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Dankbarkeit und schlaue Sprüche

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Ihr kennt doch bestimmt auch diese Aussagen in Büchern oder Texten, dass man im Leben für jede Erfahrung dankbar sein könne. Entweder macht  man eine gute Erfahrung, die man gerne wiederholen möchte oder eine Tätigkeit oder ein Verhalten fühlt sich so mies an, dass man etwas anderes macht. Man lernt aus seinen Fehlern.

Außerdem solle man jede Situation positiv sehen und das Beste daraus machen. Solche Weisheiten kursieren zu Tausenden und den allermeisten kann ich nichts abgewinnen.

Trotzdem macht es Sinn, sich immer mal zu vergegenwärtigen, welche guten Dinge einem widerfahren sind. Im Zuge dessen mag mir der ein oder andere Mensch in den Sinn kommen, für den ich dankbar sein kann.

Zunächst einmal Folgendes: Es gibt viele Gründe für Dankbarkeit und noch mehr, diese auch zu zeigen. Wer gerade geheiratet hat, kann etwa Danksagungskarten rausschicken, beispielsweise von familiensache.com. Auch ein persönliches Dankeschön oder ein kleines Geschenk bereitet der betreffenden Person oft große Freude. Später mehr dazu, warum besonders erfolgreiche Menschen dankbar sein können.

Doch zunächst möchte ich erst einmal zurückkommen zu den beiden Ausgangsstatements und erklären, weshalb ich diesen wenig Positives abgewinnen kann.

Die meisten Sprüche vereinfachen zu sehr

Jeder Mensch kann dankbar für jede Erfahrung sein. Gute Erfahrungen wiederholt man, schlechte Erfahrungen sind zu unterlassen.

Mag der Kern auch wahr sein, so fallen mir doch Dinge ein, die dagegen sprechen. Einerseits gibt es Erfahrungen, die Menschen komplett aus der Bahn werfen. Ich rede hier nicht vom unvermeidlichen Tod von nahestehenden Menschen, denn das sind keine Erfahrungen, die man aktiv macht, sondern welche, die von außen an Dich herangetragen werden. Zumindest wenn plötzlich jemand stirbt und man sich nicht lange auf den Tod des Menschen vorbereiten kann.

Ich rede von Erfahrungen, die Menschen aktiv suchen. Da fallen mir etwa Frauen ein, die sexuelle Gewalt in Beziehungen erleben mussten. Das kann etwas sein, das man ohne Hilfe von außen nicht verarbeiten kann. Und es klingt für mich wie ein Hohn, dankbar für eine solche Erfahrung sein zu sollen.

Zudem gibt es viele Dinge, die uns Menschen nicht bewusst sind. Wir haben schon mit früher Kindheit Muster verinnerlicht, die sich tendenziell wiederholen. Der Mensch kann nicht Erfahrungen nicht vollständig erfassen und die korrekten Schlüsse daraus ziehen. Viele Menschen sind sich ja vor allem bei eher mittelmäßigen Erfahrungen nicht einmal bewusst, ob ein Erlebnis eher positiv oder negativ war.

Ich muss mir also zunächst einmal bewusst darüber werden, ob eine Erfahrung gut oder schlecht war. Und im nächsten Schritt die richtigen Schlüsse ziehen, um beim nächsten Mal (noch) positivere Erfahrungen zu machen. Der Mensch ist sehr viel komplizierter, als solche schlauen Sätze nahelegen.

Schönreden statt ändern?

Noch schwerer tue ich mich mit der zweiten Aussage:

Sehe jede Situation positiv und mache das Beste daraus

Das große Problem dieses Satzes: Er gaukelt dir vor, dass es nur deine Sichtweise ist, die dir Kummer bereitet. Nehmen wir meine Erfahrungen im Callcenter: Wenn ich mir sage, dass ich einfach darüber stehen muss, dass 95 Prozent der angerufenen Menschen unfreundlich sind und keinen Bock auf die Teilnahme an 30-minütigen Umfragen haben, dann habe ich ein Problem. Denn in den meisten Fällen ist die Lösung des Problems nicht, dass man seine Einstellung zu einer Sache ändert, sondern dass man diese Sache sein lässt.

Erst wenn sich eine Situation nicht ändern lässt und ich eine gewisse Zeit mit ihr leben muss, kann ich mir überlegen, wie ich besser mit dieser Situation klarkomme. Ich denke da etwa an einen Studenten, der unbedingt Arzt werden möchte. Im Studium müssen Mediziner sehr viele Begriffe und Zusammenhänge auswendig lernen. Das muss der Student in Kauf nehmen, um in Zukunft das Leben zu leben, das er möchte.

Mir gefällt der Spruch des sogenannten Gelassenheitsgebets:

  Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich bin dankbar dafür, dass ich nicht mehr im Callcenter arbeite. Ich bin dankbar, dass ich einen anderen Job gefunden habe, der mir angenehmere Gespräche mit Menschen bietet.

Kein Mensch besitzt etwas ihm Eigenes

Vor einigen Tagen verließ ich meine Arbeit so happy, dass ich einem Verkäufer der Obdachlosenzeitung spontan einen Euro in die Hand drückte. Ich hatte das wieder entdeckte Bedürfnis, meine positive Erfahrung an einen anderen Menschen weiter zu geben.

Wenn man sich die Beschaffenheit der Welt ansieht, dann wird deutlich, dass jeder Mensch in unser komplexes System eingewoben ist. Wer Erfolg hat, der hat sich diesen nie komplett selbst erarbeitet, sondern er ist auf das Wohlwollen anderer Menschen angewiesen. Eine buddhistische Kernaussage lautet, dass es keine Eigenschaft oder eine Sache gibt, die einem Menschen inhärent, also ein fester Bestandteil von ihm, sind. Man denke nur an die Gene, die wir von unseren Vorfahren bekommen haben und an die Erfahrungen, die wir in Abhängigkeit von anderen Personen, Medien und Gegenständen gemacht haben.

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Autor: Alltagsoekonom

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