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Wieso Gebrauchtwagen üblicherweise eine schlechte Qualität haben

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Fasziniert hat mich in meinem Studium immer die Theorie vom Gebrauchtwagenmarkt. Nach dieser werden nur absolute Gurken auf dem Markt angeboten. Die Idee dieser Theorie basiert darauf, dass es sogenannte Informationsasymmetrien zwischen Verkäufern und Käufern gibt. Informationsasymmetrie heißt, der Verkäufer kann die Qualität seines Autos besser einschätzen als der Kunde.

Das folgende Modell geht auf George A. Akerlof zurück, der für seine Arbeit zusammen mit Michael Spence und Joseph E. Stiglitz 2001 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.

Stellen wir uns folgende Ausgangssituation vor:

Es gibt einen Händler, der drei Klassen von Gebrauchtwagen besitzt. Es gibt Autos mit hoher Qualität, die einen Wert von 15000 Euro haben, er hat Autos mit mittlerer Qualität, die 5000€ wert sind und er hat ,,Schrottkarren“ im Wert von 1000 Euro (Die Werte sind willkürlich gewählt, daher fühle sich hier niemand durch den Begriff Schrottkarre auf den Schlips getreten, dessen Auto nur 300 Euro wert ist;)). Die drei Klassen enthalten jeweils gleich viele Autos.

Der Händler weiß über den Wert jedes einzelnen Autos bescheid, während der Kunde keine Ahnung von der Qualität hat und die Autos deshalb nicht ihrer Qualitätsklasse zuordnen kann. Diese asymmetrische Verteilung von Information vor Vertragsabschluss bei gleichzeitigem Zielkonflikt bezeichnet man als Adverse Selektion. Die Annahme von asymmetrischer Information ist in dem Sinne realistisch, dass ein Gebrauchtwagenhändler a) sowohl Ahnung von der Funktionsweise von Autos hat und b) auch die technischen Möglichkeiten hat, um etwaige Mängel festzustellen (etwa eine Werkstatt mit Hebebühne). Der Kunde dagegen ist normalerweise a) kein Autospezialist und hat b) keine eigene Werkstatt, um das Auto im Detail zu untersuchen. Annahmegemäß weiß der Kunde jedoch, dass es drei verschiedene Qualitätsklassen gibt.

Das Marktgeschehen läuft nun in folgenden Etappen ab:

1) Die Käufer bilden einen Durchscnittswert der Autos, den sie bereit sind zu zahlen, so lange alle drei Qualitäten auf dem Markt sind. Dies sind (15000+5000+1000)/3 =7000 Euro. In der Realität gibt es etwa Schwacke-Listen, die Durchschnittspreise für einzelne Fahrzeuge angeben. Bei einem Marktpreis von 7000 Euro werden jedoch die Autos hoher Qualität nicht mehr angeboten, da der Verkäufer dann einen Verlust realisieren würde.

2) Deshalb bilden die potenziellen Konsumenten einen neuen Durchschnittspreis, den sie bereit sind zu zahlen, wenn die Autos hoher Qualität nicht mehr angeboten werden: (5000+1000)/2=3000 Euro. Bei einem Marktpreis von 3000 Euro wiederum werden jedoch nur noch die Autos niedriger Qualität verkauft. Für die Händler lohnt es sich nicht, die Autos im Wert von 5000 Euro anzubieten.

3) Der letzte Durchschnittspreis entspricht dem Wert der Autos mit der schlechten Qualität. So ergibt sich ein Preis von 1000 Euro pro Auto. Es werden nur ,,Schrottkarren“ gehandelt.

Von Anfang an werden nur ,,Gurken“ angeboten

Diese drei Etappen laufen, wenn man den Käufern rationale Erwartungen unterstellt, ausschließlich ,,im Kopf“ der Verkäufer ab, d.h. die Konsumenten antizipieren das Verhalten der Händler bei Kaufpreisen von 7000 und 3000 Euro und bieten von Anfang an 1000 Euro.

In der Realität gibt es natürlich mehr als drei Qualitätsklassen. Es bleibt jedoch das Prinzip erhalten, dass bei jedem Preis, der höher als der Preis für die geringste Qualität ist, tendenziell Käufer ein schlechtes Geschäft machen würden und der Preis dadurch sehr klein wird, ebenso wie die Qualität bis auf ein Mindestmaß abnimmt.

Für Gebrauchtwagenhändler ist es daher umso wichtiger, dass der Kunde Vertrauen zu den Verkäufern aufbaut und auch bereit ist, mehr Geld als den Preis für die Mindestqualität zu bezahlen. Des Weiteren kann der Gebrauchtwagenhändler seine Autos mit einer Garantie ausstatten, um dem Kunden Sicherheit zu geben und höhere Preise zu erzielen.

Informationsasymmetrien begegnen uns übrigens in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens, z.B. hat ein behandelnder Arzt normalerweise ein größeres Wissen als seine Kunden. Der nächste Artikel wird diese Beziehungen näher beleuchten!

 

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Autor: Alltagsoekonom

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