Wirtschaft einfach leben

Crowdfunding-Desaster von Wir sind Veg: Meine Meinung zur Reaktion der Community

| 2 Kommentare

Wir sind Veg sind zwei vegane Reiseblogger bei Youtube. Auf dem Videoportal berichtete das Paar über seine Erlebnisse auf einer Weltreise.

Mit der Zeit merkten die beiden, dass sie unzufrieden waren mit dem, was finanziell über Youtube zurückkam. Deshalb machten sie Ihrer Community ein Angebot: Die Community lässt 8000 Euro springen, dafür gibt es auch im Jahr 2017 Videos von wir sind Veg.

Die Reaktionen der Community sind erschreckend.

Hier mal ein Auszug der am meisten geliketen Kommentare vom letzten Video vom 9.3.2017. Die Crowdfunding-Schwelle von 8.000 Euro wurde nicht erreicht, der Kanal wird nicht weiter bespielt.

„Alles nur ums Geld“

„Hart.. nichtzahlende youtuber für das Aus verantwortlich zu machen, wobei der Fehler meiner Beobachtung nach in zu teurem Leben (Wohnung, Campingplätze..) liegt und nicht im geringsten an youtube. Euch trotzdem eine schöne Zeit und Danke für den, bis auf die letzten Videos, äußerst guten und informativen Kontent.“

„Insgesamt gesehen ein trauriger Abgang von Euch. Ihr habt euern Kanal selbst zerschossen , das zeigen die vielen Daumen nach unten. Das gibts bei anderen Reiseblogs nicht. Ich glaube ihr seid bei vielen in letzter Zeit so unehrlich rübergekommen. Alles nur um Geld …..“

„Ich habe lange überlegt was zu schreiben. Ich finde es gut, dass ihr aufhört und das trotz der Tatsache, dass ich eure Videos gerne gesehen habe. Primär dreht ihr die Videos für euch als Erinnerung und teilt sie mit uns. Nichts mehr oder weniger. Es ist euch, wenn es euch wirklich so sehr am Herzen liegt, auch weiterhin möglich, Clips online zu stellen, wenn vielleicht auch weniger. Es ist sicher nicht die Aufgabe eurer follower euch dafür zu bezahlen. Unterstützung zu sammeln, z.b. für gestohlene Ausrüstung gerne, auch so für Kleinigkeiten aber euch derart zu finanzieren, nein. Irgendwann ist hier in meinen Augen der Sinn abhanden gekommen, bzw die Verhältnismäßigkeit . Selbst mit den 16000 eus, was wenn die alle gewesen wären? Das gleiche Spiel nochmal? Es ging so lange ohne diese Forderung eurerseits und geht bei sehr vielen YouTubern ebenfalls. Das alles liegt euch also immer noch so am Herzen? Dann wie gesagt, weniger Videos und gut. Ein Nachtrag noch: Ihr habt aus einer guten Sache ein monitäres Projekt mit klaren Vorgaben gemacht, paytv und nicht weniger in meinen Augen und mit einer klaren Ansage, dass wenn nicht die Summe, dann keine Videos mehr und genau deswegen hab ich euch nicht unterstützt. “

————————————————-

Die Macher von Wir sind veg verdienen nicht das Geld mit ihren Youtube-Videos, das sie sich erhofft haben. Deshalb machen sie der eigenen Zuseherschaft ein Angebot. Geld gegen Videos.

Und was sagt die Community: Es gehe den Kanalbetreibern nur ums Geld. PayTV sei verwerflich. Und dann fühlen sich die armen, armen Zuseher noch verletzt, weil sie sich für das Aus des Kanals verantwortlich gemacht sehen. Beim letzten Video stehen 167 Likes aktuell 609 Dislikes gegenüber.

