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Als Fahrer bei Hermes- Meine Erfahrungen (2)

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Im zweiten Teil meines Reports komme ich auf die Fahrten zu sprechen, während denen ich meine Pakete an den Mann/die Frau gebracht habe. Auch erläutere ich die Hintergründe des Hermes-Systems.

Pakete Hermes Fahrer

Bild: Der Versandhandel verzeichnet seit Jahren hohe Zuwachsraten beim wichtigen Weihnachtsgeschäft

Der erste Teil meiner Erfahrungsreihe handelte von meiner Anlernzeit. Ich schilderte unter Anderem, dass andere Hermes-Fahrer laut Chef angeblich gutes Geld verdienten, ich jedoch bei meiner Probefahrt eine andere Beobachtung machte und dass manche Fahrer vom Subunternehmer ein Auto und Sprit gestellt bekamen, während viele andere mit eigenem Auto fahren mussten und auch für Benzin selbst bezahlen mussten.

Nachdem ich an einem weiteren Tag noch einmal bei einer anderen Fahrerin mitgefahren war und mich dadurch etwas besser mit dem Scanner vertraut gemacht hatte, durfte ich auf eigene Faust Pakete ausliefern. Mittels Scanner werden Pakete und Kataloge vor Zustellung gescannt.

Der Job als Hermes-Fahrer ist schwieriger als man denkt

Wenn man seine eigene Tour fährt, sollte man zuerst schauen, dass man eine Fahrtroute entwirft. Entsprechend dieser Route lädt man die auszuliefernden Pakete in einer sinnvollen Reihenfolge in sein Auto, so dass man diese nach und nach aus dem Auto holen kann. Da ich nämlich mit einem Kleinwagen unterwegs war, kam ich nicht zu jeder Zeit an alle Pakete. Obwohl man als Anfänger deutlich weniger Pakete bekommt als erfahrene Fahrer, ist dies eine schwierige Aufgabe, denn man kennt üblicherweise nicht alle Straßen in seinem Bezirk und tut sich deshalb, trotz Karte, schwer, eine sinnvolle Route auszuarbeiten. Freundlicherweise hatte mein Chef eine Reihenfolge für meine erste Tour ausgearbeitet.

Nach langer Beladezeit fuhr ich endlich los. Aber auch das Ausliefern an sich stellt einen am Anfang ganz schön auf die (Gedulds-)Probe: Manchmal findet man bestimmte Hausnummern einfach nicht bzw. man sucht lange nach dem Eingang. Gerade weil manche Straßen extrem verwinkelt sind, gestaltet sich die Suche nach bestimmten Hausnummern oft sehr schwierig.Dazu kommt, dass man anfangs Probleme mit der Bedienung des Scanners hat. So hat man bei jeder Abgabe eines Pakets zu notieren, wer das Paket entgegengenommen hat. Zusätzlich bekommt die Person, die das Paket letztlich bekommen soll, eine Benachrichtigungskarte in ihren Briefkasten, wenn das Paket bei einem Nachbarn abgegeben wurde. Alles Dinge, die anfangs sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, da sie noch nicht automatisiert ablaufen.

Am ersten Tag hatte ich einen Stundenlohn, abzüglich aller Ausgaben von etwa 0,5 Euro. Sicherlich wurde ich in den Folgetagen schneller, dennoch bin ich nie auch nur auf 4 Euro Stundenverdienst gekommen. Als ich meinen Chef darauf ansprach, dass man extrem wenig verdienen würde, hieß es nur: ,,Das kommt noch. Andere verdienen über 8 Euro pro Stunde hier.“ Da ich diesen Worten keinerlei Glauben schenkte, kündigte ich nach etwa einer Woche mein Arbeitsverhältnis wieder.

Bei Hermes übernehmen Subunternehmer die Verteilung der Pakete in Städten und größeren Gebieten. Diese Subunternehmer sind rechtlich und wirtschaftlich unabhängig von der Zentrale.  So kann sich Letztere immer schön herausreden, dass Lohndumping nur bei einzelnen Subunternehmern vorkämen. Dabei ist es aus meiner Sicht genau diese Zentrale, die durch ihre knallharten Vorschriften die Subunternehmer zu eben diesem Verhalten nötigt.

Ich erinnere mich nicht mehr genau, ob die Fahrer bei meinem lokalen Subunternehmer auf 400€-Basis beschäftigt waren, aber ich vermute schon. Unten angehängte ARD-Reportage berichtet davon, dass viele Subunternehmer Menschen auf 400€-Basis bzw. schwarz beschäftigen und dass die Subunternehmer schon fast dazu gezwungen wären, um noch wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Man muss es sich nur einmal verdeutlichen: Letztlich subventioniert der sozialversicherungspflichtige Bürger den Paketzusteller Hermes. Oder anders gesagt: Hintenrum zahlt der arbeitende Otto-Normalverbaucher zusätzliches Geld zu den auf den ersten Blick günstigen Portokosten.

Apropos Otto-Normalverbraucher: An der Spitze von Hermes steht der Otto-Konzern mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Otto, der auch gerne mal an Universitäten über Werte wie Fairness und Verantwortung referiert.

