Wirtschaft einfach leben

Weshalb Schwimmbäder öfter Freikarten verteilen sollten

| 2 Kommentare

In der Kleinstadt, aus der ich komme, gibt es ein Freizeitbad, welches auch einen Außenbereich vorweisen kann. Dieses Bad ist auch sonst sehr gut ausgestattet: Es gibt mehrere Rutschen, ein Schwimmerbecken mit 3 er und 5 Meter Brett, einen sogenannten Strudel (diese kreisförmigen Strömungen) und zwei Whirlpools. Dennoch ist zu vielen Zeiten wenig Betrieb im Schwimmbad…

Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen e.V. hat eine Untersuchung von Hallenbädern und Kombinationen aus Hallen-und Freibädern in den Jahren 2004 bis 2006 in Niedersachsen durchgeführt. Die Organisation ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schwimmbäder im Durchschnitt nur 42 Prozent der eigenen Betriebskosten durch ihre Einnahmen decken konnten. Jedes zweite Schwimmbad konnte nur einen Kostendeckungsgrad von unter einem Drittel erreichen. Beachtlich ist dabei, dass jeder Besucher mit durchschnittlich 5,17 (!) Euro von der Kommune subventioniert wurde (Die Studie findet ihr hier).

In anderen Bundesländern sollte die Situation der Freizeitbäder nicht anders aussehen. Insgesamt scheinen Freizeitbäder Institutionen zu sein, die auf die Unterstützung von Kommunen angewiesen sind. Gezielte Marketingaktionen könnten dabei helfen, die finanzielle Situation der Bäder- und damit die der Kommunen- zu entlasten. Aus meiner Sicht gibt es einen großen Teil der Bevölkerung, der tendenziell schon mal Lust hätte, schwimmen zu gehen, aber dem einfach der letzte Impuls dazu fehlt.

Hier könnten Freikarten ein gutes Mittel sein, um längerfristig eine größere Besucherzahl zu erreichen. Vor allem, wenn man sich verdeutlicht, dass ein Freizeitbad nur wenig höhere Kosten für einen zusätzlichen Besucher hat.

Geringe zusätzliche Kosten bei einem weiteren Gast

In der Wirtschaftslehre wird unterschieden zwischen Fixkosten und variablen Kosten. Fixkosten sind unabhängig von der Ausbringungsmenge und fallen für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einem Freizeitbad sind das etwa die Kosten für die Räumlichkeiten. Selbst wenn diese den Kommunen selbst gehören berechnet man eine kalkulatorische Miete als Kostenaufwand, denn schließlich könnte das Gebäude oder das Grundstück auch für einen anderen Zweck benutzt werden. Dazu zählen auch die Gehälter der Angestellten, etwa der Kassierer und der Reinigungskräfte, da man diese üblicherweise über einen längeren Zeitraum beschäftigen muss. Und auch die Kosten für die Reinigung der einzelnen Schwimmbecken dürften durch den einzelnen Besucher kaum höher ausfallen.

Dem gegenüber stehen variable Kosten. Dies sind Kosten, die mit der Ausbringungsmenge variieren. Bei einem Industrieunternehmen ist die Ausbringungsmenge etwa die Stückzahl eines bestimmten Produktes, übertragen auf ein Schwimmbad ist es die Anzahl der Besucher. Wenn man die zusätzlichen Kosten für einen weiteren Nutzer des Bades bei gegebener Besucherzahl betrachtet, dann spricht man von Grenzkosten. Bei einem Freizeitbad dürften die Grenzkosten für einen zusätzlichen Gast im Wesentlichen in den Kosten liegen, die beim Duschen anfallen. Hier ist es schwer zu sagen, wieviel das Duschen eines zusätzlichen Benutzers den Betreiber des Bades im Durchschnitt kostet, aber ich vermute, dass dieser Betrag eher gering und vielleicht bei einem Euro liegt.

Wenn man also berücksichtigt, dass ein Großteil der Kosten eines Schwimmbades für einen bestimmten Zeitraum fix sind, könnte es Sinn machen, neue Besucher mit Freikarten ins Bad zu locken, denn deren Besuch erhöht die Kosten nur wenig. Ein bestimmter Prozentsatz dieser neuen Kunden würde das Bad in der Folge zum regulären Preis öfter besuchen. Hier ist natürlich wichtig, den Kosten der Freikartenaktion die zusätzlichen Erträge gegenüber zu stellen. Da die Kosten der Freikarten jedoch, wie beschrieben, nicht sehr hoch sein dürften, müssen eben auch die zusätzlichen Erträge nicht sehr hoch ausfallen.

 

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Hinzu kommt, dass die Freibäder ja nicht nur an den Eintrittspreisen verdienen, sondern am verkauf von Eis und Pommes. Freikarten würden den Verkauf stark ansteigen lassen.

  2. Super interessant, die Artikel hier!
    Schließe mich zum Thema Schwimmbad meiner Vorrednerin an; Freikarten im Sommer könnten sich über Verkäufe beim Kiosk lohnen. Dann darf das nur noch nicht so laufen wie im Hamburger Kaifu-Bad: Das ist bei schönem Wetter sehr voll, aber am Kiosk gibt es meist nur eine Schlange für alles – Würstchen, Naschtüten und vor allem einzelne Lakritze und Co. Kleinere Kinder überlegen natürlich lange, welches Lakritzteilchen sie kaufen möchten… Da man deswegen locker eine halbe Stunde in der prallen Sonne ansteht, kaufe ich da bei gutem Wetter gar nichts mehr.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.