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BRAVO-Kritik Teil 2: Der Umgang mit Werbung

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Ich habe vor einiger Zeit bereits die BRAVO getestet und berichtet, wie niveaulos die darin enthaltenen Texte mittlerweile sind. Einziges Thema: Sex. Heute soll es vor allem darum gehen, wie die Jugendzeitschrift Werbung in ihrem Heft unterbringt.

Wir beginnen jedoch mit den Geschichten von Stars und Sternchen. Denn die Storys sind viel zu schlecht, um sie außen vor zu lassen. Auf dem Cover: Wie bei meinem letzten Kauf Selena Gomez, dazu Miley Cyrus und Justin Bieber. Es scheint für die BRAVO verkaufsfördernd zu sein, mit Geschichten über diese international gefeierten Kinder- und Teeniestars auf dem Heftcover für den Kauf zu werben.

Der Titel lautet diesmal zu einem angeblichen „MEGA-BEEF“ zwischen „Miley“ und „Sel“ (Abkürzungen sind cool und suggerieren, dass die BRAVO-Redaktion die Personen wirklich kennen würde, über die sie Geschichten schreibt): „Miley, du Bitch“. Die zweite Schlagzeile auf dem Titel betrifft Justin Bieber: „Liebes-Sensation- So süß verkuppelt er seine Mum.“

Die Story zum Streit zwischen Miley Cyrus und Selena Gomez zieht sich über mehrere Seiten und basiert auf Vermutungen der Autorin bezüglich Selena Gomez: „“Boah, diese fiese Bitch“, muss Sel getobt haben“, heißt es dort etwa. Oder: „“Warum kann sich diese Bitch eigentlich alles erlauben??!“, fragt sich Selena genervt“.

Ebenso weit hergeholt ist der Artikel über Justin Bieber, der ja angeblich seine heiße Mum verkuppeln will. So will Justin Bieber angeblich seinen Manager, den Sänger Usher oder seinen Fitness-Trainer mit ihr verkuppeln. Dafür gibt es jedoch keinen einzigen Beleg oder wenigstens einen ernstzunehmenden Hinweis. „Aber Justin lädt seine Mutter doch ständig zu Terminen ein, um ihn zu begleiten“, würde mir die BRAVO-Redaktion nun entgegenwerfen. Achso, daann liebe BRAVO, steht die Geschichte ja auf einer soliden Grundlage…

Das sind also zwei Beispiele für diese unterste-Schublade-Klatsch-Geschichten“, mit dem die BRAVO seine Leser versorgt. Jetzt aber zur Werbung in der Zeitschrift. Es befinden sich wenige explizite Werbeanzeigen im Heft. Ich habe nur 4,5 von 70 Seiten gezählt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch: Auf weiteren Seiten ist Werbung enthalten und schlauerweise bindet die BRAVO diese in den redaktionellen Teil mit ein: Etwa auf den Seiten 4 und 7, in denen es um „Hot or Not“ geht. So sind laut Bravo Einhorn-Kostüme total angesagt. Deshalb bekommt der Leser gleich einen Händler dafür genannt. An anderer Stelle wird die Konzerttour von Sean Paul vermarktet. Auch total cool: Sogenannte Statement-Ringe. Hässliche, überdimensionierte Plastikringe, die man glücklicherweise bei „Bijou Brigitte“ kaufen kann. Interessanterweise hat die Redaktion jedoch bei ihrer Doppelseite über Sexspielzeug darauf verzichtet, Bezugsquellen zu nennen. War ihr das dann doch zu heikel?

Weiter hinten im Heft gibt es eine Doppelseite über „Coole Star-Looks“, die man für unter 100 Euro nachahmen kann. Natürlich mit den entsprechenden Bezugsquellen. Hier ziert sich die Bravo nicht, Werbung für die Billigketten KiK und Takko zu machen. Dass diese unter üblen Produktionsbedingungen ihre Billigkleidung herstellen lassen, ist der Bravo doch egal. Wichtig ist, dass es cool aussieht und hot ist und am besten noch glitzert.

Dann hat die BRAVO das Google-Haus in Hamburg besucht und schwärmt in den höchsten Tönen von Google-Angeboten wie maps oder g+. Kein einziges kritisches Wort ist auf der Doppelseite zu vernehmen. So hätte man beispielsweise die Kritik am massenhaften Datensammeln des Unternehmens aufgreifen können, wenn man einen ernstzunehmenden, objektiven Bericht hätte schreiben wollen…

Schließlich findt sich auf der letzten Innenheftseite noch eine Übersicht mit Terminen: Hier werden die TV-Filme der Woche genannt, ein Konzert von Scooter erwähnt und der Verkaufsstart einer DVD von „Joko und Klaas“ erwähnt. Vermutlich verbucht die Bravo auch hier Einnahmen durch die Erwähnung bestimmter TV-Filme oder Produkte.

Alles in allem finden sich also auf statt viereinhalb etwa 13,5 Seiten Werbung im Heft. Das mag immer noch erträglich sein, aber ich finde es moralisch daneben, den Großteil der Werbung im redaktionellen Teil des Heftes unterzubringen und die Heranwachsenden so gezielt in Richtung bestimmter Produkte zu beeinflussen.

Im Vergleich dazu arbeitet etwa das Sportmagazin Loox mit noch mehr redaktioneller Werbung, aber immerhin richtet sich deren Heft nicht primär an leicht beeinflussbare Jugendliche.

photo credit: PVBroadz via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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