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Zeitarbeit: Abschließende Gedanken und Tipps(5)

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Zum Abschluss meiner Artikelserie fasse ich meine enttäuschende Zeit als Leiharbeiter zusammen. Zudem komme ich auf einige Tricks der Zeitarbeitsfirma zu sprechen, vor denen sich angehende Sklaven Zeitarbeiter in acht nehmen sollten.

Ich möchte anfangen mit den Tipps für Menschen, die bei einer zeitarbeitsfirma anfangen wollen bzw. müssen. Sehr wichtig ist, sich vorher den Arbeitsvertrag genau anzuschauen und durchzulesen: Bestimmte Absprachen, wenn etwa keine Nachschicht gemacht werden soll, sind unbedingt im Vertrag festzuhalten. Sonst kann die Zeitarbeitsfirma euch hinterher zur Nachtschicht verdonnern bzw. euch unbezahlten Urlaub andrehen.

Gerne werden Leiharbeiter mit einem 20-Stunden-Vertrag ausgestattet, auch wenn diese in Vollzeit arbeiten. Dadurch spart das Zeitarbeitsunternehmen Geld, wenn sie für Personal in einem Monat nicht ausreichend Einsatzmöglichkeiten bereithält. Wenn beispielsweise ein Leiharbeiter mit einem 20-Stunden-Vertrag in einem Monat mit 22 Arbeitstagen nicht arbeitet, dann hat er ein Recht auf 22×4 = 88 bezahlte Stunden. Wenn dagegen eine Person mit einem 40-Stunden-Vollzeitvertrag keine Einsätze bekommt, so sind 22×8= 176 Stunden zu vergüten.

Meine Zeitarbeitsfirma legte keinen Wert auf eine respektvolle und faire Partnerschaft. Sie tricksten, um Lohn nicht zu zahlen, zahlten ohne Nachfrage keine Fahrtkosten, ganz zu Schweigen von der Vergütung der Autofahrt als Arbeitszeit. Aufgrund der Situation, dass viele Zeitarbeiter nur kurze Zeit bei einer Firma sind, kommt die Zeitarbeitsfirma mit einem solchen Verhalten durch. Sie bewegte sich konstant im gesetzlichen Graubereich. Daher sollte man sich als Zeitarbeiter mündliche Vereinbarungen immer schriftlich bestätigen lassen, sonst heißt es hinterher: ,,Haben wir so nie gesagt“.

Schriftliche Bestätigungen sind umso wichtiger, da sich die Büroleute des ,,Personaldienstleisters“ auch in anderen Punkten oft nicht korrekt verhalten : Statt Erstattung der Fahrtzeit als Arbeitszeit, wie versprochen, gab es eine bei mir geringe Fahrtkostenpauschale. Angeblich besser honorierte Einsätze wurden nur mit dem Standardlohn bezahlt. Nach Ablehnung einer Nachtschicht, die nicht vereinbart worden war, musste ich unbezahlte Freizeit nehmen. Hinterlistig wurde eine Nachschicht verschwiegen, bis ich am Einsatzort davon (hier gehts zu meiner Horrorgeschichte ,,Nachts auf der Autobahn“) erfuhr. Offenbar ist dieses Verhalten kein Einzelfall.

Arbeiter (2)

Manchmal müssen Leiharbeiter auch anstrengende (Bau-)Arbeiten verrichten. Mehr Geld bekommen sie dafür meist nicht.

Meinem Arbeitgeber war es egal, welche Art von Arbeit man verrichtete. Als ich mit Hammern eine Wand zertrümmerte, war mir diese Arbeit mit den Worten ,,ist nix Großes“ vermittelt worden. Ein andermal wurde ich auf die Autobahn geschickt zu einem gefährlichen 13,5-Stunden-Einsatz. Ein anderer Zeitarbeiter hatte sich einen Rückennerv eingeklemmt und wurde kurz darauf zu einer Tätigkeit ,,verdonnert“, bei der er 20kg-Säcke heben musste.

Bei all den Missständen ist auffällig, dass sich die meisten Zeitarbeiter bei Problemen wegducken. Wie oft habe ich gehört: ,,Wenn die Zeitarbeitsfirma anruft, und von mir verlangt, dass ich morgen wieder hier bin, dann zeige ich denen nen Vogel“. Am Ende haben alle kleinbei gegeben. Verständlich, denn gerade ältere Mitarbeiter haben leider kaum Chancen auf eine Festanstellung. Andere fürchten eine Sperre beim Arbeitslosengeld, wenn ihnen fristlos gekündigt wird. Helfen würde hier, wenn sich die Zeitarbeiter einer bestimmten Firma organisieren würden. Sie könnten eine Facebook-Gruppe gründen, in der die Sklaventreiber Disponenten der Zeitarbeitsfirma keinen Zutritt haben. Ein Zusammenschluß der Leiharbeiter würde ihre Position gegenüber den Verantwortlichen der Firma deutlich stärken, denn deren Fehlverhalten könnte gemeinsam diskutiert werden und die Planung gemeinsamer Aktionen ermöglichen.

Dies ist meine Erfahrung mit exakt einem Zeitarbeitsunternehmen. Ich habe gehört, dass es früher mit einem anderen Chef bei dieser Firma anders gewesen sein soll. Und sicherlich gibt es auch korrekte Firmen unter den schwarzen Schafen. Bei allem, was man so liest, scheint es sich bei den Zeitarbeitsfirmen um eine schwarze Schafherde zu handeln.

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Autor: Alltagsoekonom

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