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Faber Glücksrad: Die Masche dahinter

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Der Lotto-Anbieter Faber verschickt derzeit Werbebriefe an unzählige Haushalte, in denen mit dem sogenannten Faber-Glücksrad geworben wird. Kunden sollen hier die Möglichkeit haben, per Telefon bis zu eine Million Euro zu gewinnen.

Wieso macht Faber das? Handeln Norman Faber, der in den Werbebriefen als Experte für Gewinnspiele beschrieben wird und seine Mitarbeiter wirklich aus Nächstenliebe?

Ich nehme die Masche des Faber-Glücksrad auseinander anhand des offiziellen Werbebriefs.

Betrachten wir die erste Seite. Hier ist ein Glücksrad abgebildet. Es gibt sieben verschiedene Gewinne. Sechs hohe, teilweise sehr hohe, Geldbeträge und einen attraktiven Überraschungsgewinn.

Grafik führt in die Irre, was Gewinnwahrscheinlichkeiten betrifft

Was suggeriert und dieses Glücksrad? Die Felder sind alle ähnlich groß, also sollte die Gewinnwahrscheinlichkeit für einen Geldgewinn sehr hoch sein. Dies suggeriert für mein Empfinden auch der darunter stehende Text: „Sie stoppen dann Ihr Glücksrad und es zeigt eines der sieben Felder an und Sie haben gewonnen: Entweder 1 Million Euro oder 500.000 Euro oder 200.000 Euro oder 50.000 Euro oder 10.000 Euro oder 500 Euro oder den atrraktiven Überraschungsgewinn. Die Unterstreichungen habe nicht ich vorgenommen, sondern damit arbeitet Faber ebenso gerne wie mit Fettschrift oder beidem.

Wie groß sind denn nun die Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Gewinnfelder? Darüber gibt die Rückseite Auskunft. Dort heißt es: „Aus einem 8-stelligen Nummernkreis werden 1x 1 Million Euro, 1x 500.000 Euro, 5x 200.000 Euro. 50 x 50.000 Euro, 250 x 10.000 Euro und 10.000 x 10.000 Euro zufällig gezogen.“

8-stelliger Nummernkreis bedeutet eine Zahl zwischen 00000001 und 99.999.999. Das sind nach meiner Zählung 100 Millionen verschiedene Kombinationen.

Die Gewinnwahrscheinlichkeiten ergeben sich dann für die einzelnen Geldbeträge:

1 Million Euro = 1/100.000.000 =0,0000001 = 0,00001 Prozent

500.000 Euro = 1/100.000.000 =0,0000001 = 0,00001 Prozent

200.000 Euro =5/100.000.000 =0,0000005 = 0,00005 Prozent

50.000 Euro =50/100.000.000 = 0,000005 = 0,0005 Prozent

10.000 Euro = 250/100.000.000 =0,000025 = 0,0025 Prozent

500 Euro = 10.000/100.000.000 = 0,0001 = 0,01 Prozent

Wenn wir alle Wahrscheinlichkeiten für einen Geldgewinn addieren, landen wir bei  0,013 Prozent. Das heißt, dass weniger als einer von 7.000 (!) Anrufern einen Geldbetrag gewinnt. Alle anderen müssen sich mit dem „attraktiven Überraschungsgewinn“ begnügen.

Die Gewinnwahrscheinlichkeiten des Faber-Glücksrad laut Werbeschreiben von Faber.

 

Fast alle Anrufer bekommen die Probemitgliedschaft

Was ist der attraktive Überraschungsgewinn? Das kostenlose Mitspiel an einem Faber-Lottoangebot. Der Kunde muss vor dem Mitspiel schon seine Kontonummer hinterlegen. Dem Kunden wird gesagt, um Gewinne überweisen zu können. Doch viel wichtiger für Faber ist, dass sich die Teilnahme nach dem Probemonat automatisch verlängert und dass anfallende Teilnahmegebühren automatisch vom Konto eingezogen werden.

Faber versucht also durch dieses Gewinnspiel neue Kunden zu gewinnen. Das an sich ist nicht verwerflich, aber dabei sollte das Unternehmen doch bitte bei der Wahrheit bleiben. Faber jedoch suggeriert, wie ich finde, naiven und meist älteren Menschen übertriebene Gewinnchancen.

Auf Bild 3 reden Sie von „Telefonspiel-Sensation“. Aussagen wie „Ist das blaue Feld getroffen? Dann sind Sie Millionär!“ suggerieren eine Gewinnwahrscheinlichkeit gemäß der Abbildung, laut der jeder Gewinn annährend gleich wahrscheinlich ist.

Solche Machenschaften besser nicht unterstützen

Ganze drei weitere Werbeseiten ohne neuere Informationen. Zweck allein: Den potentiellen Kunden dazu verleiten, sich vorzustellen, wie es ist, viel Kohle auf der Bank zu haben, in New York eine Suite mit Whirlpool und ein paar Topmodels zu belegen und das High Life zu genießen. Nie wieder Geldsorgen, mit dem Geld um mich werfen, den teuersten Champagner schlürfen, dem Kofferträger dort 200 Dollar Trinkgeld in die hand drücken und dann nochmal 100 Euro in den Mund, den er nicht mehr zubekommt. Naja, an mir prallen solche Versuche Fabers ab.

Mein Tipp, gerade falls Sie schon etwas älter sind und Dinge wie das Kündigen von Verträgen gerne mal vergessen: Greifen Sie nicht zum Hörer. Es lohnt sich nicht. Und ein Unternehmen, das auf derart geschmacklose Art auf Kundenfang geht, ist nicht unterstützenswert.

 

 

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

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