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Sind Millionengehälter gerecht (3) ?

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Wenn es gerecht ist, Menschen nach Leistung zu bezahlen, dann muss auch jeder Mensch die gleiche Möglichkeit haben, Leistung zu bringen. Dies führt uns zum Thema Bildung.

Der erste Teil dieser Artikelserie ging auf den immer größer werdenden Gehaltsunterschied zwischen Managern und dem Rest der Belegschaft ein. Text Nummer 2 erläuterte, dass man sowohl anhand der Leistung, als auch anhand des Arbeitseinsatzes Arbeit entlohnen kann.

Wenn die Bezahlung nach Leistung gerecht ist, dann ist folgende Frage zu bejahen : Haben in Deutschland die Menschen ähnliche Vorraussetzungen, Leistung zu erbringen? Die Antwort dürften die meisten Menschen schon kennen: Nein, denn in Deutschland ist die sogenannte Bildungsdurchlässigkeit sehr gering. Das bedeutet, dass es Personen aus bestimmten gesellschaftlichen Schichten sehr viel schwerer haben, einen hohen Bildungsstand zu erreichen. Kinder aus sogenannten Hartz 4-Familien beziehen später sehr viel wahrscheinlicher Hartz 4 als Kinder, deren Eltern studiert haben.

Der Bildungsbericht 2012, der von einer Gruppe von Wissenschaftlern erstellt und vom Bildungsministerium gefördert wurde, weist im Kapitel Chancengleichheit zudem auf den Unterschied zwischen Männern und Frauen hin. Mädchen erreichen an den Schulen im Durchschnitt höhere Bildungsniveaus als Jungen. Mehr als jede zweite junge Frau erreichte demnach das Abitur oder die Fachhochschulreife. In der Folge jedoch studieren weniger Frauen an Hochschulen als Männer. Auch am Arbeitsmarkt bietet sich ein gegensätzliches Bild: Laut Bildungsbericht ,,weisen Frauen in allen Qualifikationsgruppen niedrigere Beschäftigungsquoten auf […].“ Besonders in sehr ranghohen Positionen, etwa in Vorständen von DAX-Unternehmen, findet man Frauen selten. Zusätzlich sind Frauen öfter in Teilzeit tätig. Dies hat auch die Öffentlichkeit und Politik bemerkt und diskutiert über die Einführung einer Frauenquote.

Bestimmte Elternmerkmale verringern die beruflichen Chancen

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Bildungsbericht sieht Kinder von Migranten als Risikogruppe an. Deren Entwicklung stehe oft durch finanzielle und soziale Risiken sowie durch die häufige Bildungsferne der Eltern unter einem schlechten Stern. Grundsätzlich profitieren die Kinder von Eltern mit hohen Bildungsabschlüssen in zweierlei Weise: Einerseits findet eine bessere Frühförderung im Elternhaus statt. So lesen Eltern etwa ihren Sprösslingen aus Büchern vor. Zusätzlich werden diese Kinder in institutionellen Einrichtungen wie Kindertagesstätten früher bzw. überhaupt gefördert.

Hier kritisiert der Bildungsbericht, dass staatliche Institutionen offenbar noch nicht in der Lage sind, das Handicap von Risikokindern auszugleichen. Kinder aus bildungsschwachen Familien und Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund haben öfter mit Sprach- und Lese- Problemen zu kämpfen und wiederholen Schulklassen häufiger. Nach der Schullaufbahn verfestigen sich die Probleme von ausländischen Jugendlichen, die über einen niedrigen Bildungsabschluss verfügen. Diesen stehen nur wenige Ausbildungsberufe offen und zusätzlich beenden sie ihre Ausbildung seltener.

Folglich haben es in unserer Gesellschaft bestimmte Personengruppen schwerer, beruflichen Erfolg zu haben als andere. Bei Frauen wird dies neben der biologischen Eigenschaft, Kinder zu kriegen, auch mit gesellschaftlichen Rollenbildern zu tun haben. Letztlich sind Fragen nach Chancengleichheit auch förderlich für die Entwicklung eines Landes. Schließlich bleibt derzeit, auch in Deutschland, viel menschliches Potenzial ungenutzt, da Menschen nicht ausreichend gefördert werden. Chancengleichheit bei  einem allgemein hohen Bildungsniveau würde auch dabei helfen, soziale Konflikte zu mindern. Zudem könnten Folgekosten, die etwa durch Beschädigungen randalierender Jugendlicher bzw. Gefängnisaufenthalte krimineller Jugendlicher entstehen, vermieden werden.

Um meine Überlegungen zusammenzufassen: In Deutschland sind die Chancen, gute Leistungen zu bringen, ungleich verteilt. Dies ist nicht nur ungerecht, sondern verschenkt auch menschliches Potenzial, das der Gesellschaft nutzen würde.

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Autor: Alltagsoekonom

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