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Geld verdienen mit HYIPs?

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Drei Prozent Zinsen am Tag erhalten oder gar drei Prozent pro Stunde? Solche fantastischen Erträge versprechen sogenannte HYIPs.

Was solche Programme genau sind und was von ihnen zu halten ist, beleuchtet dieser Beitrag. Und kann man mit HYIPs wirklich Geld verdienen?

HYIP ist die Abkürzung für High Yield Investment Program, was auf deutsch ungefähr „hochrentables Investitionsprogramm“ bedeutet. Dabei verfügen HYIP-Unternehmen in der Regel über eine Website, bei der sich jeder registrieren, Geld einzahlen und Auszahlungen beantragen kann.

Die Programme tragen Namen wie Questra, Daygame Mastery oder CryptoStability.

In der Regel verfügen HYIPs jeweils über verschiedene Programme, die sich im Anlagebetrag, der Laufzeit und der Verzinsung unterscheiden. Die bereits angesprochenen drei Prozent am Tag sind keine Seltenheit. Demnach hat man bei täglicher Auszahlung der Zinsen nach einem Anlagezeitraum und  von 34 Tagen bereits das investierte Kapital zurückerhalten. Bei den meisten Programmen gibt es den Investitionsbetrag erst nach Ablauf des Programms zurück.

Über 2000 Prozent Rendite pro Jahr: Wie geht das?

Gehen wir einmal davon aus, dass ich die Investitionssumme für ein ganzes Jahr anlege und auch die Zinsen sofort wieder ins Programm investiere. Wenn ich von 260 Werktagen im Jahr ausgehe, an denen das Geld üblicherweise verzinst wird, dann erhalte ich eine Rendite von circa 2076 Prozent! Das ist natürlich im Vergleich zu einer Verzinsung von unter ein Prozent, die man bei einer Bank fürs Tagesgeld derzeit erhält, nicht unwesentlich mehr.

Um sich die Frage nach der Seriösität solcher Angebote zu beantworten, reicht es, sich folgende Frage zu stellen: Welches seriöse Unternehmen, das ein ernsthaftes und dauerhaftes Geschäftsmodell besitzt, würde einem Kapitalgeber über 2000 Prozent Rendite im Jahr versprechen, so wie es diese HYIP-Unternehmen tun? Natürlich kein einziges seriöses Unternehmen, denn bei Banken oder anderen Investitionsformen zahlt man nur einige wenige Prozent Zinsen im Jahr statt zig hundert Prozent.

Damit wäre also die Frage der Seriösität dieser Firmen schon beantwortet. Viele „Unternehmen“ und „Investoren“ wollen den HYIP-Gläubigern jedoch trotzdem weismachen, dass die Firma ein funktionierendes Geschäftskonzept besitzt. Da ist dann oft die Rede von Sportwetten-Experten oder Aktienhändlern, die am Markt abräumen. Schlimm finde ich, dass es scheinbar Leute gibt, die solchen Behauptungen vertrauen. Noch einmal: Nehmen wir an, ich habe eine Firma, die Aktienhändler beschäftigt, die sehr gut sind. Würde ich dann mein Unternehmen als ein HYIP finanzieren und 2000 Prozent Rendite an die Investoren im Jahr auszahlen? Natürlich nicht, es sei denn, ich als Firmenchef bin entweder geistig komplett degeneriert oder wohltätiger Samariter. Und nebenbei bezweifle ich, dass ein Unternehmen durchschnittliche drei Prozent Wachstum am Tag realisieren kann.

Wer einmal HYIP in einer Suchmaschine eingibt, der findet im zweiten Link von Wikipedia die Definition, dass es sich dabei um eine „Art von Ponzi-Schema“, sprich ein Schneeballsystem handelt. Über Schneeballsysteme habe ich schon einiges berichtet, beispielsweise in meinem E-Book „Die Wahrheit über Geld verdienen Im Internet„.

Neue Geldgeber finanzieren die Zinsen der Menschen, die schon länger ihr Geld dort haben

Ein typisches HYIP existiert einige Wochen oder manchmal auch Monate und in dieser Zeit werden die versprochenen Zinsen an die Kunden ausgezahlt. Dies wird dadurch finanziert, dass neue Investoren Geld einzahlen. Solange sich also genug neue Investoren finden, kann ein Programm wachsen und Vertrauen aufbauen. Ein Hype entsteht. Die großartigen Investoren feiern tolle Auszahlungen, das Vertrauen in das Programm steigt und die Geldgeber glauben, die eierlegende Wollmilchsau gefunden zu haben.

Und dann, irgendwann, sieht der Betreiber den perfekten Moment für die Schließung des Programms gekommen. Der Betreiber sichert sich logischerweise dann am meisten Kohle, wenn er das Programm in dem Moment schließt, in dem das meiste Geld auf der Plattform eingezahlt ist. Die Chefs, bei HYIPs werden diese Admins genannt, verkünden dann typischerweise, dass ihr Unternehmen insolvent sei.

In Einzelfällen mag das stimmen, wenn ein Programm entweder nicht richtig zum laufen kam oder der Admin den passenden Moment verpasst hat, sich das Geld unter die Arme zu klemmen und um sein Leben zu rennen.

Was benötigt ein HYIP, damit der Betreiber dieses Schneeballsystems möglichst viel Kohle verdient? Neue Investoren. Und wie gewinnt man die? Durch das System eines Strukturvertriebs: Wer andere Investoren wirbt, der erhält einen bestimmten Prozentsatz von deren Investitionen. Wer oben in der Pyramide steht und viele leichtgläubige Menschen findet, der kann mit diesen Betrugsfirmen selbst Geld verdienen.

