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Dem Tod von der Schippe gesprungen? Meine Erfahrung mit Ryanair (1)

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Ich reiste vor kurzem nach Dublin mit dem Flugzeug und der Fluggesellschaft Ryanair für ein paar Tage. Der Hinflug verlief ohne Komplikationen und die Stadt war toll. Der Rückflug war dafür nervenaufreibend ohne Ende.

Bestand realistische Gefahr oder sind das nur die Hirngespinste eines Menschen, der selten fliegt? Und wie sicher ist Fliegen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln?

Den Rückflug habe ich von Dublin nach Köln-Bonn gebucht. Als Bonner schätze ich die Möglichkeit, mit dem Zug vom Flughafen fast direkt vor meine Haustür zu fahren. Doch die Reise verlief anders als erwartet, so dass ich völlig fertig zuhause ankam.

Aber der Reihe nach: Der Abflug aus Dublin erfolgte pünktlich am Nachmittag gegen 16.30 Uhr. Irgendwann in der Luft gab es eine Durchsage vom Piloten, dass aufgrund schlechter Wetterverhältnisse noch geklärt werden müsse, ob wir in Köln-Bonn landen können. Einige Zeit später meldete sich der Pilot erneut: Der Wind am Flughafen Köln-Bonn habe zugenommen, deshalb sei eine Landung dort nicht möglich. Landeort stattdessen: Frankfurt-Hahn.

Kinder schreien, die Älteren sind still

Da wurde mir das erste Mal mulmig. Ich fliege nicht oft und ich hatte noch nicht erlebt, dass ein Zielflughafen nicht angeflogen werden konnte.

Mittlerweile hatte sich im Flugzeug herumgesprochen, dass über den Westen Deutschlands ein Sturm zieht, der diese kräftigen Winde mitbringt. Dann eben Frankfurt-Hahn, dachte ich. Hoffentlich passen Fluglotsen und unsere Piloten auf, dass die bestimmt jetzt zahlreichen umgeleiteten Flugzeuge sicher landen können.

Oben in regulärer Flughöhe verlief die Reise ruhig. Von Turbulenzen keine Spur.

Als wir jedoch an Höhe verloren und die Piloten die Landung einleiteten, wurden draußen die vielen dunklen Wolken sichtbar.

Wir waren nicht mehr besonders hoch, ich kann die Flughöhe nicht einschätzen. Plötzlich sackte das Flugzeug wie in der Achterbahn einige Meter ab und auch seitlich wackelte das Flugzeug. Hinter mir schrien viele kleinere Kinder, die Erwachsenen nicht. Trotzdem wurde es im Flugzeug sehr still und Gespräche verstummten. Ich hatte richtig Angst.

Dieses Durchrütteln des Flugzeugs dauerte vermutlich nicht mehr als 20 Sekunden. Wir verloren weiter an Höhe und der Pilot gab noch einmal Gas. Entweder um die Turbulenzen auszugleichen oder weil noch einige Entfernung zur Landebahn zurückzulegen war. Durchs Fenster konnte ich dann die Landebahn sehen.

Die letzten Meter verliefen ohne weitere Dramatik und der Pilot landete den Flieger sicher auf dem Boden. Herzlichen Dank dafür noch einmal an dieser Stelle an die Crew im Cockpit.. Applaus brandete auf. Scheinbar war ich mit meiner Angst nicht allein.

Hinterher hörte ich davon, dass auch ein Ryanair-Pilot unter den Passagieren war. Laut dessen angeblicher Aussage waren die Turbulenzen weniger gefährlich. Es habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden.

Mittlerweile vermute ich, dass die Situation für die Piloten weit weniger kritisch war als für viele Passagiere. Vor allem für Fluggäste wie mich, die nicht oft fliegen. Ich denke heute noch mit beschleunigtem Herzschlag an diesen Flug.

Wenn man sich mal Videos von Seitenwind-Landungen anschaut, dann sieht man, dass Piloten auch bei miserablen Wetterbedingungen einen Flieger sicher auf den Boden bekommen. Zum Teil fliegen die Flugzeuge bis zum letzten Moment des Aufsetzens stark seitlich gegen den Wind an.

Warum kommt vielen Menschen Fliegen gefährlich vor?

Für mich gilt: Fliegen kommt mir gefährlich vor. Vom Boden abzuheben, das ist doch viel unnatürlicher als in der Bahn zu sitzen oder im PKW über die Autobahn zu jagen. Und ich habe immer noch Bilder im Kopf von Abstürzen oder von animierten Kollisionen in luftiger Höhe. Wenn etwas Schlimmes passiert, dann haben die Insassen des Flugzeugs kaum eine Überlebenschance. Im Flugzeug bin ich den Piloten und dem Flughafenpersonal ausgeliefert. Ich kann nicht schnell mal an der nächsten Haltestelle oder im Notfall an der nächsten Ampel aussteigen wie aus einem Bus.

