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Die Vermögensverteilung in Deutschland

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Wer in den letzten Tagen aufmerksam Zeitung gelesen hat, kam um diese Meldung nicht herum: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fand in einer Studie heraus, dass die Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sind.

Betrachtet wurde dabei das Nettovermögen, also der Besitz nach Abzug der Schulden, im Jahr 2012. Zum reichsten Prozent der Bevölkerung gehörte man demnach bereits mit einem Vermögen im Wert von 817.000 Euro. Das reichste Zehntel Deutschlands besaß netto mindestens 217.000. In den letzten 10 Jahren konnten die einkommensstärksten Bevölkerungsgruppen ihren Vermögensvorsprung weiter ausbauen.

Demgegenüber hatten 20 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2012 keinen Besitz, bei sieben Prozent übertrafen die Schulden sogar die Vermögenswerte.

Auch zwischen Ost- und Westdeutschland herrscht eine große Kluft. Der durchschnittliche Bürger im Westen verfügte netto über 94.000 Euro, während ein Ostdeutscher nur 41.000 Euro für sich verbuchen konnte.

Der sogenannte Gini-Koeffizient misst die Gleichheit der Vermögensverteilung in einem Land. Der Wert 0 steht dabei für eine Gleichverteilung der Vermögen, bei einem Wert von 1 würde ein Bürger das gesamte Vermögen auf sich vereinen, der Rest ginge leer aus. Deutschlands Gini Koeffizient des Jahres 2012 lag bei 0,78, dies ist der höchste Wert aller Euroländer.

Demnach sind die Vermögen in Deutschland am ungleichsten verteilt. Im internationalen Vergleich bestehen jedoch in den USA noch größere Unterschiede bei der Verögensverteilung als bei uns (Gini-Koeffizient 0,87).

Ich finde dieses Ergebnis alarmierend. Die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Armen unserer Gesellschaft ist sehr groß und in den letzten 10 Jahren nahezu unverändert. Offiziell redet die Politik von einer sozialen Marktwirtschaft, einer gerechten Wirtschaftsform. Oft wird dann, gerade in marktgläubigen Kreisen, davon gesprochen, dass das einkommensstärkste Fünftel der Deutschen einen Löwenanteil der Steuern zahle.

Doch was, bitte schön, nutzen diese angeblich so hohen Steuern, wenn die Reichsten Deutschlands trotzdem noch wohlhabender werden?

Da kann die Politik weiterhin das Mantra von „Leistung muss sich lohnen“ herunterbeten: Wir steuern auf eine Spaltung der Gesellschaft zu, denn die Trennlinien zwischen Gewinnern und Verlierern in unserer Gesellschaft sind nicht mehr zu übersehen.

Es scheint vor allem in besser gebildeten Kreisen in unserer Gesellschaft mittlerweile ein Konsens zu bestehen, dass Leistung der alles überragende Wert unserer Gesellschaft ist. Leistung definiert den Wert eines Menschen. Gute Leistungen müssen fürstlich entlohnt werden. Mit dem durch Leistung gewonnenen Geld kann sich der Leistungsmensch dann von den Weniger-Leistenden abgrenzen, indem er sich ein protziges Haus und eine fette Karre und eine Rolex kauft.

Dennoch ist es unfair, Menschen nur nach Leistung zu bezahlen. Einerseits stellt sich die Frage, was eine gerechte Entlohnung für Leistung ist. Der Marktmechanismus führt hierbei zu kaum noch ertragenden Übertreibungen. So werden beispielsweise Topmanager oder Spitzenfussballer gnadenlos überbezahlt.

Andererseits haben nicht alle Menschen dieselben Vorraussetzungen, um eine bestimmte Leistung zu erbringen. Wer etwa in einem verwahrlosten Elternhaus aufwächst, der kann seinen emotionalen und kognitiven Lernrückstand später kaum noch wettmachen (wer sich näher dafür interessiert: Ich habe zwei Artikel der Analyse des Themas „Sind Millionengehälter gerecht?“ gewidmet: Teil I und Teil II)

Mir geht es keinesfalls darum, das Leistungskriterium aus der Gesellschaft zu verbannen. Vielmehr geht es um eine bessere Balance zwischen Leistungsglaube und Solidarität, zwischen Individualität und Gemeinsinn.

Hier noch ein FR-Artikel mit weiteren EInzelheiten zur Studie des DIW.

photo credit: Dustin Diaz via photopin cc

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Autor: Alltagsoekonom

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6 Kommentare

  1. Hatte das tatsächlich vor ein paar Tagen in der Berliner Zeitung gelesen!

  2. Wen es interessiert und wer mehr und detailliertere Informationen möchte:
    Zu diesem Thema habe ich einen Beitrag auf meinem Blog verfasst.

    Leser aus meinem Umfeld finden ihn lesenswert – sie hoffentlich auch.

    Grüße
    Klaus Lehmann

    • Das ist ein sehr interessantes Thema. Man muss natürlich Zeit aufbringen. Leider deckt man bei genauer Recherche auch viele Zahlen auf die erschreckend sind. Die Vermögensverteilung ist dabei ja nur eine Sache.
      Ich werde gerne auch auf Ihren Blog schauen.
      Viele Grüße,
      Paul

  3. Wirklich interessnter Beitrag. Besonders interessant mal so genaue Zahlen zu lesen. Ich bin auf dem Stand, dass die Vermögensverteilung überall sehr ungleich ist und es auch immer ungleicher wird. Eigentlich ist das echt traurig wenn dem wirklich so ist…

    Gruß,
    Linda

  4. Das ist wirklich ein super Blog hier. Die Seiten sind sehr übersichtlich gestaltet, das Design gefällt mir auch sehr gut und ebenfalls die Themen sind wirklich interessant und informativ. Vielen Dank für diese tollen Posts und die ganze Mühe und Zeit die du hier investierst. Alle Gute für die Zukunft! Gruß

  5. Ich hätte nicht gedacht das fast 50% Unterschied zu West und Ost besteht. Das Reiche immer reicher werden war aus meiner Sicht schon immer so. Die Zahlen sind erschreckend wahrscheinlich ist die dunkelziffer noch schlimmer. Guter Beitrag so hat man wenigstens Zahlen und Fakten vor Augen

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