Hier abschließend die sehr interessante ARD- Reportage zu Hermes mit ca. 30 Minuten Gesamtlänge:

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Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

13 Kommentare

  1. Bei DHL läufts leider genau so. Habe neulich eine Reportage darüber gesehen. Hieß glaube ich „Die Paketsklaven“. Auch bei DHL werden private Unternehmen unter Vertrag genommen. Auf deren Jacke steht dann einfach nur ganz klein „Servicepartner der“ DHL. Kaum zu erkennen das „Servicepartner der“. Naja so kommt es dann dass einem in der Woche nur 40 Stunden vergütet werden auch wenn Überstunden gemacht werden (die immer dazu kommen). Diese Firmen werden nur nach abgelieferten Paketen bezahlt und die Arbeitnehmerschaft wechselt von Monat zu Monat, weil diese harte Arbeit für viele einfach zu schwer ist. Wehe es wird das Wort Betriebsrat nur in den Mund genommen. Ich kann nur sagen, dass sich Angestellte bei so einem Unternehmen schnell zusammen tun müssen und gemeinschaftlich einen Betriebsrat fordern und gründen. Denn einen ganzen Haufen von Arbeitnehmern können nicht einfach so schnell gekündigt werden wie ein Einzelner. In dieser Branche muss auf jeden Fall etwas passieren.

    Beste Grüße,
    Simon

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    • Hallo Simon,

      danke für deinen Kommentar. Habe ,,die Paketsklaven“ ebenfalls gesehen (und in einem Beitrag von mir auch empfohlen). In der Reportage wird allerdings gesagt, dass die Post nur wenig mit Subunternehmern zusammenarbeiten und nur etwa 10% der Pakete durch Subunternehmer ausliefern lassen. Bei diesen Subunternehmern, so auch die Aussage des Films, scheint es vergleichbar mit anderen Paketdiensten wie Hermes zu sein.

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  2. Wenn das so ist.
    Dann sollte man seine Pakete lieber günstig verschicken und dem Boten beim Ausliefern 2€ in die Hand drücken. Anstatt das dann Hermes oder die DHL direkt bekommen lieber den Leuten geben.

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  3. Leider liegt das Problem nicht nur beim Zusteller…
    Leistung soll nix kosten, aber 100%bringen.
    wenn jeder Verbraucher bereit wäre für ein Euro mehr , die Leistung zu zahlen, wäre die Qualität auch besser…
    aber hier ist Geiz ist Geil der Kern

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  4. Erschreckend! Wie sieht es denn da jetzt bei dem Mindestlohn von 8€/ Std aus? Weiß das Jemand?

    Danke für den Bericht

    Viele Grüße

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  5. Liebe EvNa,

    du bist ja teilweise „Freiberuflich“ oder „Scheinselbstständig“ …. Mindestlohn daher kein Thema, denn Du bekommst ja „den Auftrag“ im „Auftrag von Hermes“ zu fahren.

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  6. Als Minijobber gibt es nur eins bei Hermes „Vogel friß , oder stirb“! Und Du darfst nicht krank werden.Dann heißt es nämlich „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan , der Mohr kann gehn“!
    Hab es gerade erlebt .
    Beim Subuntenhmer , im Auftrag von Hermes, doch Hermes behält immer eine weiße Weste.

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    • Hier kann ich als Hermes-Fahrer berichten, dass das auch für MacDonald gilt! Denn unser neuester Kollege kommt von dieser Firma und wurde dort gefeuert, als er im Krankenhaus lag.

      Warum er ins Krankenhaus musste [Lungenentzündung, auch schwere Bronchitis genannt] tut nichts zur Sache – aus einem 1200 € Job gefeuert ist gefeuert.

      Und wenn aber der Leiter selber mal ins Krankenhaus muss, hat dieser Jobrückkehrgarantie.

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  7. Bei Hermes in Eggstatt, einem rumänischen Unternehmer, sind alle Mitarbeiter Rumänen und alle arbeiten von 8:00 bis um 22:00 abends für 0,050 c pro Paket. Alle machen mindestens 250 pro Tag.

    Kommentar vom Alltagsoekonom editiert zur besseren Lesbarkeit

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    • Marius, rechne mal nach, das funktioniert nicht.
      Oder meinst du 0,05 €

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    • Ich selber fahre 90 bis 120 Pakete in der Stadt (was wegen dem ständigen Ein-/Ausparken immer nachteilig ist) und bringe immer 15 bis 40 zuzustellende Pakete zurück (da die Kunden in der Stadt eher ausgehen).

      Deshalb ich sehe ich während der Marbeit auch die Gitterwagen meiner Kollegen, die zu den Dörfern hinausfahren (und mit höchstens 10 Paketen zurückommen).

      Ich denke, mindestens 250 pro Tag ist übertrieben … 160 bis 190 halte ich für realistischer. Denn mehr Pakete passen nicht in den Gitterwagen, wenn die normalgroße Pakete bis zum Oberrand hinauf gestapelt sind und dazu 5 Boxen mit Tüten mitgenommen werden.

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  8. immernoch …0,05 ct? ist ein witz ??? —-

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  9. Ich war viele Jahre Aufstocker und kenne die Probleme für die Fahrer zur genüge.

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