Legitimes Angebot von Wir sind Veg

Das macht mich wütend. Diese Kommentatoren verlangen allen Ernstes, dass Menschen hochwertige Inhalte für Youtube produzieren, ohne auch nur annährend eine angemessene Entlohnung dafür zu enthalten. Wissen diese Leute eigentlich, wie wenig Youtube an die Hersteller von Inhalten bezahlt? Dazu hätten sie nur einmal das Crowdfunding-Ankündigungsvideo ansehen müssen. Bei Wir sind Veg sind das 1800 Euro für etwa zwei Jahre reine Youtube-Einnahmen: Bei etwa 1,6 Millionen Seitenaufrufen und 1800 Euro sind das 888 Videoaufrufe für einen Euro Ertrag (!). Die beiden Reiseblogger haben  noch geringe Einnahmen von einigen hundert Euro durch Amazon-Affiliate-Links und Produktempfehlungen. Insgesamt sind das nicht viel mehr als 2000 Euro Gesamteinnahmen für zwei Jahre Arbeit.

Die gute Frau von Wir sind Veg sagt dann auch mal deutlich, dass es so nicht weitergeht und dass die beiden mehr Geld für ihre Mühen sehen möchten. Das ist doch nur verständlich. Doch die ignorante Community kritisiert allen ernstes, dass da jemand eine faire Entlohnung für seine Arbeit fordert. Nicht zu fassen.

Eine solche Reaktion einer großen Menge von Leuten hätte ich nicht für möglich gehalten. Es ist ja natürlich okay, kein Geld für das Projekt zu geben. Doch in aller Öffentlichkeit zu kritisieren, dass jemand am anderen Ende der Produktionskette eine angemessene Entlohnung für haben möchte, ist dreist.

Einige Leute verlangen nicht nur, dass man für einen Hungerlohn Inhalte produzieren soll. Nein, man soll bitte schön dabei auch noch lächeln und dankbar sein.

Hier könnt Ihr euch selbst ein Bild über die Einnahmen der beiden machen:

 

Hier ein Link zum letzten Video von Wir sind veg: von dort habe ich die Kommentare kopiert.  https://www.youtube.com/watch?v=FtiqMzUTZTQ

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Das ist m.E. keine Analyse, sondern nur eine recht einseitige subjektive Wertung. Diese Geschichte hat mehr als eine Seite. Zum einen gab es ja nicht nur negative, sondern auch wohlwollende Kommentare. Darüber hinaus verschweigst du in deinem Beitrag, dass in der Tat eine beträchtliche Summe zusammengekommen ist. Insgesamt mehrere Tausend Euro. Hätten die beiden Blogger das Fundingziel nicht so hoch aufgehängt, wäre der Deal mit den vielen Zusehern auch zustande gekommen.

    Das Unverständnis der meisten Youtube Zuschauer hat aber auch sicherlich damit zu tun, dass die meisten Youtube-Filmemacher ganz mit ihren Klickeinnahmen leben können. So ein Funding in der Art ist recht ungewöhnlich. Das hat wohl einige erzürnt – die sind dann auch übers Ziel hinausgeschossen.

    • Hast Recht, Analyse ist etwas übertrieben. Meinung trifft es eher, daher habe ich den Titel geändert.

      Ich muss dir widersprechen, was die Youtube-Filmemacher angeht. Nur die wenigsten Youtuber können von den Werbeeinnahmen durch Youtube leben. Bei etwa 90 Cent bis 2.80 Euro pro 1000 Videoaufrufe kannst du dir ausrechnen, wieiviel ein Video in die Kassen spült.

      Da kann ein LeFloid, Gronkh oder Bibi locker von leben, aber der Großteil nicht. Für viele Youtuber ist Product-Placement die größere Einnahmequelle. Bei den Fitnessyoutubern etwa gibt es unzählige, die Monster-Energydrinks in ihren Videos promoten.

      Doch auch die Einnahmen durch Werbung und Product Placement werden für die Allermeisten nicht reichen. Deshalb arbeiten viele noch nebenbei oder sogar Vollzeit in einem „richtigen“ Beruf.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.