Youtube ist voll von Dokumentationen über Flugkatastrophen, die eine Art Horrorfilm darstellen. Hier kann man sich mal richtig schön gruseln, was einem doch Schlimmes hätte passieren können. Doch wenn ich dann wirklich in ein Flugzeug steige, kann der Konsum je nach geistiger Verfassung meine Angst verstärken.

Doch wie gefährlich ist Fliegen tatsächlich? Hier kann man sich eine Studie vom Statistischen Bundesamt anschauen.

Bezogen auf Personenkilometer ist Fliegen unübertroffen sicher

Beim Vergleich von Unfällen zwischen verschiedenen Transportmitteln ergibt sich die Problematik, dass die reine Anzahl von Verletzten oder Toten nichts aussagt. Es reisen schließlich viel mehr Menschen auf der Straße als in Flugzeugen, während Flugzeuge größere Distanzen zurücklegen und dabei mehr Passagiere befördern.

Eine sinnvolle Bezugsgröße auf die Todesopfer sind die Personenkilometer. Diese Einheit entspricht der zurückgelegten Distanz eines Verkehrsmittels multipliziert mit der Anzahl der beförderten Passagiere. Beispiel: Ein ausgebuchter A-380 fliegt von London nach New York. Das sind etwa 5500 Kilometer und bis zu 853 Passagiere. 5500 x 853 ergibt 4.691.500 Personenkilometer.

Welches Transportmittel ist beim Verhältnis zwischen Getöteten und zurückgelegten Kilometern in Deutschland am gefährlichsten?

Auf Platz 1 kommt die Straßenbahn. Hier werden 8,8 Personen je eine Milliarde zurückgelegter Kilometer getötet. Es folgt der PKW mit 4,3 getöten Fahrgästen und der Zug mit 4,1 Todesopfern. Auf Rang Zwei der sichersten Verkehrsmittel: Der Bus mit 3,3 Verunglückten. Weit dahinter und am wenigsten gefährlich: Das Flugzeug mit 0,3 Personen, die bei Unfällen ihr Leben verloren.

Auch die FAZ kennt diese Statistik mit den Personenkilometern, die dem Flugzeug eine unschlagbare Sicherheit bescheinigt. Die FAZ bezieht sich auf die EU. Demnach weisen Züge in der EU nach dieser Bezugsgröße dasselbe Maß an Sicherheit auf wie Flugzeuge.

Doch der FAZ-Artikel weist noch auf eine weitere interessante Statistik hin. Bezieht man die Todesopfer auf die Anzahl der Reisestunden, sind Bus und Zug demnach weitaus sicherer. Gefährlicher als Fliegen ist dann nur noch das Auto.

Auf kurzen Strecken gibt es sicherere Alternativen

Laut FAZ-Autor deutet diese Statistik in die Richtung, dass bei kurzen Distanzen eine Bus- oder Zugfahrt sicherer sein kann. Doch betrachten wir einmal eine typische Kurzstrecke: Von München nach Berlin sind es etwa 560 Kilometer Luftlinie. Im Flugzeug benötige ich nur 70 Minuten, während ich etwa 7,5 Stunden im Zug verbringe und auch eine Busfahrt ähnlich lang dauern wird. Die Fahrtdauern liegen so deutlich über der Flugdauer, dass sie den vermeintlichen Sicherheitsnachteil des Fliegens auf dieser kurzen Strecke zum großen Teil wettmachen.

Warum nur zum großen Teil? Berücksichtigt man, dass die meisten Flugzeugunglücke bei Start und Landung passieren, so ist die Aussage des Artikels für mich nachvollziehbar: Auf kurzen Strecken können andere Verkehrsmittel sicherer sein als Fliegen. Das Flugzeug besitzt hingegen einen großen Sicherheitsvorteil bei weiten Distanzen.

Im zweiten Teil meiner Erfahrung mit Ryanair wird es um die anschließende Situation am Flughafen gehen. Schließlich musste Ryanair dafür sorgen, dass ich aus dem Niemandsland des Flughafen Hahn zum Airport Köln-Bonn kam.

 

photo credit: Nabil Molinari Photography Ryanair EI-DPD Boeing 737-8AS Winglets cn/33623-2123 @ LEBL / BCN 07-11-2016 via photopin (license)

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Autor: Alltagsoekonom

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