeit für mich? Stimmt der Big Boss erst auf Nachfrage widerwillig zu. Bezahlung der Benzinkosten für meinen Kollegen? Ebenso erst auf Nachfrage. Wer sich nicht selber dahinterklemmt, dem wird die Fahrt nicht bezahlt. Ein paar Tage arbeiten wir sogar in der Frühschicht, die um 6 Uhr morgens beginnt. Das heißt für meinen Kollegen und mich Aufstehen um 4.30 Uhr und Treffen um kurz nach 5. Dann verspricht der Chef, dass der morgige Arbeitstag der letzte in Mülheim sei.

Am nächsten Tag kommt wieder der Anruf von Meier: „Sie müssen morgen noch einmal dort hin.“ Ich werde sauer, weil er sich nicht an sein Versprechen gehalten hat und sage, ich werde am nächsten Tag nicht nach Mülheim fahren. Er: „Dann kriegen Sie eine Abmahnung und erst wieder Geld, wenn wir wieder Arbeit für Sie haben.“

Letztlich fahre ich dann doch noch für einen Tag nach Mülheim, da ich Bedenken habe, dass ich mich privat krankenversichern muss, wenn ich die Brocken hinschmeiße bzw. mir wegen Fehlverhalten gekündigt wird. Mein Kollege, schon um die 50 Jahre alt, befolgt ohne Widerworte die Anweisungen des Chefs. Dieses strikte Befolgen von Meiers Befehlen habe ich auch bei allen anderen Mitarbeitern beobachtet.

Gerade bei den älteren Leuten, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine andere Option zu haben scheinen, als der Zeitarbeit nachzugehen, war dies sehr verbreitet. Irgendwo verständlich aus Sicht der älteren Zeitarbeiter und deshalb umso widerlicher, wenn ein Arbeitgeber wie Insolvea das ausnutzt. Ich spreche bewusst nicht nur von Firmenchef Meier, denn seine Mitarbeiter waren nicht viel besser,

Einige Tage später folgt noch ein Horroreinsatz auf der Autobahn für einen anderen Mitarbeiter, über 60 Jahre alt, und mich, dann reicht es mir und ich löse den Vertrag bei Insolvea auf.

*Name des Chefs und der Zeitarbeitsfirma wurden geändert, Zitate sind aus dem Gedächtnis formuliert.

photo credit: Yug_and_her via photopin cc

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