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Medienberichte zum Buch von Christian Wulff

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Ein interessantes Thema ist weiterhin Christian Wulff und dessen erzwungener Rücktritt als Bundespräsident. Nun hat Wulff öffentlich sein Buch vorgestellt, das sich mit den Medien kritisch auseinandersetzt. Letztgenannte wiederum greift das Thema Wulff jetzt gerne wieder auf – schließlich hat der Skandal um Wulff ihnen sowohl online viele Klicks beschert als auch den Absatz der eigenen Presseerzeugnisse angekurbelt.

Über zwei Jahre ist es nun her, dass eine Flut von negativer Presse großen Druck auf Wulff und wohl ebenso auf die Staatsanwaltschaft Hannover ausübte, die schließlich gegen den Bundespräsidenten ermittelte und Wulff damit zum Rücktritt zwang.

Wie berichten die Onlineausgaben von Spiegel,  Zeit, Tagesschau und der BILD-Zeitung über das Buch von Christian Wulff und wie beurteilen sie rückblickend ihre eigene Berichterstattung um den ehemaligen CDU-Politiker?

Zunächst einmal zur BILD-Zeitung: Sie berichtet, dass Wulff seinen Rücktritt rückblickend für falsch halte und dass er seine Fehler nur auf Nachfrage benannt habe. Dazu zählt Wulff die Nachricht auf der Mailbox von BILD-Chefredakteur Diekmann und seine Urlaube bei befreundeten Unternehmern. Nur in einem Satz wird beschrieben, dass Wulff sich vom Springer Konzern und Teilen bürgerlicher Medien verfolgt fühlte.

Auf diesen Satz geht die BILD-Zeitung jedoch nicht näher ein. Insgesamt fällt auf, dass die BILD-Zeitung eher subtil den ehemaligen Bundespräsidenten kritisiert. So schreibt der BILD-Redakteur, dass es die Aufgaben der Journalisten sei „[…]den Lesern zu zeigen, wer sie wie regiert und hinter welcher Fassade die Wirklichkeit eine andere ist.“

Wulff fordert Selbstbeschränkung der Medien

Auch die Onlineausgabe der Zeit kritisiert eher unterschwellig den Bundespräsidenten. So heißt es etwa: „Selbstzweifel, das wird in der knapp einstündigen Buchvorstellung deutlich, sind Wulff bis heute weitgehend fremd.“

Interessanterweise erfährt der Leser in diesem Artikel jedoch, dass Wulff in seinem Buch eine Art Selbstbeschränkung der Medien fordert, da die vierte Gewalt aus seiner Sicht zu mächtig geworden ist. Diese Forderung Wulffs war den anderen hier verlinkten Artikeln offenbar keine Erwähnung wert.

Tagesschau.de ist  das einzige der betrachteten Nachrichtenportale, das einen nicht negativ wertenden Artikel über Wulff geschrieben hat. Thematisiert wird auch hier Wulffs Kritik an den Medien, doch der Artikel enthält ebenso einige interessante Punkte zum Entstehungsprozess des Buches.

Spiegelonline dagegen hat, wie beim Thema Wulff gewohnt, gleich eine ganze Reihe von Beiträgen zur Buchvorstellung des ehemaligen Bundespräsidenten geschrieben. Die Redaktion hat das Buch schon gelesen und fasst die Inhalte mehrerer Kapitel zusammen. Interessanterweise befasst sich ein Abschnitt dieses Artikels mit Wulffs Verhältnis zur BILD-Zeitung. Dadurch kann sich der Spiegel zurücklehnen und über Wulffs Kritik an der Springer-Presse berichten – und dabei verschweigen, dass der Spiegel ebenso einen großen Anteil daran hatte, dass Wulff über Wochen einem medialen Dauerfeuer ausgesetzt war. Wulff führt die einsetzenden Ermittlungen der Staatsanwalt übrigens – neben einer Fehde mit einem Regierungspoltiker Niedersachsens – auf die ständigen negativen Medienberichte zu seiner Person zurück.

Spiegelonline erneuert seine Kritik an Wulff

Der Spiegel konnte es sich zusätzlich nicht verkneifen, einen Kommentar zu veröffentlichen, dass der Rücktritt von Wulff selbstverständlich richtig gewesen sei. Der Kommentar kritisiert noch einmal, dass Wulff die Details zu seinem Hauskredit nur scheibchenweise preisgegeben habe. Ebenso habe der Anruf bei BILD-Chefredakteur Diekmann dazu beigetragen, dass die moralische Ingegrität von Wulff erschüttert worden sei, was einen Rücktritt unvermeidlich gemacht habe.

Immerhin gibt Kommentator Roland Nelles zu, dass über ein von Wulff angesprochenes Thema zu reden sei: „Wie gehen Medien, wie geht die Gesellschaft mit ihren Politikern um? Wo hört kritische Berichterstattung und Recherche auf, wo beginnen Häme und Verfolgung?“

Aus meiner Sicht ist das ein ganz wichtiges Thema unserer Tage. Während Medien wie zeit.de kritisieren, dass Wulff Selbstzweifel fremd seien, gilt dies ganz sicher für die Medien:Es gibt kein einziges selbstkritisches Wort der Führer der Treibjagd, als die BILD und Spiegelonline gelten dürfen.

Mediale Hetzjagden liegen im Trend

Im Gegenteil: Anstatt Wulffs Freispruch erster Klasse anzuerkennen, beharren die BILD und SpiegelOnline darauf, dass Wulff, wenn er schon nicht gegen Gesetze verstoßen hat, dann eben den hohen moralischen Anforderungen des Amtes nicht gerecht werden konnte.  Aus meiner Sicht wiegen die moralischen Verwerfungen wenig. Der Eingriff in die Pressefreiheit durch den Anruf bei Kai Diekmann sollte nicht zu streng gesehen werden, schließlich hatte Wulff zu diesem Zeitpunkt schon das Gefühl, dass die Springerpresse gegen ihn anschrieb. Und der Rest? Wulff beim Hauskredit alleine dessen schlechte Informationspoltik anzukreiden, ist eher kleinlich. Und Wulffs Gratisurlaube bei reichen Freunden sind doch auch eher Lappalien.

Aus meiner Sicht veranstaltete sowohl die Springerpresse als auch das hoch angesehene Medium Spiegel eine regelrechte Hetzjagd auf Wulff, die dadurch gekennzeichnet war, dass kleinere Vergehen aufgebauscht wurden und eine bekannte Person medial vernichtet werden sollte. Denn diese Hetzjagden führen zu vielen Klicks und damit Werbeeinnahmen für die Medienportale. Sehr kritisch zur „Berichterstattung “ rund um Wulff hat sich auch Bundestagsvizepräsident Peter Hintze im Gespräch mit dem Spiegel geäußert.

Neben Wulff musste auch Uli Hoeneß die Erfahrung machen, dass Medienportale gegen Geld genau die moralischen Maßstäbe über Bord werfen, die sie bei prominenten Personen nur allzu gerne anlegen.

photo credit: Blog do Planalto via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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