Wirtschaft einfach leben

Wie Medien bei der Sportberichterstattung das Augenmaß verlieren

| 2 Kommentare

Medien berichten bei Sportereignissen meist alles andere als sachlich. Gerade die Boulevardmedien neigen dazu, einzelne Ereignisse dramatisch überzubewerten und damit Geschehnisse im Sport verzerrt darzustellen.

Aus zahlreichen Zuschriften von Lesern weiß ich, dass viele Menschen das Thema „Medien und Wirtschaft“ ganz besonders interessiert. Bei mir verhält es sich genauso, weshalb sich der folgende Artikel schon fast von alleine schrieb. In einem ähnlichen Artikel auf wirtschafteinfach.de habe ich kritisiert, dass Fußballtrainer zu schnell entlassen werden.

Auch dieser Artikel konzentriert sich auf den Profifußball. Das mediale Interesse hierfür ist aufgrund der überragenden Beliebtheit in Deutschland besonders hoch. Für meine Analyse habe ich die Zeitschriften Kicker und Sportbild sowie den Sportteil der Bild am Sonntag untersucht.

Aufmacher passen oft nicht zum Text

Beginnen möchte ich mit Sport Bild. Zunächst einmal sind die reißerischen Schlagzeilen auf der Titelseite auffällig. So heißt es etwa in der Ausgabe vom 13.3.2013: ,,GOMEZ Jetzt rede ich!“ Was erst einmal danach klingt, als habe Mario Gomez im Interview richtig auf den Putz gehauen, entpuppt sich als harmloses Interview ohne Überraschungen. Auch ist auf der Titelseite vom Draxler-Geheimnis die Rede. Was ist also laut Sport Bild das Erfolgsgeheimnis des Schalker Jungstars? Die Zeitschrift schreibt, er nehme die Bälle nun in vollem Lauf mit und suche direkt den Torabschluss. Zudem spiele er nach dem Holtby-Verkauf nun zentral. Ich denke, für ein Erfolgsgeheimnis sind diese Aussagen doch sehr dürftig. Diese beiden Beispiele verdeutlichen folgendes Prinzip: Die Texte halten nur sehr selten das, was die Überschriften versprechen.

Ein zentrales Thema stellt in der ,,SpoBi“ Greuther Fürth dar. In einer Kolumne wird die Aussage gemacht: ,,Dieser Klub ist in jeder Hinsicht peinlich!“ Zusätzlich wird im Statistik-Teil die Fürther Elf mit dem punktemäßig schwächsten Team der Bundesliga-Geschichte, Tasmania Berlin, verglichen. Aufgrund der 0:3 Heimniederlage gegen Hoffenheim stellt das Team offenbar ein passendes Ziel dar. Und natürlich ist Greuther Fürth ein fast sicherer Absteiger und kann nicht mithalten in Deutschlands Oberhaus. Aber: Die Mannschaft holt immer wieder Punkte, die man ihr nicht zutraut, etwa das 2:2 in Bremen, das Remis in Hamburg oder den glücklichen Sieg bei Schalke 04. Dabei zeigt die Mannschaft teilweise ansprechenden Fussball. Hier wird eine bittere Heimpleite als Aufhänger genommen, um einen Verein undifferenziert niederzumachen.

Kurzfristige Ergebnisse werden überbewertet

Zeitung gerolltÄhnlich schreibt die Bild am Sonntag-Sportredaktion: ,,Jones staucht Schalke-Schlaffis zusammen“ heißt es da. Es wird geschrieben, dass die Schalke Offensive beim 0:3 gegen Nürnberg krass versagte. Allein beim Kommentar von Nürnberg-Trainer Wiesinger klingt an, dass aus Sicht der Nürnberger eine große Portion Glück dabei war, dass Schalke nicht mit 1:0 in Führung geht. Stattdessen wird ein 0:3-Ergebnis als Anlass genommen, auf die Schalker verbal einzuschlagen. Wer das Spiel nicht gesehen hat, der könnte glauben, dass Schalke schwach gespielt hat. Dies war jedoch nicht der Fall.

Auf der anderen Seite wird Nuri Sahin nach seinen zwei Toren gegen Freiburg in den Himmel gelobt. Es ist die Rede davon, dass er in Dortmund angekommen sei. Diese Einschätzung finde ich bemerkenswert, denn nach 90 guten Minuten kommt dieses Fazit etwas vorschnell.

Der Kicker zeigt sich in seiner Ausgabe vom 11.3.2013 moderater. Gleichzeitig wird jedoch nach dem Derby-Sieg von Schalke 04 und insgesamt drei Siegen in Folge der Trainer Jens Keller über den grünen Klee gelobt. So liest man Sätze wie: ,,Seine Handschrift, gemessen an den jüngsten Auftritten, begeistert“. Auch ist von einer augenblicklichen Idealkonstellation die Rede. Nach Erscheinen dieser Kicker-Ausgabe hat S04 zweimal verloren. Sie sind unglücklich aus der Champions League ausgeschieden und haben, ebenfalls mit Pech, gegen Nürnberg verloren. Gewinnt Schalke in der Folge einige Spiele nicht, dann wird auch der Kicker den Trainer und die Spieler wieder aufs Schärfste kritisieren, davon bin ich überzeugt.

Das Fazit

Was in der medialen Berichterstattung fast vollständig untergeht: Fußballspiele werden stark vom Zufall beeinflusst. In 90 Minuten kann die schwächere Mannschaft durch ein glückliches Tor gewinnen, wenn das bessere Team seine Chancen nicht nutzt oder Pech hat. Genau dies wird von den Medien völlig unzureichend berücksichtigt. Es verkauft sich einfach besser, wenn Spieler und Mannschaften unreflektiert als Versager bezeichnet werden oder wenn einzelne Personen nach einigen guten Ergebnissen in den Himmel geschrieben werden. Wenn man Spieler gerecht beurteilen will, muss man die Leistung über einen viel größeren Zeitraum betrachten.

 

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

Autor: Alltagsoekonom

Der Volkswirt schreibt hier über persönliche und ökonomische Lebensführung, über Gerechtigkeit und über Gesellschafts- und Kartenspiele. Er freut sich immer über Kommentare, Feedback und Kooperationsgesuche. Sehr gerne über das Kontaktformular dieser Seite oder per Mail. Ansonsten ist der gute Herr auch bei google+ zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Ich stimme der Kernaussage des Beitrags vollkommen zu. Heutzutage geht es nur noch um Auflage, Auflage, Auflage. Diverse Boulevardmedien gehen völlig undifferenziert auf Vereine und Spieler los, wie folgender Eintrag bei bildblog.de verdeutlicht:

    http://www.bildblog.de/47401/woher-kommt-der-hass/

  2. Schöner Link, der passt thematisch sehr gut.

    Ich habe auch noch was gefunden: Bei 11freunde.de gibt es ein Interview mit dem Schalker Jermaine Jones. Dieser berichtet u.a. davon, wie Medien Spieler in Schubladen stecken und wie schnell sich im Tagesgeschäft die öffentliche Berichterstattung ändert:

    http://www.11freunde.de/interview/jermaine-jones-ueber-magath-reus-und-jugendsuenden

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.