Für das HYIP und die Werber von Investoren ist wichtig, möglichst bis zum Zeitpunkt der Schließung des Programms das Vertrauen der Investoren zu stärken. Dazu schicken Betreiber oder Komplizen der Betreiber Newsletter im Namen der Firma oder auch schonmal eine Unternehmensmappe per Post.

Die Tatsache, dass HYIPs in der Regel und laut Definition mit in Deutschland illegalen Schneeballsystemen Geld verdienen, bedeutet noch nicht, dass nicht auch reine „Investoren“ mit solchen Programmen Geld verdienen können. Dazu bedarf es eines frühen Einstiegs in ein Programm und dem rechtzeitigen Ausstieg, bevor der Betreiber eines HYIPs das Geld einsackt und sich aus dem Staub macht.

Skrupellose Menschen können auch als Investoren und oder Geldbeschaffer an HYIPs verdienen

Wer allerdings die Strukturen des HYIP-Markts durchschaut und mit dieser Erkenntnis Geld verdient, der handelt nicht besser als ein Betreiber eines solchen Abzockprogramms. Er verdient Geld dadurch, dass die Investoren, die kurz vor Auszahlungssperrung Geld investiert haben, ihr Geld verlieren. Er nutzt die Naivität und Dummheit der Menschen, die dieses Schneeballsystem nicht durchblicken.

Kurz zusammengefasst: HYIPs beruhen auf Schneeballsystemen. Der einzige Geschäftszweck ist die Umverteilung von Geldern. Neue „Investoren“ finanzieren dabei die Renditen der Altinvestoren und die Einnahmen der Bewerber der HYIPs.

Die Betreiber eines HYIPs schließen das Programm aus ihrer Sicht möglichst dann, wenn die Summe der angelegten Gelder maximal ist. Menschen, die mit HYIPs Geld verdienen wollen, indem sie für diese werben und die das zugrunde liegende Schneeballsystem durchschauen, handeln nicht besser als die Betreiber der Programme. Beides sind Abzocker, die sich die Naivität, Dummheit und Gier anderer Menschen zunutze machen. Aus diesem Grund sind Schneeballsysteme in Deutschland verboten.

 

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Autor: Alltagsoekonom

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3 Kommentare

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  2. Hallo Alltagsökonom ,

    Ich finde Deinen Kommentar sehr interessant. Ich bin erst seit kurzem auf Informationssuche , was diese Systeme betrifft. Ich stelle mir die gleichen Fragen über den Sinn solcher hohen Renditen. Eine andere Sache die mich anfängt zu beschäftigen, ist ob es ein stabiles System dieser Art geben könnte, indem es einen Sinn gibt so hohe Renditen auszuschütten!?

    Da ich ein bisschen im Handel tätig bin, kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es Produkte gibt, die sehr hohe Margen Abwerfen!
    Eine Bank ist nicht immer die beste Lösung! Gerade beim Start eines Unternehmens sind selbst kleine Geldbeträge manchmal große Hürden.

    Habe ich also ein Produkt was eine Marge von ca. 500% hat, kann ich erstmal theoretisch auch viel davon abgeben. Habe ich nun Investoren die bereit sind Geld in mein Unternehmen oder Produkt zu pumpen, muss ich mich bei der Bank schonmal nicht zum Sklaven machen. Der Wachstum wäre dann auch stark gebremst!
    Wenn die Investoren dann noch den Vertrieb für mich übernehmen habe ich doch eigentlich schon gewonnen. Kann ich dann noch durch hohe Investitionssummen einen besseren Einkaufspreis erzielen, bleibt unterm Strich auch wieder mehr übrig. Hätte der Mensch mit dem tollen Produkt oder der grandiosen Investment Idee es selbst geschafft? Aus eigener Kraft?

    Vielleicht! Aber der Weg ist bestimmt härter und viel viel länger und risikoreicher.

    Natürlich hätte der Gründer im Fall dass er seine hohe Renditen nicht teilt mehr am einzelnen Produkt über, jedoch fährt er besser 10% von 10.000.000 zu haben als 50% von 100.000 .

    Meiner Meinung sollte es also möglich sein ein stabiles System zu erbringen.
    Leider sehe ich es bis zu einem Gegenbeweis zur jetzigen Situation der Betrugshäufigkeit auch als sehr fraglich in solche Systeme zu investieren.

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    • Hallo Flo,

      danke für deine Gedanken. Ich kann diese jedoch nur zu einem kleinen Grad nachvollziehen.

      Sicherlich gibt es Produkte und Dienstleistungen mit hohen Margen. Doch wenn ein Geschäftsmodell so vielversprechend ist, wieso finanziert eine Bank das Unternehmen dann nicht zu extrem günstigen Konditionen?

      Nächster Punkt: Nehmen wir mal an, ein seriöser Geschäftsmann entscheidet sich dafür, Kapital über ein HYIP-System einzusammeln. Er hat dann das Problem, dass die Investoren in der Regel täglich ihr Kapital anziehen können. Diese fehlende Planungssicherheit ist ein weiterer Nachteil im Vergleich zur Bank.

      Ich bleibe dabei: Ein seriöses Unternehmen zahlt keine Traumrenditen wie HYIPs. Wenn das Unternehmen ein gutes Geschäftsmodell hat und bereits konstant Gewinne abwirft, dann findet sich leicht eine lukrativere Finanzierungsquelle. Und wenn mir keine Bank das Geld leiht, dann versuche ich es eben bei P2P-Plattformen wie Smava oder ich hole mir Risikokapitalgeber ins Boot.

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