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Cocaine Cowboys Kritik: Kokain in den USA

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Es gibt zwei sehr bekannte Dokus über Kokainhändler in den USA. Sie heißen „Cocaine Cowboys“. Der Zuschauer erfährt hier, wie Kokain in den 70er-/80er-Jahren die USA überschwemmte und sich die Großdealer eine goldene Nase verdienten.

Einerseits geht es darum, mit welchen Mitteln die Kokaindealer den Stoff über die Grenze in die USA einführten. Hier haben sich die Dealer sehr kreative Tricks einfallen lassen und brachten etwa durch einen Abschleppdienst das weiße Pulver über die Grenze oder warfen die Kokainpakete mit Fallschirmen aus Flugzeugen ins Meer.

Man erfährt also interessante Dinge. Die Machart der Doku gefällt mir jedoch nicht.

Zudem erfährt man etwas über den Lebensstil der Dealer, der von enormen Profiten und Verschwendung geprägt war und den Beziehungen der in diesem Milieu arbeitenden Personen untereinander.

Die beiden Reportagen sind interessant, keine Frage: Was mich daran stört ist jedoch Folgendes: Die Dokus ähneln von der Machart Gangsterfilmen. Die Gangster kommen ausführlich zu Wort und dürfen damit prahlen, wieviel Geld sie hatten und dass sie sich davon jede Woche ein neues Auto gekauft haben und Autos sinnlos zu Schrott gefahren haben. Sie dürfen sich damit brüsten, dass sie in Restaurants für 20.000 Dollar pro Nacht aßen und dabei das ganze Hinterzimmer alleine für sich hatten oder ihr Geld in Stripclubs im wahrsten Sinne des Wortes verpulverten. Der Sprecher sagt zwischendurch schwachsinnige Sätze wie: „Alle wollten Geld“ über die Menschen im Miami der 80er.

Die Realität als stylischer Gangsterfilm

Letztlich finde ich bedenklich, die Dokus in dieser Form zu gestalten. Die Realität wird wie ein faszinierender Gangsterfilm dargestellt und damit implizit das Handeln der Koksdealer verharmlost. Halbwegs gebildete und clevere Menschen können damit umgehen und bemerken den sensationsgeilen Unterton der Videos. Aber was denken etwas unterbelichtete Menschen, die schon leicht auf die schiefe Bahn geraten sind, nach dem Konsum dieses Films? Ich könnte mir vorstellen, dass sie auf eine noch etwas schiefere Bahn geraten, auch so ein Leben voller Macht, Geld und vermeintlichem Ansehen führen wollen.

Besonders auffällig ist hier der Schritt von Cocaine Cowboys I zum zweiten Teil. Hier verdeutlicht das stylische Intro dem Zuschauer sofort, wo der Hase langläuft. Die realen Gangsterbosse werden in einer Comicform dargestellt, als handelte es sich um einen Guy-Ritchie-Film. Unterlegt wird das Ganze von gangsterhafter Hip-Hop-Musik. Hier geht es vor allem um die Drogenbossin Griselda Blanco, die viele Menschen töten ließ. Stattdessen wird im Film betont, welch eine tolle Ausstrahlung die Patin auch im Gefängnis hatte und welche Vorzüge sie aufgrund ihrer Macht genoss. Auch Hinrichtungs- und Folterschilderungen werden hier im Comicstil dargestellt.

Letztlich zeigen die Dokus vor allem die Sicht der Drogendealer und deren tollen Lifestyle. Wie gesagt, manch ein Zuschauer wird mit dieser Machart nicht angemessen umgehen können.Was denkt ihr über die beiden Cocaine-Cowboys-Filme?

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Autor: Alltagsoekonom

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