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Warum der Umgang mit der AfD falsch ist

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Die AfD kommt in unserer Presselandschaft meist schlecht weg. Der Spiegel etwa verkauft seine aktuelle Ausgabe mit Björn Höcke auf dem Cover, Titel: Der Dämokrat.

Wenn Kolumnisten beim Spiegel oder der Süddeutschen über die AfD oder ihre Leser schreiben, fallen oft Begriffe wie Nazis, rechtsradikal und dumm. Auch Teile meines Umfelds beschreiben die AfD und ihre Wähler oft mit diesen Worten und die Diskussion wird schnell hitzig. Auch von meiner Seite.

Diese Zuschreibungen und Verallgemeinerungen gefährden langfristig den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Vor etwa zwei Jahren spielte ich mit einem Kumpel und dessen Freunden Lasertag. Danach gingen wir gemeinsam in eine Kneipe. Es stellte sich heraus, dass meine drei Gesprächspartner allesamt AFD-Wähler waren. Wir redeten über die Flüchtlinge und fremde Kulturen. Als einer der drei dann anfing mit Aussagen wie „Im arabischen Kulturkreis hat es noch keine bedeutsamen Erfindungen gegeben“ wurde es mir zu bunt. Ich wurde wütend und widersprach vehement. Kurz darauf verließ ich die Kneipe und ging nach Hause. Diese Abwertung einer ganzen Region war und ist für mich rassistisch.

Doch selbst bei solch fremdenfeindlichen Aussagen würde ich heute versuchen, anders zu reagieren. Nicht so emotional, mich stattdessen bemühen, im Dialog zu bleiben.

Die populären Medien in Deutschland tragen zu einem großen Teil dazu bei, dass die Spaltung zwischen AfD-Wählern auf der einen den anderen Menschen zunimmt. Ich habe vor einigen Jahren fast jede Ausgabe den Spiegel gelesen und lese nach wie vor die meisten Ausgaben zumindest quer. Dem Umgang des Hamburger Magazins mit der AfD kann ich wenig abgewinnen. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass die Artikel des Spiegels zur AfD zur Spaltung unserer Gesellschaft beitragen.

Kampf gegen die AfD aus Angst vor einer Wiederholung der Geschichte

Kurz gesagt ist die AfD eines der Feindbilder des Spiegel. Berichte über die Partei werden gerne mit der Warnung vor einer Wiederholung der Nazizeit gewürzt. Und ja, ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass es in Deutschland diese Befürchtung gibt, nicht nur unter Journalisten: Auch meine Eltern haben diese Partei und insbesondere den völkischen Flügel der Partei im Verdacht, die Demokratie abschaffen und einen totalitären Staat nach Vorbild der NSDAP errichten zu wollen. Ich kann das vor allem bei älteren Menschen in unserem Land nachvollziehen, denen die Schrecken des Krieges durch Erzählungen der Eltern noch präsent sind. Und ich sehe es auch so, dass wir Deutschen eine besondere Verantwortung haben, dass sich die Schrecken des Holocausts und des zweiten Weltkriegs nicht wiederholen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite ist die AfD mehr als ein Sammelbecken für Nazis. Und nicht jeder, der etwa die Flüchtlingspolitik Deutschlands 2015 für falsch hält, ist ein Nazi. Wenn jemand sagt, er sei gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und wolle das Geld lieber für andere Zwecke wie den Bau von Kindergärten nutzen, dann halte ich das nicht für verwerflich. Es ist nicht sonderlich empathisch und mir nicht sympathisch, aber ich sehe keinen Grund, die Person für ihren Egoismus zu verurteilen. Ich sehe keine Pflicht zur Nächstenliebe und wenn es sie gibt, warum tun wir dann nichts gegen das tägliche Sterben von Kindern in Afrika?

Nicht jeder ist ein Nazi, der gegen die Aufnahme von (so vielen) Flüchtlingen ist

Unsere großen Medien wie die Öffentlich-Rechtlichen, Spiegel und Süddeutsche haben für mein Empfinden zur Zeit der Flüchtlingskrise so getan, als sei jeder, der gegen die Aufnahme von (so vielen) Flüchtlingen ist, ein schlechter Mensch. Ich selbst fand es gut, dass der Deutsche Staat und viele Menschen einer großen Zahl Hilfsbedürftiger geholfen haben. Doch wurde jeder, der das nicht wollte, in die rechte Ecke gestellt. Das macht mich wütend.

Nach meiner Empfindung geschieht dies auch heute noch. Wer AfD wählt, der wird von einem Großteil der Bevölkerung blöd angeschaut und ausgegrenzt. 2017 hat die AfD bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent der Zweistimmen geholt. Bei Landtagswahlen im Osten schneidet die Partei noch deutlich besser ab, zuletzt holte sie in Thüringen 23,4 Prozent der Stimmen und wurde zweitstärkste Kraft.

Die AfD wird nicht wohl nicht wieder so schnell verschwinden, das macht auch die Blick ins restliche Europa deutlich, in dem Rechtspopulisten in fast jedem Parlament mittlerweile vertreten sind. Umso wichtiger, sich mit der Partei und ihrer Wählerschaft auseinanderzusetzen und diese nicht pauschal auszugrenzen. Wer heute seinen Protest gegenüber den etablierten Parteien ausdrücken will, der hat kaum eine Alternative zur AfD.

Ende 2018 sagte die Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski eine Lesung in einer Münchener Buchhandlung ab, weil dort ebenfalls Bücher des neurechten Verlags Antaios vertrieben werden. Eine Aktion, die ich exemplarisch für die Einstellung des gesamten Spiegel zur AfD halte.

Ich halte ein solches Verhalten für falsch. Nun kann ich bei Frau Stokowski verstehen, dass sie aufgrund ihres polnischen Ursprungs vermutlich ein besonderes Verhältnis zu den Gräueltaten der Nazis hat und sie bei diesem Thema empfindlicher ist als andere. Und es tut mir leid, dass sie sich auf Social Media massiven Anfeindungen von rechten Idioten, diese Wertung sei mir an dieser Stelle erlaubt, ausgesetzt sieht.

Der Spiegel verdient Geld mit Feindbildern wie Höcke

Doch hätte ich mir in dieser Sache einen anderen Umgang mit der potentiellen AfD-Wählerschaft gewünscht. Nicht so verurteilend, mehr Bereitschaft zum Dialog.

Gleichzeitig ist es wichtig zu begreifen, dass Medien wie der Spiegel kein Interesse an einer sonderlich differenzierten Berichterstattung über die AfD haben. Denn am besten verkaufen sich Skandale und Titelgeschichten über die eigenen und die Feindbilder der Leser wie etwa über Björn Höcke.

Und wie sehr es sich für den Spiegel lohnt, über Themen wie Björn Höcke zu berichten, dass zeigen alleine die ständigen Berichte bei Spiegel TV über Björn Höcke. Wie etwa dieser hier.

 

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Autor: Alltagsoekonom

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Ein Kommentar

  1. Ich sehe das anders. „Keinen Fussbreit für Faschisten“ würde Ich sagen. Diese Partei gehört ausgegrenzt und geächtet und Ihre Wähler als Aussätzige behandelt.

    Die Ideen und Vorstellungen die diese Partei in Teilen verfolgt wiederstrebt jeglicher demokratischen Grundordnung.

    Das kann man auch nicht mehr konservativ nennen. Wer Menschen in Anatolien entsorgen will oder das dritte Reich als Vogelschiss abtut hat den Knall nicht gehört meiner Meinung nach.

    Grüße aus Dresden

    Philipp

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