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Werbung: Gut oder Böse?

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Das Thema Werbung und Marketing ist ein sehr interessantes, weil sehr vielschichtig.

Ich möchte in diesem Grundsatzartikel aufzeigen, wann ich Werbung mag und in welchen Fällen ich Werbung schlecht finde.

Ich habe mal einen Artikel zu einer Boss-Bottled-Werbung geschrieben. Aber seht ihn euch am besten selbst an, bevor ich etwas dazu schreibe:

Eine Werbung, in der Schauspieler Gerard Butler Sätze sagt wie „Ich gebe mich nie zufrieden. Ich gebe immer mein Bestes. Und das sieht man mir an.“ oder „Ein Mann rennt nicht, er bewahrt Haltung.“ „Ich bin mehr als ein Mann mit einem festen Händedruck und guter Arbeit. Sorgfalt und Einsatz lautet mein Motto.“

Ich kenne keine arrogantere Werbung. Die Werbung ist schon so gnadenlos überzeichnet, dass sie schon als Satire taugt. Wer sich selbst für den geilsten hält, der kauft sich bitte dieses Parfüm. Ich lese grad ein Buch vom Dalai Lama, der zum Thema Ethik Werte wie Gemeinschaft, Demut, Anerkennung der Abhängigkeit von anderen handelt. Werte, die diese Werbung konterkariert. Eine Ego-Werbung, bei der die eigene Großartigkeit und der eigene Unterschied zu all den lausigen Mitmenschen im Mittelpunkt steht. Hier könnt ihr meinen damaligen Beitrag zur Parfümwerbung ansehen.

Mir gefallen die menschlichen Werte nicht, die hier vermittelt werden. Wie das Produkt ist, kann ich nicht sagen. Und ich möchte es auch nicht wissen.

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Zigarettenschachteln müssen seit einigen Monaten mit Schockbildern ausgeliefert werden, die Raucher vor den Gefahren der Glimmstengel warnen. Tabakfirmen dürfen zudem nur noch auf Plakaten für Ihre produkte werben.

Wenn es um das Thema Werbung – Ja oder Nein? geht, ist für mich die Qualität des Produkts der entscheidende Faktor.

Ein gutes Produkt benötigt Werbung, um bekannt zu werden

Wenn ein Unternehmen ein gutes Produkt anbietet, das gut ist und anderen Menschen weiterhilft, dann ist Werbung etwas Gutes. Schließlich muss ein Unternehmen zunächst dafür sorgen, dass die Leute überhaupt wissen, dass es da Produkt XY gibt. Und dazu muss ich in der ein oder anderen Form Marketing machen, um den Absatz zu fördern. Ein Teil des Marketings, neben Aktivitäten wie Sponsoring oder Verkaufsförderung (Sonderangebote, Platzierungen in Supermärkten),  ist die Werbung.

Werbung kann verschiedene Formen annehmen. Ich kann Anzeigen schalten in Medien wie Zeitungen, ich kann Visitenkarten verteilen oder ich entscheide mich dazu, einen Regenschirm zu bedrucken, wie es bei verschiedenen Herstellern möglich ist. Mein Vater hat als Selbständiger Taschenrechner oder Kugelschreiber mit seinen Kontaktdaten bedrucken lassen. Lokale Kleinunternehmen entscheiden sich oft dafür, Flyer an die Haushalte im Stadtgebiet zu verteilen.

In Bonn gibt es den Essenslieferdienst Foodora, der Speis und Trank verschiedener Restaurants an die Haustür liefert. Foodora beschäftigt dabei Studenten, die die Kunden ausschließlich mit dem Fahrrad beliefern. Die Pizzaboten haben allesamt einen auffälligen pinken Rucksack auf dem Rücken oder eine ebenso auffällige Essensbox auf dem Gepäckträger. Wenn die Foodora-Lieferanten nichts zu tun haben, sitzen Sie bei gutem Wetter gerne am Rand der Hofgartenwiese, auf der es sich viele Menschen gemütlich gemacht haben. Ob Absicht oder nicht, Foodora wird vielen Hofgartenliebhabern mittlerweile ein Begriff sein.

Mir gefällt am Foodora-Konzept gut, dass Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erbringung der Dienstleistung und Werbung zur selben Zeit.

Als Unternehmen mit einem guten Produkt komme ich an Werbung meist nicht vorbei, um die Leute zum Kauf zu bewegen. Vollkommen legitim. Nutella ist die beste Nuss-Nougat-Creme, die ich kenne. Dann soll Ferrero gefälligst auch Werbung für Nutella schalten dürfen. Aber bitte nehmt dazu keine Sportstars, um Kindern zu suggerieren, dass Nutella Teil eines sportlichen Lebensstils ist.

Gehirnwäsche durch Werbung bei Mittelmaß-Produkten und Bier

Wenn ich jedoch kein richtig gutes Produkt habe und die Menschen mit Marketing bombadiere, um Ihnen einzureden, dass ich dieses tolle Produkt habe, dann finde ich Werbung schlecht. Beispiele: Coca Cola oder Mc Donald’s, die ein mittelmäßiges Produkt zum Elementarteil eines coolen Lebensstils verklären. Coca Cola ist mir im Sommer mal wieder richtig negativ aufgefallen, als sie sich mit Werbeplakaten bei den Fans der Deutschen Nationalmannschaft angebiedert haben. Leider finde ich den Plakatslogan nicht mehr. Es war sowas wie: „Den EM-Sieg könnt ihr später feiern. Unsere Mannschaft schon jetzt.“ Die Brauerei Bitburger ist natürlich auch immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, mit „unseren Jungs“ Bierflaschen zu verkaufen.

Bier ist ein typisches Produkt, bei dem Marketing sehr wichtig für die Brauereien, für den Verbraucher jedoch nachteilig ist. Zum Beispiel Pils: Krombacher, Bitburger, Beck’s, Veltins, Hasseröder, Radeberger, Oettinger. Die Unterschiede im Geschmack sind gering. Daher probieren es Brauereien mit Gehirnwäsche. Beck’s verkörpert Freiheit, wer König Pilsener trinkt ist ein erfolgreicher Mann wie Boris Becker (es vor langer Zeit einmal war). Und wir alle lassen uns davon beeinflussen, der eine mehr, der andere weniger.

Oder Apple: Gute Produkte, aber gnadenlos überteuert, weil die Marke vor allem bei hippen Kreativen im Trend liegt. Hier seht ihr eine Übersicht der wertvollsten Marken 2016. Vor Apple auf Platz Eins steht Google.

Das Problem ist, dass Werbung allgegenwärtig ist. Im Internet, im Fernsehen, in den Innenstädten auf Plakaten. Was dazu beiträgt, dass viele Menschen zum Irrglauben gelangen, im Konsum ihr Lebensglück finden zu können. Was ein weiser Mann wie der Dalai Lama anders sieht. Gelebte menschliche Werte, Gemeinschaft, Solidarität, Hilfsbereitschaft sieht dieser, neben materiell wichtigen Dingen wie dem Fortschritt im Gesundheitssystem, als Pfeiler für ein erfülltes Leben.

Wer sich näher mit dem Thema Konsumkritik beschäftigen möchte, dem sei die Seite konsumpf.de als weitergehende Literatur empfohlen.

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Autor: Alltagsoekonom

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